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Die religiöse Seite des Eric Clapton

Historische Aufnahme: Eric Clapton mit George Harrison (Beatles) im Studio. Foto: Copyright Brian Roylance

Historische Aufnahme: Eric Clapton mit George Harrison (Beatles) im Studio. Foto: Copyright Brian Roylance

Im Februar dieses Jahres bekam der Gitarrist, Sänger und Songschreiber Eric Clapton seinen 19. Grammy überreicht (für das mit J.J.Cale eingespielte Album „The Road to Escondido“). Ebenfalls im Februar lud ihn die Nordkoreanische Regierung als ersten Rockmusiker zu einem Konzert in ihr Land ein.

Nach 133 Konzerten beendete er 2007 eine Welttournee, auf der er Geld für ein Zentrum gegen Drogenmissbrauch in Antigua sammelte. Eric Clapton – in den letzten Jahren läuft es gut für ihn. Seit sechs Jahren ist er glücklich mit Melia McEnery Clapton verheiratet. Gemeinsam haben sie drei Töchter.

Gitarren und ihre Saiten sind seine Welt. Er könne sich nur in der Musik seines Instruments wirklich ausdrücken, hat Eric Clapton einmal von sich gesagt. In seiner 2007 erschienenen Autobiografie „My Life“ (Mein Leben) offenbart Mister Slowhand, wie seine Fans ihn nennen, schonungslos die anderen Seiten seiner Existenz. Er zeichnet ein zerrissenes Leben nach, vergleichbar einer Achterbahnfahrt: Von riesigen musikalischen Erfolgen, hin zu tiefen persönliche Abstürzen in Drogen und Alkohol und einer ständigen Suche nach Heimat und Halt.


»Darf ich dich jetzt Mummy nennen?«

Bisher kaum beleuchtet wurde die religiöse Seite des Gitarrenmeisters. Auch sie ist ein wesentlicher Teil seines Lebens und beeinflusste das, was er dachte und tat. Clapton schreibt auch hier offen und ehrlich. Sein Lebensweg war selten ein ebener.

Im Alter von neun Jahren erkennt er, dass die „Eltern“ bei denen er lebt, in Wahrheit seine Großeltern sind. Als die richtige Mutter irgendwann auftaucht und er sie fragt: „Darf ich dich Mummy nennen?“ lehnt diese freundlich ab. Seine Großeltern hätten viel mehr für ihn getan, die seien Mum und Dad. Die Gefühle von Vereinsamung und Ungeborgenheit verankern sich tief und durchgehend in seinem Leben, lassen ihn im Blues die angemessene Ausdrucksform für sich finden.


Religiöse Wurzeln

Aufgewachsen ist Eric im ländlichen Surrey, Südengland, im religiösen Umfeld der Anglikanischen Kirche. In seinem Buch schreibt er von einer „starken Neugier“ auf spirituelle Dinge. Allerdings habe ihn sein Suchen weggeführt von Kirche und gemeinsamen Gottesdiensten hin zu einer „inneren Reise“. Die zarten Ansätze des Glaubens spiegeln sich in einem Song seiner Jugend „Jesus bids us shine“ (Jesus lädt uns ein, zu leuchten). Insgesamt findet er in der Nachbarschaft einer Arbeitergemeinde wenig geistliche Anregungen.

Nach zahlreichen erfolgreichen Karriereschritten kommt es 1969 zur Begegnung mit dem Duo Delaney und Bonnie Bramlett. Erics Band „Blind Faith“ (Blinder Glaube) spielt als Vorgruppe für die Amerikaner. Eines Abends ermutigt Bramlett Clapton, der sich bisher nur auf seiner Gitarre versiert fühlt, zu singen: „Gott hat dir diese Gabe geschenkt und wenn du sie nicht nutzt, wird er sie wieder nehmen.“ Drastisch, aber der Brite folgt dem Rat – und hat bis heute großen Erfolg damit.


Bekehrung hinter der Bühne

Einige Tage später kommen nach dem Konzert zwei Christen in Claptons Garderobe. Waren sie angezogen und ermutigt von dem Titel „Presence of the Lord“ (Gegenwart des Herrn), der damals der Publikumshit in „Blind Faith“-Konzerten war? Die beiden Jugendlichen bitten den Musiker, mit ihnen zu beten. Als sie niederknien, sieht Eric Clapton „ein blendendes Licht“ und spürt Gottes Gegenwart. Das Erlebnis verschweigt er nicht, erzählt „jedem“, dass er nun ein „wiedergeborener Christ“ sei.


Absturz und Neuanfang

Doch sein Weg nimmt zunächst eine ganz andere Wendung. In dem Maß wie die „Legende“ Clapton wächst, tun es auch seine zerstörerischen Verhaltensweisen. Innerhalb eines Jahres nach seiner Bekehrung wird er drogenabhängig, wird wieder frei davon und verfällt dafür dem Alkohol. Eine Reihe von gescheiterten Beziehungen säumen diese ziellose Wegstrecke.

Nach einer abgebrochenen Rehabilitation betet Clapton in höchster Not und liefert sein Leben erneut Gott aus. Er tut dies besonders im Blick auf das Leben seines neugeborenen Sohnes Conor. „Ich war in größter Verzweiflung“, erinnert er sich. „In der Einsamkeit meines Zimmers bat ich Gott um Hilfe ... Ich wusste, dass ich am Ende meiner Kraft bin ... und während ich kniete, lieferte ich mich Gott aus. Innerhalb weniger Tage merkte ich dann ... Ich hatte einen Ort gefunden, zu dem ich zurückkehren konnte, einen Ort, den ich schon immer kannte, den ich aber bis dahin nicht wirklich wollte, brauchte oder daran geglaubt habe. Von da an, bis heute, habe ich es nicht versäumt, morgens auf Knien um Hilfe zu bitten und abends meinen Dank auszudrücken, für mein Leben und besonders dafür, dass ich nüchtern geblieben bin. Ich wähle die Form des knienden Betens weil ich das Gefühl habe, mich demütig zu zeigen. Und für mein Ego ist es das Beste, was ich tun kann. Wenn du fragst, warum ich das alles tue ... weil es funktioniert, so einfach ist das.“


Tränen im Himmel

Vier Jahre nach der entscheidenden Kehrtwende zu Gott stirbt der fünfjährige Conor durch einen Sturz aus dem Fenster des 53. Stockwerks der New Yorker Wohnung. Clapton: „Das war ein Augenblick, in dem ich meinen Glauben verlor.“ Doch er bekam die Kraft, den eigenen Willen, in Gottes Hand zu legen. Die Musik half ihm dabei. Mit dem Lied „Tears in heaven“ (Tränen im Himmel) beschreibt und verarbeitet der Künstler sein schmerzvolle Erfahrung.

Autor: Harald Mallas

Buchtipp: Eric Clapton: Mein Leben; Kiepenheuer&Witsch 2007; 346 Seiten, 19,90 Euro.

Dieser Beitrag wurde am 11.4.2008 um 10.48 Uhr veröffentlicht.

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