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Wichtigster Feiertag: Ostern oder Karfreitag?

Günter Beyer aus Anklam fragt: In meiner Jugendzeit habe ich gelernt, dass Karfreitag der höchste christliche Feiertag ist. Nun hörte ich in einer Predigt, dass der Ostertag der höchste Feiertag ist.

Sicher leuchtet mir die Auslegung dazu ein: Auferstehung ist das Brechen der Todesfesseln. Andererseits ist das Kreuz unser Wahrzeichen von Karfreitag her. Nun könnte ich ja einen Kompromiss schließen und sagen: Es ist beides richtig und wichtig. Doch Kompromisse verunsichern mich. Hat der Pfarrer mit seiner Aussage recht, weil er studiert hat?


Harald: Lieber Herr Beyer, es geht heute gar nicht mehr darum, wer recht hat, sondern darum, für sich selber den Ort zu finden, wo mich der Glaube ganz besonders tief berührt. Und dann spielt der Tag keine Rolle mehr. Für den einen wird es, wie bei Ihnen, der Karfreitag sein, für jemand anderen die Jubelerfahrung der Auferstehung, also Ostern. Und damit nicht genug. Ich bin mir ziemlich sicher: Würde man Menschen in der Fußgängerzone nach dem höchsten christlichen Fest fragen, wird sich die Mehrzahl für den Heiligabend entscheiden, weil sie damit am meisten verbinden können.


Die Wertigkeit von Karfreitag und Ostern wurde in der Ökumene in der Vergangenheit unterschiedlich gesehen. Hielten die protestantischen Kirchen besonders den Karfreitag hoch, spielte in der katholischen Kirche das Auferstehungsfest die größere Rolle. Doch auch das scheint regional und national unterschiedlich zu sein. Während eines längeren Aufenthalts im katholisch geprägten Spanien beobachtetet ich, dass die Karfreitagsprozessionen der eindeutige Höhepunkt im christlichen Festjahr waren. An Ostern wurde kaum gefeiert.


Menschen orientieren sich an Traditionen, auch im Kirchenjahr. Wenn man einmal genauer nachfragt, wissen nur Wenige, warum gerade dieser Tag – etwa Karfreitag – wichtiger sein soll als Ostern. Sie haben es so gelernt.


Zu beobachten ist allerdings in den letzten 20 Jahren eine gewisse Aufwertung des Ostertages, etwa durch die vielen wunderbar gestalteten Feiern in der Osternacht und anderer Möglichkeiten (Osterfrühstück), den Auferstehungstag zu feiern und für sich zu erleben.


Was also tun? Ich meine: Den Reichtum der christlichen Verkündigung in sich aufnehmen und spüren, mit welcher Seite seines Kommens Gott mich am tiefsten anspricht: als kleines Kind in der Krippe, als für mich leidender und sterbender Gottessohn oder als Sieger über den Tod, der uns das Ewige Leben schenkt. Erst alles zusammen und nicht präzise getrennt ist das Evangelium.

Dieser Beitrag wurde am 27.8.2008 um 17.19 Uhr veröffentlicht.

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