Kirchenkampf
Was ist aus den Verblendeten geworden?

Ludwig Müller im Kreise Deutscher Christen bei der Nationalsynode in Wittenberg, September 1933. Was wurde aus Nazis in der Kirche? Foto: wikipedia
Angeregt durch die UK-Serie über die Barmer Theologische Erklärung, entstanden in Zeiten des Kirchenkampfes in Deutschland, fragt ein Leser: "Was ist eigentlich aus den verblendeten Theologen geworden, die mit dem Nationalsozialismus paktiert haben und in der Riege der Deutschen Christen Spitzenpositionen eingenommen haben?"
Harald hat nachgefragt und zu drei auf Seiten der "Deutschen Christen" (DC) agierenden Personen, nämlich zu Ludwig Müller, Bruno Adler und Walter Fiebig Folgendes herausgefunden:
Ludwig Müller, gebürtig aus Gütersloh, war 1933 zum "Reichsbischof" ernannt worden, war aber bereits 1935 ohne rechtliche Befugnisse. Durch das so genannte "Sicherungsgesetz" hatte Reichskirchenminister Hanns Kerrl die Vollmacht erhalten, rechtsverbindliche Verordnungen für die Kirche zu erlassen. Müller wurde sowohl als "Reichsbischof" als auch als preußischer Landesbischof entmachtet. Ihm war auferlegt worden, auf öffentliche Auftritte zu verzichten. Er hielt sich aber nicht daran und hielt Predigten und Vorträge. Aufgrund seines sinkenden Einflusses auf die Evangelische Kirche in Deutschland und die Deutschen Christen, suchte Müller Verbindung zur radikalen "Thüringer Kirchenbewegung Deutsche Christen". Ihr Ziel war die Schaffung einer überkonfessionellen deutschen Nationalkirche und der Versuch, die christliche Lehre entsprechend der NS-Ideologie umzuformen. Müller verstarb bald nach dem Zusammenbruch des NS-Staates in Berlin-Zehlendorf, wobei die genauen Todesumstände bis heute ungeklärt sind; denkbar ist ein "bedingter" Suizid, bei dem Herzerkrankung und Selbstmordabsicht zusammenspielen.
Bruno Adler, gebürtig aus Itzehoe, war seit 1932 zugleich Provinzialleiter der DC und seit Juni 1933 Bevollmächtigter des DC-Reichsbischofs Müller für die Kirchenprovinz Westfalen. Adler, der ein Bischof von Ludwig Müllers Gnaden war und ein Vollzugsorgan der von Berlin aus geleiteten DC-Kirchenpolitik, stürzte noch im November 1934. Auch er führte den Titel "Bischof" (von Münster) weiter, übte sein Amt aber nicht mehr aus. Auch er sprach auf Kindgebungen der DC, predigte und übernahm von 1936 bis 1940 eine Dompfarrstelle in Brandenburg. Er leistete dann Kriegsdienst und verstarb 1954 in Minden, ohne wieder eine Pfarrstelle besetzt zu haben.
Walter Fiebig war von 1926 bis 1945 Pfarrer in der Kirchengemeinde Münster. Während des Kirchenkampfes war er jahrelang Hauptexponent der westfälischen DC und Gegenspieler von Präses Koch. Er hatte neben Koch das Amt der "Geistlichen Leitung" für die westfälischen DC. Diese Funktion endete mit Kriegsende. Ein kirchlich gegen Fiebig angestrengtes Verfahren dauerte fünf erbittert Jahre und endete mit einem Kompromiss: Fiebig verließ Münster und übernahm eine Pfarrstelle im Rheinland (Köln-Weiden). 1963 trat er in den Ruhestand und verstarb hochbetagt 1984 in Köln.
Dieser Beitrag wurde am 19.6.2009 um 11.51 Uhr veröffentlicht.
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