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Nachfolge Käßmann

Und was nun, EKD?

<b>Hoffentlich kann Margot Käßmann</b> bald wieder den Gospel singen anstatt den Blues anzustimmen. Hier auf dem Gospelkirchentag in Hannover 2008. Foto: hama

Hoffentlich kann Margot Käßmann bald wieder den Gospel singen anstatt den Blues anzustimmen. Hier auf dem Gospelkirchentag in Hannover 2008. Foto: hama

Schallblech hat folgende Fragen zur Nachfolge von Frau Käßmann: "Vielleicht können Sie mal zusammenfassen, was jetzt weiter passiert: Nikolaus Schneider wird ja zunächst kommissarischer Ratsvorsitzender. Im Herbst steht dann die Neuwahl an. Wer kommt außer Schneider für eine Kandidatur in Frage? Wie ist das Procedere? Wird es eine Neuwahl wie alle anderen oder gibt es für so einen Fall andere Verfahrensweisen?

Und was Frau Käßmann betrifft: Wird sie offiziell mit Gottesdienst verabschiedet werden oder ist das im Falle des Rücktritts nicht vorgesehen? Hat sie eine Chance, später wieder für dasselbe (nur theoretisch - sie wirds nicht tun) oder ein anderes hohes Amt in der Kirche zu kandidieren?


Liebe(s) Schallblech, der plötzliche Rücktritt von Margot Käßmann hat viele hart getroffen. Auch die Gremien der EKD hatten sicher einige Schockmomente zu verkraften. Diese Situation "ist ein Unikum" sagt mir Reinhard Mawick, Pressesprecher der EKD. Doch jetzt erweise es sich als hilfreich, dass die Nachfolge für den Übergang klar geregelt sei. Nikolaus Schneider hat, als stellvertretender Ratsvorsitzender, die Amtsführung bis zum Herbst übernommen, und zwar in vollem Umfang, so Mawick im Telefonat mit UK.

Doch wie es weitergeht und wer der oder die neue Ratsvorsitzende wird, entscheidet sich auf der EKD-Synode im November dieses Jahres in Hannover.

Dann gilt es zunächst eine Hürde zu nehmen. Denn der Rat der EKD hat normalerweise einen Bestand von 15 Mitgliedern, ist zur Zeit aber nur mit 13 besetzt. Eine Kandidatin für den Rat ist in einem richtigen Wahlkrimi auf der letzten Synode letzlich nicht gewählt worden (da waren es nur noch 14). Minus Frau Käßmann, macht 13.

Wenn der Rat also wieder voll besetzt ist, schlägt er der Synode aus seiner Mitte zwei Kandidaten/Kandidatinnen für den Ratsvorsitz vor. Bisher ist es noch nie vorgekommen, dass die Synode beide Vorschläge abgelehnt hat. Nikolaus Schneider, so er sich zur Kandidatur stellt, hat sicher gute Chancen. Er ist bereits in den amtierenden Rat mit hoher Stimmenzahl gewählt worden. Und es gibt bereits Stimmen, unter anderem die von Katrin Göring-Eckardt, die ihn in diesem Amt gerne sehen würden.

Nun zu Frau Käßmann. Ob sie offiziell in einem Gottesdienst verabschiedet wird? Dafür gibt es keine Regelung und ich vermute, das kann sie nur selber entscheiden und wird sich sicher noch dazu äußern. Vielleicht wird dies auch im Zusammenhang mit einer neuen Aufgabe geschehen, die sie übernehmen wird. Normalerweise geschieht eine Verabschiedung und ein Dank nach dem Ende der Ratszeit, aber die war in diesem Falle ja erdenklich kurz. Also, die Frage bleibt noch offen.

Sicher ist allerdings, dass Margot Käßmann weiterhin Pfarrerin der Landeskirche Hannovers bleibt und "damit in vollem Besitz aller Rechte" in ihrer Landeskirche und auch in der EKD ist, sagt Reinhard Mawick. Das schließt also nichts aus oder anders herum, hält alle Optionen auch auf Spitzenämter offen.

Einer Rückkehr Frau Käßmanns selbst ins Amt der Ratsvorsitzenden ist durchaus denkbar und von vielen gewünscht. Aktuell ist in Focus-Online zu dieser Frage zu lesen: "Ja, das ist gut denkbar. Ihre Kompetenzen sind unbestritten und wertvoll für unsere Kirche. Sie wird ihren Weg gehen“. Mit diesen Worten äußerte sich die Bischöfin der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland, Ilse Junkermann in der „Leipziger Volkszeitung“ vom Mittwoch, 3. März. Allerdings dürfte das für die Wahl im Herbst sicher verfrüht sein. Damit würde sich die ehemalige Ratsvorsitzende dem Vorwurf aussetzen, ihr Amt nur niedergelegt zu haben, um im Herbst wieder kandidieren zu können. Das würde, meine ich, nicht gut ankommen.

Aber Margot Käßmann ist noch jung (51). Sollte Nikolaus Schneider tatsächlich den Ratsvorsitz übernehmen, wäre nach seiner Amtszeit eine zweite Chance für sie möglich.

Dieser Beitrag wurde am 3.3.2010 um 11.05 Uhr veröffentlicht.

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