Bibellese
Timotheus geht quer runter

Der Schreiber der Timotheusbriefe war auch ein Kind seiner Zeit. Darstellung von Timotheus (rechts) und Cyrill von Alexandria. Foto: net
Frage von Schallblech: "Ist eigentlich der Bibelleseplan für ale Zeiten festgelegt? Ich empfinde den Timotheusbrief streckenweise als unzumutbar für Menschen von heute, vor allem, was die Passagen über Frauen angeht. Menschen, die nur gelegentlich in den Text des Tages schauen und zufällig darauf stoßen, können doch nur abgeschreckt werden und die Bibel generell für antiquiert halten."
Harald: Guten Tag und danke für die Frage. Der Bibelleseplan ist so aufgebaut, dass innerhalb eines Turnus von vier Jahren (Neues Testament) bzw. acht Jahren (Altes Testament), alle wesentlichen Teile der Bibel gelesen werden (besondere Längen, etwa Geschlechtsregister ausgenommen). Die Timotheusbriefe wird man nicht aus der Bibel entfernen können, denn sie gehören zum sogenannten biblischen Kanon, also zum festen Bestand der alt- und neutestamentlichen Schriften, der sich über einen langen Entwicklungsprozess herauskristallisiert hat.
Die Bibel ist als Wort Gottes auch ein Produkt ihrer jeweiligen Zeit. Das wird an den Passagen über die Rolle der Frau (in der Gemeinde) oder auch an der Rolle der Skaverei in der christlichen Gemeinde (Beispiel: Onesimus und Philemon) deutlich. Aus heutiger Sicht zwar ärgerlich und verwirrend, besonders für Menschen, die mit den Hintergründen nicht vertraut sind, aber da waren die biblischen Schreiber ganz Kinder ihrer Zeit und wir sollten barmherzig mit ihnen sein. Denn auch wir sind Kinder unserer Zeit und haben unseren Weg zwischen Zeitgeist und Anspruch des Wortes Gottes zu finden.
Wer weiß welchen Blick die Menschen in einigen hundert Jahren - falls wir dann noch leben - auf uns Christen am Anfang des 21. Jahrhunderts werfen und sich wundern, wie wir bestimmte Dinge gesehen, gelebt oder einfach missachtet haben?
Gerade die Rolle der Frau in den neustamentlichen Briefen macht deutlich, wie wichtig es ist, die Bibel als Gesamtheit zu sehen und zu lesen. Dann werden wir nämlich auch die Passagen wahrnehmen, in denen die Frauen geehrt und an wesentlichen Stellen der Geschichte Gottes präsent, weichenstellend und einzigartig sind.
Dieser Beitrag wurde am 23.1.2008 um 15.51 Uhr veröffentlicht.
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