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Rituale

Kreuzzeichen, wo bist du geblieben?

Ein Kreuz, Vorbild für das Ritual des

Ein Kreuz, Vorbild für das Ritual des "Sich-Bekreuzigens". Foto: Archiv

Angeregt durch einen Artikel über Rituale im Glauben und Leben, erinnerten Leserinnen und Leser an das in Vergessenheit gerate Ritual des "Sich-Bekreuzigens". Warum ist das in der evangelischen Kirche nur noch sehr selten anzutreffen?

Harald meint: Es gibt nach meiner Kenntnis keine stichhaltige Erklärung dafür, warum evangelische Christen das Kreuzzeichen, das "Sich-Bekreuzigen", nicht (mehr) praktizieren. Anzutreffen ist es gelegentlich noch in lutherisch geprägten Landeskirchen. In der Tat, Luther hat dieses Ritual wärmstens empfohlen. Am eindrücklichsten in seinen Anmerkungen zum Beten des Morgen- und Abendsegens. Aber es hat nichts genützt.

Zu vermuten ist, dass eine starke Abgrenzungstendenz gegenüber der römisch-katholischen Kirche in der Reformationszeit dazu geführt hat, das Ritual als unevangelisch zu unterlassen – trotz Luthers ausdrücklichem Rat. Im Überschwang der reformatorischen Gefühle hat man so Manches unnötig über Bord geworfen, was in den letzten Jahren wieder neu entdeckt wird, das Anzünden von Kerzen bei unterschiedlichen Gelegenheiten.

Die Rückbesinnung auf verschollen geglaubte oder zeitweise fremd gewordene Rituale ist also in vollem Gange. In Internetforen zu dem Thema ist zu lesen, dass gerade junge Christen sich wieder für das Kreuzzeichen interessieren. Aber sich so richtig trauen, es auch im Gottesdienst zu praktizieren, tun sie dann doch nicht. Vielleicht sollte Mal darüber gepredigt werden. Erklären und Einüben bewirkt oft eine Menge. Es kann doch nicht falsch sein, sich mit einfachen Zeichenbewegungen der Hand und dem Satz "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" unter den Schutz des dreieinigen Gottes zu stellen.

Dieser Beitrag wurde am 27.8.2009 um 15.49 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
ankele schrieb am 02.09.2009 09:39:

Meine Tochter geht in einen katholischen Kindergarten. Dort bemüht man sich wirklich, den Kindern etwas vom Christentum mitzugeben. Ich fand es trotzdem komisch, als sich meine Tochter beim St-Martins-Gottesdienst mit großer Selbstverständlichkeit und ganz professionell bekreuzigte - mein evangelisch geprägtes Ich zuckte da doch etwas zusammen!
Andererseits denke ich häufig beim Segen: Jetzt würde ich mich gerne bekreuzigen, sozusagen als Antwort auf die Zusage Gottes.

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