Evangelische Kirche
Konfessions-Wirrwarr

König Friedrich Wilhelm III. meinte es gut. 1817 führte er die lutherischen und reformierten Kirchen in Preußen in einer Union zusammen. Foto: Wiki
Anke Beilharz-Wüster hat folgende Frage an Harald: "Worin liegt der Unterschied zwischen VELKD und der lutherischen Kirche? Frau Landesbischöfin a.D. M. Käßmann war Bischöfin der Lutherischen Landeskirche Hannover (oder liege ich falsch)?
Meine Heimatgemeinde in Rheda ist laut Pastor (meiner Mutter) lutherisch - aber beide nicht VELKD. Und ich habe bisher auch keinen Unterschied im Gottesdienst zu meiner Gemeinde in Münster feststellen können. Aber hier in Münster gibt es eine VELKD Kirche und einen großen Unterschied im Gottesdienst. Worin besteht der Unterschied zu Ev. Kirche Deutschlands? Und welche Lutheraner wollen wieder mehr über die ,Sünde' sprechen?"
Harald meint: Ja, es ist ein richtiges Verwirrspiel mit den Bezeichnungen innerhalb des Protestantismus. Die Geschichte der Reformation, der Konfessionskriege und unterschiedliche theologische Auprägungen machen es uns nicht leicht, den Durchblick zu bekommen.
VELKD ist die Abkürzung für die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands. Sie ist ein Zusammenschluss von lutherischen Landeskirchen in Deutschland. Ihre Wurzeln liegen in der Lehre Martin Luthers und sie verwenden im kirchlichen Unterricht deshalb der lutherischen Katechismus. Zu dem Bund gehören unter anderen die Landeskirchen Bayerns, Hannovers, Mitteldeutschlands, Nordelbiens aber auch die kleine schaumburg-lippische Kirche. Der Landeskirche steht eine Kirchenleitung vor, in welcher der jeweilige Landesbischof/die Landesbischöfin die herausragende Persönlichkeit ist (also nicht der Präses, wie in vielen unierten Kirchen – aber dazu später). Vom amtierenden leitenden Bischof der VELKD, Johannes Friedrich (bayrische Landeskirche), stammen übrigens die Aussagen, die Sünde nicht als Randthema zu sehen, sondern ernster zu nehmen.
Nun gibt es neben dem Zusammenschluss der VELKD noch weitere Kirchenbünde, die sich geschichtlich herausgebildet haben. Dazu gehört die Evangelisch-Reformierte Kirche, die ihre Wurzeln in der Theologie der Reformatoren Ulrich Zwingli und Johannes Calvin hat (Heidelberger Katechismus). Diese Kirche hat kein geschlossenes Kirchengebiet. Ihre Gemeinden finden sich schwerpunktmäßig in Bayern und Nordwestdeutschland. Allein die Lippische Landeskirche versteht sich als eine im wesentlichen reformierte Kirche, allerdings mit starken (hart erkämpften) lutherischen Gebieten.
Als großer Verbund steht neben der VELKD die Union Evangelischer Kirchen (UEK), ein Zusammenschluss von unierten Landeskirchen. Zur Union gehören die westfälische und rheinische Landeskirche, aber auch die evangelischen Kirchen in Baden, der Pfalz und andere. Mit den napoleonischen Kriegen waren die lange anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen den lutherischen und reformierten Flügeln der Reformation endgültig in den Hintergrund gedrängt worden. In Preußen entstand aus lutherischen und reformierten Gemeinden unter dem Betreiben von König Friedrich Wilhelm III. die Evangelische Kirche der altpreußischen Union. Der König war theologisch interessiert und schuf für die Union sogar eine gemeinsame Gottesdienstagende und versuchte darin sowohl lutherische als auch reformierte Wesenszüge der Liturgie zu harmonisieren.
Von der liturgischen Form her unterscheiden sich die lutherischen und reformierten Kirchen deutlich. Auch die Ausgestaltung der jeweiligen Kirchräume zeigen Unterschiede, etwa durch die Schlichtheit der reformierten Kirchen und einer Konzentration auf das biblische Wort. Doch die Unterschiede werden – vor allem von außen betrachtet – von immer weniger Menschen verstanden. Überhaupt werden die Christen in der Außenwarnehmung immer mehr als eine Gruppe gesehen, immer weniger wird selbst zwischen evangelisch und katholisch unterschieden.
Die Evangelische Kirche von Deutschland (EKD) mit dem Kirchenamt in Hannover schließlich ist der gemeinsame Dachverband von lutherischen, reformierten und unierten Kirchen in Deutschland und wird in Zukunft immer stärker die Stimme der Evangelischen in Deutschland werden. Doch auf ein Zusammengehen aller drei Bünde, werden wir wohl noch eine Weile warten müssen. Am ehesten ist noch der unierte Bund von seiner Entstehung her gewillt, sich in die EKD hinein aufzulösen.
Dieser Beitrag wurde am 16.4.2010 um 11.06 Uhr veröffentlicht.
| Weiterlesen im Internet |
|---|
| Kommentare lesen |
|---|
| Eigenen Kommentar schreiben |
|---|
| Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare verfassen zu können. Loggen Sie sich hier ein, falls Sie schon einen Account haben Melden Sie sich hier kostenlos an |
| Evangelisch in Westfalen und Lippe |
|---|
| Informationen aus den Kirchenkreisen der EKvW und aus der Lippischen Landeskirche auf den jeweiligen Seiten (klicken Sie auf den gewünschten Bereich). |
|










