Jesusbild
Jesus ohne klare Linie?

Die Samariter - doch keine schlechten Menschen. Jesus stellt sich mit seinem Gleichnis gegen die negative Sichtweise der Samariter. Foto:Wikipedia
Frage: „In den Evangelien werden Begegnungen zwischen Jesus und den Samaritern erzählt.
Bei Matthäus sagt Jesus zu seinen Jüngern (10,5) „Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht in keine Stadt der Samariter“, und weiter sagt er in Matthäus 15,24: „Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.“ Können sie mir sagen, ob Jesus das samaritanische Volk verachtet hat, oder der Autor des Matthäusevangeliums der wohl selber Jude war, seine eigene Ablehnung gegen die Samariter Jesus in den Mund gelegt hat?“
Antwort: Jesus war ganz Mensch und deshalb auch ganz Kind seiner Zeit und seiner Religion. Als Jude hat er natürlich das Denken eines Juden während seines Heranwachsens aufgesogen. Dazu gehörte wohl auch die jüdische Haltung zu "Ausländern" und zu den Samaritanern. Letztere z.B. wurden eher wie Ausgestoßene, wie eine Sekte behandelt (unter anderem, weil sie erkannten von den alttestamentlichen Schriften nur die fünf Bücher Mose als Autorität an).
Jesus lebte also in der Mentalität des "Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel" (Mt 15,24). Doch seine Erfahrungen mit Menschen lehren ihn, die Dinge in einem weiteren Horizont zu sehen und die Denkmuster des damaligen Judentums zu sprengen. So kommt es in dieser Geschichte (Mt 15) zu einem grandiosen Durchbruch: Jesus heilt das Kind dieser kanaanäischen Frau, obwohl er doch dachte, nur zu den Menschen seines eigenen Volkes gesandt zu sein. Gott öffnet Jesu Augen für den Horizont seiner Berufung. Er ist zu allen Menschen gesandt. Deshalb auch sein Auftrag an uns: "Gehet hin in alle Welt ..." (Mt 28)
Ich erkläre es mir so, - vielleicht hilft Ihnen dieses Bild weiter - dass Jesus seinen Auftrag nicht von Anfang an deutlich und klar vor Augen hatte, sondern erst mit zunehmendem Alter sich ihm die ganze Weite seiner Berufung Stück für Stück eröffnete.
Vielleicht so, wie wenn ein Vorhang langsam vor seinen Augen aufgezogen würde und es am Ende alles klar vor Augen war. Jetzt hatte er die Freiheit, alle Menschen in seine Mission einzubeziehen, für alle dazusein.
Dieser Beitrag wurde am 9.7.2008 um 11.53 Uhr veröffentlicht.
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