Jakobusbrief
Glaube ohne Werke möglich?
Frage: »Letzte Woche bin ich bei der täglichen Bibellese in Jakobus 2, 14-26 an dem Text hängen geblieben, der ziemlich das genaue Gegenteil von Paulus und Luther sagt. Vor allem die Verse 17: "So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber." und 24: "So seht ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerecht wird, nicht durch Glauben allein.", gingen schwer "runter" Muss man Theologe sein, um das zu verstehen?«
Harald: "Auch für Theologen gibt es hier nichts zu glätten und zu beschönigen: Die Aussagen von Paulus und dem Jakobusbrief widersprechen sich eindeutig. Und dies ging nicht nur Ihnen schwer 'runter', sondern auch Martin Luther, der den Jakobusbrief mit seiner Betonung der Werke in seiner Vorrede zum Brief als eine „stroherne Epistel“ bezeichnete.
Aus seiner Sicht gehört er gar nicht in die Reihe der neutestamentlichen Schriften. In diesem Konflikt spiegelt sich eine Frage, die Menschen bis heute beschäftigt: Welche Rolle spielt unser Tun für unser Heil? Was können wir tun, um unser Ansehen vor Gott zu verbessern? Mehr beten, mehr spenden, mehr helfen? Zwar bedeutet das „gerecht allein aus Glauben“ wie es Luther sagt, keinesfalls, dass uns die Hände gebunden sind. Im Blick auf unser Heil jedoch spielen die Werke keine Rolle. An dieser entscheidenden Stelle ist uns alles 'Selbermachen' aus der Hand genommen. Wir sind Beschenkte! Das war und bleibt wichtig, weil wir sonst in den gleichen frommen „Tatendrang“ zurückfallen, wie zu Zeiten der Reformation.
Als Folge dieses Geschenks, als Ausdruck der Dankbarkeit und Liebe zu Gott aber, sind unseren Werken keinerlei Grenzen gesetzt. Die Reihenfolge ist unbedingt zu wahren. In diesem Sinn, ist dem Jakobusbrief zu widersprechen.
Es ist gar nicht so schlecht, dass diese Passagen im Brief unsere Sinne immer mal schärfen. Denn als Christen leben wir mit dem "allein aus Glauben" gegen den Strom. In unserer Gesellschaft gilt auf allen Ebenen das Prinzip der Leistung und Gegenleistung. Bei Gott ist es ganz anders. Das mag einer verstehen...«
Dieser Beitrag wurde am 19.11.2007 um 09.57 Uhr veröffentlicht.
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