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Als Christ Esoterik kontern

<b>Engel spielen in der Esoterikszene</b> eine wichtige Rolle. Die Boten Gottes sind auch den Christen vertraut. Foto: Harald Mallas

Engel spielen in der Esoterikszene eine wichtige Rolle. Die Boten Gottes sind auch den Christen vertraut. Foto: Harald Mallas

Glybyrne schreibt: "Wer kann mir helfen: Eine Freundin von mir fährt seit kurzem voll ab auf Schamanen, weise Frauen aus dem Mittelalter - alles was geheimnisvoll ist und irgendwie mit einer anderen Welt zu tun hat. Wie kann ich da mit Jesus und Bibel argumentieren?"

Harald meint: "Diese Suche nach dem Geheimnisvollen, dem Heiligen, dem Wunder, der Erfahrung ... ist ein deutlicher Trend in unserer Gesellschaft. Mir scheint, das ist so eine Art Gegenbewegung zum Machbarkeitswahn. Ich hoffe, mit der Weltfinanzkrise wird selbst dem letzten in den Chefetagen deutlich: Wir Menschen machen zwar, aber meistens machen wir kaputt anstatt aufzubauen. Und ich finde diese Gegenbewegung gar nicht schlecht.

So fragen immer mehr Menschen nach dem Bleibenden, nach Heil und Heilung. Leider fragen sie dabei kaum noch bei den christlichen Kirchen nach, sondern bei Gurus, Meistern und Schamanen. Die ganze Kiste der esoterischen Angebote wird hier aufgemacht und es wird sehnsüchtig zugegriffen.

Was setzen wir dagegen, so deine Frage. Was hat uns Jesus zu geben? Ich bin der Überzeugung, Jesus ist und bleibt Heiland und das, was er uns geben kann, braucht sich hinter keinem esoterischen Angeboten zu verstecken. Jesus ist der Heilige Gott und eine Beziehung zu ihm gibt uns unmittelbar Zutritt zum Raum des Heiligen. Allerdings braucht das Eintauchen darin Zeit, Geduld und offene Augen für das Geheimnis.

Vielleicht ist das große Problem, dass wir verlernt haben, diese Begegnung mit Jesus Christus begreifbar und erfahrbar zu machen. Wir waren eine lange Zeit in der Kirche mit anderen - wichtigen - Fragen beschäftigt und haben diese Themen, die Menschen jetzt nachfragen, grundlos der Esoterik überlassen.

Auf der Seite der Esoteriker tut sich da ja eine Wunderwelt der Symbole, Zauberformeln, Hilfsmittel und handfester Riten auf, die wir so nicht zu bieten haben, oder besser gesagt: die uns in den letzten Jahrhunderten verloren gegangen sind. Es gibt in der Kirchengeschichte immer wieder Personen, die sich Gott eben weniger mit dem Verstand genähert haben, sondern mit dem Herzen und allen Sinnen. Wahrscheinlich wird deine Freundin auch eher auf der Erfahrungs- und Gefühlsebene anzusprechen sein. Menschen wie Hildegard von Bingen, Teresa von Avila oder im protestantischen Bereich Gerhard Tersteegen, Dag Hammarskjöld oder zur Zeit sehr angesagt: Anselm Grün (um nur einige von vielen zu nennen) sind Beispiele dafür.

Viele Entdeckungen der christlichen Mystik und ihrer Kraft für das reale Leben geschehen in der Stille, im Verborgenen, also auf Stille-Wochenenden, Retraiten, in Klöstern und/oder in von Kommunitäten angebotenen Zeiten.
Von diesen Erfahrungen brauchten wir dringend mehr in unseren Gemeinden und Gottesdiensten, um unseren esoterischen Freundinnen und Freunden Brücken zu bauen, damit sie ihre Sehnsüchte auch im christlichen Raum stillen können und nicht "auswandern" müssen.

Einen interessanten Ansatz dafür finde ich aktuell im Versuch einer Gruppe um die evangelische Pastorin Christina Brudereck (Essen) und einem Team, die seit einigen Jahren besonders im Blick auf Esoteriker die "Zeit des Meisters" praktizieren. Das sind Meditationszeiten, gefüllt mit Stundengebeten aus dem klösterlichen Leben, Klängen, Gerüchen, Gebeten, Bildern und Symbolen die in einem ansprechenden Kirchenraum für alle interessierten Menschen angeboten werden. Ein Angebot, das offenbar von zahlreichen Menschen angenommen wird, die zu den "klassischen" Zugängen der Kirche - wie Gottesdienste etwa - keinen Zugang haben.

Es gibt also Ansätze für unsere esoterisch angehauchten Freundinnen und Freunde. Aber wir stehen da noch ziemlich am Anfang."

Wenn Sie es interessiert, schauen Sie doch mal im Internet nach: Zeit des Meisters

Dieser Beitrag wurde am 21.11.2008 um 14.08 Uhr veröffentlicht.

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