Stephanie Möller
Martin Luther die Wittenbergische Nachtigall

Stephanie Möller: Martin Luther die Wittenbergische Nachtigall
„Sein Wort ein Feuer.“ Der Prophet Jeremia bringt Gottes Wort auf den Punkt – in seinem neuen Band mit „unverblümten Predigten“ tut Okko Herlyn es auf seine Weise.
Glaube und Denken Martin Luthers sind vielen evangelischen Christen heute fremd geworden. Der lebendig geschriebene Roman der Thüringer Pastorin und Journalistin Stephanie Möller ist gut geeignet, diese Fremdheit zu überwinden und einen neuen Zugang zu dem Reformator aus Wittenberg zu finden.Im Shop bestellen
Die biografische Erzählung beginnt mit der letzten Reise Luthers im Januar 1546.
Bei eiskaltem Winterwetter muss er mit der Kutsche nach Mansfeld fahren, wo er Justus Jonas bei den Verhandlungen um die Erbstreitigkeiten der Grafen von Mansfeld unterstützen soll. Der Reformator ist schon sehr geschwächt und hat Fieber.
In den Fieberträumen blickt er auf sein Leben zurück.
Noch einmal erlebt er seine Kindheit, die hohen Erwartungen des Vaters, die eigene verzweifelte Suche nach einem gütigen Gott – und den Eintritt in die klösterliche Gemeinschaft gegen den väterlichen Willen.
Unter großen Schmerzen durchlebt Luther noch einmal seine Auseinandersetzung mit den papsttreuen Theologen seiner Zeit, denen er sein eigenes Bibelverständnis entgegenhält.
Die Bilder vom Reichstag zu Worms treten ihm vor Augen, die Entführung auf die Wartburg, die Unruhen in Wittenberg und die Aufstände der Bauern.
Luther durchlebt – vom Fieber geschüttelt - noch einmal das Entsetzen, als er feststellen muss, dass seine Gedanken von der „Freiheit eines Christenmenschen“ von anderen in ihr Gegenteil verkehrt werden - als Grundlage für Gewalt und Aufruhr.
Was wird von seinem Wirken bleiben? So fragt er sich.
Mit ihrer schlichten biografischen Erzählung ermöglicht es die Autorin den Leserinnen und Lesern, sich in das Denken und in die Lebenswelt Luthers hinein zu versetzen. Seine wichtigsten Wirkungsstätten sind anschaulich dargestellt.
Vielen Menschen wird bei der Lektüre dieses Buches sicher zum ersten Mal bewusst, dass die wesentlichen Orte seines Wirkens in den neuen Bundesländern liegen.
So kann der Roman für manche vielleicht Anlass sein, die Lutherstätten zu besuchen.
Trotz seiner Reisen nach Rom, Augsburg und Worms blieb Luther Zeit seines Lebens im Raum zwischen Wittenberg, Eisleben, Erfurt und Leipzig beheimatet. Von hier aus, hat er seine entscheidende Wirksamkeit entfaltet, deren Ausstrahlung bald ganz Europa erfasste und nach seinem Tod auch andere Kontinente erreichte.
2017 jährt sich zum 500. Male Luthers Veröffentlichung seiner 95 Thesen.
Die reformatorische Bewegung, die von dem kleinen Wittenberg ausging, hat seitdem die Kirche und Welt entscheidend verändert.
Mit Martin Luther begann eine neue Epoche der Kirchengeschichte.
Der Autorin gelingt es, zu vermitteln, wie dem Reformator durch eigene Glaubensanfechtungen im Laufe eines längeren Prozesses die Erkenntnis zugewachsen ist, dass Glaube kein Für-wahr-halten kirchlich verordneter Lehrsätze bedeutet, sondern ein vertrauensvolles sich Einlassen auf Gott.
Fazit: Ein sehr lesenswertes Buch, das zum besseren Verständnis des Reformators beiträgt.
Weil es lebendig erzählt und verständlich geschrieben ist, ist es auch für Menschen geeignet, die wenig Vorkenntnisse haben.
Stephanie Möller: Martin Luther – Die Wittenberger Nachtigall. Brunnen-Verlag. Gießen 2009. 157 Seiten. 8,95 Euro. rie.
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Dieser Beitrag wurde am 15.10.2011 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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