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Arno Geiger

Der alte König in seinem Exil

Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil

Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil

Wenn einer nicht mehr klar denken kann wie früher – was ist das für ein Leben?

Das Buch des bekannten Schriftstellers Arno Geiger über seinen an Alzheimer erkrankten Vater ist für jeden, der selbst alte Eltern zu versorgen hat, bewegend und berührend. Es erzählt, wie auch diese Phase des Lebens in Würde bewältigt werden kann. Im Shop bestellen

August Geiger wurde als drittes von zehn Kindern 1926 geboren.

Er ist der Vater von Peter, Helga, Werner und Arno. Sein jüngstes Kind heißt Eva. Seine Frau hat sich vor vielen Jahren von ihm getrennt, aber sich nie von ihm scheiden lassen. Wenn sie ihn besucht, schneidet sie ihm die Haare.

Mit 17 Jahren kommt August Geiger in den Krieg. Mit 18 an die Ostfront. In russischer Kriegsgefangenschaft erkrankt er an Ruhr und magert bis auf die Knochen ab.

Nach dem Krieg wird er Beamter in der Gemeindeverwaltung.

Er findet eine Frau, baut ein Haus und gründet eine Familie.

Die Zeit, als die Kinder klein waren, war vielleicht die glücklichste Phase seines Lebens. Nie hat er viel Worte gemacht. Auf Menschen zugehen, fiel ihm schwer. Aber August Geiger besitzt Humor, Güte und Weisheit. Er singt gern. Er ist freundlich und dankbar für jede nette Geste.

Inzwischen lebt der 83-jährige in einem Pflegeheim in seinem österreichischen Heimatort.

Die Krankheit löst langsam seine Erinnerung und seine Orientierung in der Gegenwart auf.

Arno Geiger erzählt, wie er nochmals Freundschaft mit seinem Vater schließt und ihn über Jahre begleitet. Er entdeckt, dass es auch im Alter in der Person seines Vaters noch alles gibt, was vorher da war: Charme, Humor, Selbstbewusstsein und Würde.

Arno Geigers Buch ist keine Anklage wie das von Tilmann Jens gegen seinen Vater, den Tübinger Rhetorikprofessor Walter Jens.

Dessen Buch zeigt einen Sohn, der in erster Linie in der Krankheit seines Vaters seine eigenen Schwierigkeiten sieht.

Geiger dagegen zeigt, was die Alzheimer Erkrankung mit denen macht, die sie trifft. Er erzählt, wie ein Sohn, der sich über lange Zeit seinem Vater nicht sonderlich nahe fühlte, diesen im Alter ganz neu für sich entdeckt.

Der Autor beschönigt nichts.

Nur ist – wie in anderen Büchern zum Thema Demenz - die Klage über die Krankheit nicht sein Thema.

So ist ein Buch entstanden, das zeigt: Auch diese Phase ist es trotz alles Schweren wert, gelebt zu werden. rie

Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil. Hanser Verlag 2011. 17,90 €.

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Dieser Beitrag wurde am 20.8.2011 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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