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Ab 24. September im Kino

Vision

Hildegard von Bingen hat sich auch als Kräuterkundige einen Namen gemacht. Foto: Verleih

Hildegard von Bingen hat sich auch als Kräuterkundige einen Namen gemacht. Foto: Verleih

Die Kraft der Seele und des Geistes – Margarethe von Trotta erzählt in ihrem neuen Film das Leben der Nonne Hildegard von Bingen.

Ein Biopic über eine mittelalterliche Mystikerin ist ein schwieriges Unternehmen. Solch ein Film könnte als Vehikel für Erweckungsbotschaften oder gar als gruseliges Fantasy-Kino daherkommen. Margarethe von Trotta hat mit Mittelalter-Bombast jedoch nichts im Sinn, es widerspräche ihrer Vorstellung von Autorenkino. Sie bleibt sich als Drehbuchautorin und Regisseurin treu, auch wenn sie das Leben der Nonne Hildegard von Bingen auf die Leinwand bringt.

Das Leben im Kloster erfordert große Disziplin. Foto: Verleih

Das Leben im Kloster erfordert große Disziplin. Foto: Verleih

In ihrem neuen Film „Vision“ erzählt Trotta das Leben der Hildegard von Bingen von deren frühen Jahren im Benediktinerkloster Disibodenberg, in das sie als achtjährige Tochter einer adligen Familie eintritt, bis zu einem offenen Ende, das die ungefähr 60-jährige Nonne, Seherin, Heilkundige und Komponistin im Aufbruch zeigt – bereit zu Predigerreisen, um ihr Wissen weiterzugeben.

Weibliche Emanzipation, das Thema vieler Filme Trottas, steht dabei im Vordergrund. Der Film ist in erster Linie ein gelungenes Frauenporträt. Die fromme Hildegard wird als vitale, „körperfreundliche“ Klosterchefin, als starke Verhandlungsführerin und Taktikerin charakterisiert.

Die junge Richardis verehrte Hildegard. Foto: Verleih

Die junge Richardis verehrte Hildegard. Foto: Verleih

Die von Hildegard von Bingen gelehrte Balance zwischen den „Kräften der Seele und des Geistes“, der Natur und dem in ihr tätigen Menschen stellt der Film eher als göttlichen Forschungsauftrag denn als esoterisches Geheimwissen dar. Dem zeitgenössischen esoterischen Marketing, das den Ruhm der Mystikerin Hildegard heute ausbeutet, biedert sich der Film zwar nicht an, er demontiert diesen Ruhm jedoch auch nicht.

Vielmehr erzählt die Regisseurin die Karrieregeschichte einer unbeugsamen, wissensdurstigen Frau in einer Männerwelt. Der Heiligenschein wird auf das Charisma eines Mittelalter-Popstars heruntergebrochen, den die Hildegard-Jüngerinnen, zumal der enthusiastische Teenager Richardis von Stade (Hannah Herzsprung) glühend verehren. Barbara Sukowa gibt ihrer Figur auch unter dem Schleier der Klostertracht die Züge einer modernen Frau, die ihre Interpretation des Glaubens und ihr Menschenbild gegen den Vorwurf des Eigennutzes und der Ehrsucht durchsetzen muss.

In Volmar hat Hildegard einen Vertrauten gefunden. Foto: Verleih

In Volmar hat Hildegard einen Vertrauten gefunden. Foto: Verleih

Die geschlossene Welt des Frauenklosters ist in oft dunklen, von Kerzenschein ausgeleuchteten Bildern eingefangen. Wenn Hildegard und ihre Freundin ihre verstorbene Ziehmutter zur rituellen Waschung entkleiden und dabei die Wunden ihrer Selbstkasteiung entdecken, vermittelt sich der Antrieb der jungen Hildegard, Körper und Seele, Fleisch und Geist als harmonische Einheit zu begreifen, unmittelbar. Hildegard von Bingens selbst geschaffene Klosterwelt ist heller.

Autorin: Claudia Lenssen

Dieser Beitrag wurde am 24.9.2009 um 17.42 Uhr veröffentlicht.

Im Kino

Vision. Deutschland 2009. Buch & Regie: Margarethe von Trotta. Mit Barbara Sukowa, Heino Ferch, Hannah Herzsprung, Alexander Held, Lena Stolze, Sunnyi Melles, Paula Kalenberg, Devid Striesow. 101 Min. FSK: 12, ff.

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