»Leben - was ist das?«
Austausch zwischen Theologie und Naturwissenschaften

Nikolaus Schneider
Die Theologie und die Naturwissenschaften brauchen nach Meinung des rheinischen Präses Nikolaus Schneider den kritischen Austausch.
Der Schöpfungsglaube benötige naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien, die auf der Höhe der Zeit sind, sagte Schneider in Bonn. »Die Theologie muss sich heute angesichts aktueller naturwissenschaftlicher Ergebnisse mit völlig neuen Phänomenen auseinandersetzen.«
Sie sollte also mit bedenken, »auf welche Weise die Naturwissenschaften nachzubuchstabieren versuchen, wie der Hauch Gottes aus unbelebter Materie Leben schafft«.
Auch die Theologie muss sich neuen Erkenntnissen stellen
Der intellektuelle Mensch könne heutzutage nicht mehr zurück zum romantischen Naturbegriff, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Auch die Theologie müsse sich den neuen Erkenntnissen stellen. »Wir müssen interdisziplinär aufeinander zugehen und Schnittmengen herausarbeiten«, sagte Schneider anlässlich der Präsentation seines Buches »Leben - was ist das?«.
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland hat die Aufsatzsammlung aus dem Arbeitskreis »Naturwissenschaften - Theologie« zusammen mit Frank Vogelsang, Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland, herausgegeben.
Nicht alles unwidersprochen hinnehmen
Präses Schneider warnte aber davor, »Anstrengungen in den Naturwissenschaften unwidersprochen hinzunehmen, wo Leben selbst künstlich produziert werden soll«. »Das ist eine andere Dimension. Da wird es für mich unerträglich«, sagte er.
Wenn es letztlich darum gehe, Rassen neu zu züchten und dafür die Verwertungsrechte zu besetzen, stünden längst ökonomische Interessen im Mittelpunkt. »Schon jetzt müssen wir darüber debattieren, was die Würde des Menschen ist, der sich bei Gott aufgehoben fühlen kann«, betonte der leitende Theologe der zweitgrößten Landeskirche.
Wenn ökonomische Interessen dominieren
Der heutige Mensch habe in den vergangenen Jahrzehnten die »Janusköpfigkeit wissenschaftlicher Errungenschaften« wie etwa der Atomkraft erfahren.
Er habe gelernt, dass sich zunächst euphorisch gefeierte Fortschrittsprojekte als letztlich unbeherrschbar erwiesen, dass sie hochgefährliche Konsequenzen gezeitigt hätten. »Dadurch sind wir kritischer geworden«, sagte Schneider.
Theologie, die sprachfähig bleibt
Er mahnte den verantwortungsvollen Umgang gerade mit den Lebensgrundlagen des Menschen an und forderte die Theologie auf, die unverzichtbaren ethischen Begriffe aktuell im Gespräch zu halten: »Ich möchte keine Theologie, die sich nur um sich selbst dreht, sondern eine, die auch in Bezug auf die neusten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sprachfähig bleibt.«
Der Mitautor des vorgestellten Buches, der Aachener Zoologe Hermann Wagner, sagte, dass die naturwissenschaftliche Beschreibungsmethode auch in Bezug auf den Begriff des Lebens enorm wichtig sei.
Ethische Fragen
Die bisher analytische Biologie sei längst zur Ingenieurswissenschaft mutiert, die sich anschicke, selbst Zellen künstlich zu bauen. Da stelle zweifellos die ethische Frage, »ob wir alles machen wollen, was wir machen können«. epd
Dieser Beitrag wurde am 16.11.2009 um 10.12 Uhr veröffentlicht.
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