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Koran-Übersetzuung

Das heilige Buch der Muslime auf Deutsch

Foto: Toufikbobo

Foto: Toufikbobo

Der Erlanger Islamwissenschaftler Hartmut Bobzin hat den Koran neu übersetzt

So richtig freuen kann sich Bobzin über die endlich erledigte Mammutaufgabe noch nicht. Noch zu nahe liegen die Anstrengungen der vergangenen Jahre. Der Erlanger Islamwissenschaftler hat den Koran vom Arabischen neu ins Deutsche übersetzt. Im Februar 2010 erscheinen die 114 Suren mit 6.236 Versen, die nach dem Glauben der Muslime Gott zwischen den Jahren 610 und 632 nach Christus dem Propheten Mohammed offenbart hat, im Münchner Verlag C.H.Beck.


114 Suren mit 6.236 Versen

Dann hält der 63-jährige Professor der Uni Erlangen-Nürnberg, der sich nahezu sein ganzes Wissenschaftlerleben mit dem heiligen Buch der Muslime beschäftigt hat, sein Hauptwerk in Händen, ein Werk, vom dem der Verlag hofft, dass es zum neuen Standard der Koranübertragungen wird.


Material für deutschen Schulunterricht

Denn wenn erst einmal an den Schulen flächendeckend Koranunterricht in deutscher Sprache stattfindet, dann werden verständliche Übersetzungen gebraucht.

Bobzin weiß, dass die Erwartungen der Fachwelt hoch sind. Er bezeichnet seine Übersetzung als »Buch für den gebildeten Laien, ob er nun Muslim, Christ oder Jude ist«.

Philologisch korrekte Arbeit am Wort, verständliche Erschließung der Textbedeutung und zugleich Wiedergabe der sprachlichen Schönheit des arabischen Originals: eine dreifache Aufgabe, vor der schon mancher Übersetzer kapituliert hat.

Der Lesbarkeit zuliebe hat Bobzin darauf verzichtet, den Text durch Erläuterungen und Klammerbemerkungen zu zerreißen. Er soll flüssig lesbar sein, schließlich bedeutet das Wort Koran nicht anderes als »Vortrag«.


Arabische Sprachschönheit

Über Jahrhunderte haben die Muslime ihr heiliges Buch durch Rezitation in sich aufgenommen. Um die dabei erlebte Sprachschönheit auch in deutscher Sprache so gut es eben geht zu erhalten, hat Bobzin seine Übertragung rhythmisiert.

Ein berühmter Islam-Übersetzer des 19. Jahrhunderts lässt dabei grüßen: der Dichter Friedrich Rückert, einstmals ebenfalls Orientalistik-Professor in Erlangen.

Islamischer Tradition zufolge ist die Sprachkunst des Koran ein Beweis für seinen göttlichen Ursprung. Das Koran-Arabisch gilt als nicht übertragbar.


Argwöhnische Religionswächter

Wer es dennoch versucht, weiß um den Argwohn islamischer Religionswächter, besonders wenn er westlicher Wissenschaftler und noch dazu Christ ist. »Natürlich würde mich Anerkennung von dieser Seite freuen«, sagt Bobzin. Aber angewiesen sei er darauf nicht: »Ich brauche keine Unbedenklichkeitsbescheinigung.«

Weil es im Islam kein oberstes Lehramt gebe, sei jeder Muslim frei, seine Übersetzung zu lesen.

»Ich gehöre nicht zu den Verneblern«, sagt Bobzin. Es sei dem Übersetzer nicht erlaubt, anstößige Stellen zu beschönigen. Wenn im Koran vom Dschihad die Rede sei, dann sei zwar häufig »religiöses Mühen« gemeint, aber manchmal eben auch schlicht Krieg.


»Krieg schreiben, wenn Krieg gemeint ist«

Und so müsse das dann auch übersetzt werden. Die Versuche der drei Buchreligionen Judentum, Christentum und Islam, zu einer Verständigung zu kommen, seien aller Ehren wert. »Aber man darf die Unterschiede nicht wegdiskutieren«, mahnt Bobzin. Andersartigkeit zu akzeptieren müsse das gemeinsame Lernziel sein.

Dass die Globalisierung einen inneren Wandel des Islam erzwingen wird, hält er für wahrscheinlich. Die traditionelle Definition eines Muslims als Mann, der dort lebt, wo der Islam herrscht, sei angesichts der weltweiten Wanderungsbewegungen nicht mehr haltbar.

»Euro-Islam ist eine realistische Perspektive«, sagt Bobzin. Im frühen Islam habe es durchaus freidenkerische Islamgelehrte gegeben - ein Erbe, das heute wieder aufgegriffen werde, auch wenn es nicht gerade die dominierende Richtung sei. epd

Dieser Beitrag wurde am 31.10.2009 um 23.17 Uhr veröffentlicht.

Buchhinweis

Der Koran. Aus dem Arabischen neu übertragen von Hartmut Bobzin, Verlag C.H.Beck, voraussichtliches Erscheinungsdatum 22. Februar 2010, Preis ca. 34 Euro, ISBN 978-3-406-58044-4

Kommentare lesen
Wieland schrieb am 01.11.2009 16:54:

Ich hoffe sehr, dass mit dieser Übersetzung endlich ein bisschen klarer wird, was der Islam eigentlich ist oder will. Ich werde mir jedenfalls das Buch kaufen.

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