Bäuerinnen-Bilder
Alltag im Stall
Wolfgang Schiffer hat Landwirtinnen fotografiert:
Frauen, die schwer arbeiten – und stolz sind auf ihre Unabhängigkeit
Landwirtschaft war nie allein Män-nersache. Das zeigt der Nachlass des Fotojournalisten Wolfgang Schiffer (1927-1999), der fast 50 Jahre lang die landwirtschaftliche Arbeit und das Leben in den Bauernfamilien Westdeutschlands fotografierte. Der „Fotograf der Bauern“, wie Schiffer genannt wurde, hat dabei nicht nur die Welt der Männer im Blick gehabt. Auch die Bäuerinnen hat er bei ihren Arbeiten zwischen Familie, Haus und Hof mit der Kamera begleitet.
Eine Auswahl seiner Bilder über den Arbeitsalltag der Frauen auf den Höfen zwischen Kriegsende und Jahrhundertwende, ergänzt um historisch-volkskundliche Rückblicke, präsentiert der Landwirtschaftsverlag unter dem Titel „Bäuerinnen-Bilder“.
Wie der 2001 im gleichen Verlag erschienene Band „Bauernbilder“ spiegelt das Buch den Umbruch der Landwirtschaft seit den 50er Jahren – nur diesmal von seiner weiblichen Seite. In der frühen Nachkriegszeit gab es in Westdeutschland noch 1,14 Mio. Bäuerinnen, bis zum Ausgang der 90er Jahre ging ihre Zahl auf rund 450.000 zurück.
Diese Entwicklung hatte zwei Gründe: zum einen das „Höfesterben“, also die Aufgabe von Betrieben, zum anderen die Modernisierung der Höfe.
Frauen bei der Getreideernte mit der Sichel, bei der Feldarbeit mit bloßen Händen – Wolfgang Schiffers Schwarz-Weiß Fotografien zeigen eindringlich die hohe Arbeitsbelastung der Bäuerinnen in der frühen Nachkriegszeit. Im Durchschnitt arbeiteten sie elf Stunden pro Tag und das werktags wie sonntags.
Erst Ende der 50er Jahre hielt die Technisierung Einzug in Viehhaltung, Feldwirtschaft und Haushalt. Traktor und Melkmaschine sowie Waschmaschine, Kühlschrank und Gefriertruhe erleichterten die Arbeit der Frauen auf den Höfen beträchtlich.
Schiffers Aufnahmen dokumentieren den Wandel: Stolz lächelt eine Bäuerin auf ihrem Porsche-Traktor in die Kamera, eine andere arbeitet konzentriert im fest installierten Melkstand, auf Augenhöhe zu den Eutern – kein anstrengendes Bücken mehr wie beim Handmelken.
Auffallend viele Fotografien zeigen Frauen bei der Arbeit im Stall. Sie füttern Küken, Hühner oder Schweine, bereiten das Futter zu und melken die Kühe. Traditionell fiel die Stallarbeit in die Verantwortung der Bäuerin, weil Aufzucht und Pflege der Tiere eng mit der Haushaltsführung verknüpft waren.
Wegen der räumlichen Nähe ließen sich die Arbeiten der Hauswirtschaft mit denen im Stall gut kombinieren und die Kinder konnten mit an den Arbeitsplatz genommen werden.
Mutterrolle und Erwerbsarbeit ließen sich damit praktisch verbinden. Ein Umstand, den Landfrauen noch heute im Austausch in Internetforen als eindeutigen Vorteil gegenüber anderen Arbeitsstätten bezeichnen.
Ein bundesweite Befragung von Bäuerinnen im gesamten Bundesgebiet kam Anfang der 90er Jahre zu dem Schluss: „Ebenso wie die Landwirte empfinden auch die Bäuerinnen die Unabhängigkeit und die Selbstständigkeit, die sich aus ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit ergeben, als sehr positiv und wichtig.“ Viele der Aufnahmen Schiffers bestätigen diese Aussage: Sie dokumentieren die harte Arbeit der Frauen auf dem Lande, aber auch ihr Selbstbewusstsein und den Stolz auf die Früchte ihrer Arbeit.
Autorin: Claudia Puschmann
Dieser Beitrag wurde am 5.3.2009 um 15.05 Uhr veröffentlicht.
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Wolfgang Schiffer: Bäuerinnen-Bilder. Herausgegeben von Josef Mangold und Gisbert Strotdrees. Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup. 120 Seiten, |
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