Karneval in der NS-Zeit
»Alaaf und Heil Hitler« -

Deutsche Karnevalisten haben sich während der NS-Zeit instrumentalisieren lassen und sich an der Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung beteiligt.
Zu diesem Schluss kommen die beiden Kölner Historiker Carl Dietmar und Marcus Leifeld in ihrem Buch »Alaaf und Heil Hitler - Karneval im Dritten Reich«. »Ab 1934 gab es in allen deutschen Karnevalshochburgen antisemitische Motivwagen und Büttenreden«, sagte Leifeld bei der Buchpräsentation in Köln.
Als besonders perfide bezeichnete er den Wagen »Die Todesmühle«, der im Nürnberger Narrenumzug 1938 einen an einem Galgen hängenden Juden zeigte.
Mit Attributen wie Optimismus, Heimatverbundenheit und kollektives Erleben hätten etwa der Kölner Karneval, die Mainzer Fastnacht, der Münchner Fasching und die schwäbisch-alemannische Fasnet den Nationalsozialisten die ideale Plattform gegeben, um ihre Ideologie und ihre politischen Ziele zu propagieren, sagten die Autoren.
»Die Rosenmontagszüge etwa wurden systematisch ausgebaut, immer nach dem Motto: Prunk vor Humor«, sagte Leifeld.
Sitzungen und Umzüge verwandelten sich nach den Vorstellungen der Nationalsozialisten zu prunkvollen Großveranstaltungen.
Im Zuge der Gleichschaltung des Karnevals grenzten die Machthaber gleichzeitig alle aus, die nach ihrer Ansicht nicht zum deutschen Volk gehörten. Unangepasste Karnevalisten seien massiv unter Druck gesetzt worden, zahlreiche regimekritische Narren seien verhaftet und einige sogar zum Tode verurteilt worden.
»Köln kommt dabei in diesem Buch nicht so gut weg«, sagte Dietmar dazu.
So habe es in der Domstadt verhältnismäßig wenig kritische Büttenredner gegeben, anders als in Mainz, wo die kritische Gruppierung deutlich breiter aufgestellt gewesen sei.
Die Autoren stellten zudem fest, dass der Antisemitismus nicht ausschließlich von den Nazis vorgegeben, sondern durchaus auch in der Bevölkerung »von unten« praktiziert wurde.
So fanden sie während ihrer Recherche auch Fotos von verkleideten Pärchen im Straßenkarneval, die etwa als »Gendarm und Jude« gingen. »Die Propaganda hat eben gewirkt«, sagte Leifeld. epd
Dieser Beitrag wurde am 20.1.2010 um 08.50 Uhr veröffentlicht.
| Buchtipp |
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»Alaaf und Heil Hitler - Karneval im Dritten Reich«, herausgegeben von Carl Dietmar und Marcus Leifeld, 224 Seiten, 24,95 Euro, Herbig-Verlag. |
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