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Justizgeschichte

Vom Scheiterhaufen bis zur Gefängniszelle

<b>Mehrere Jahrhunderte</b> Gerichtsgeschichte sind in Bad Fredeburg dokumentiert.

Mehrere Jahrhunderte Gerichtsgeschichte sind in Bad Fredeburg dokumentiert.

Für Besucher verwandelt sich Heinrich Aufmhoff auch schon einmal in einen Richter.

Dann schlüpft der rüstige Ruheständler in eine Gerichtstracht und stülpt sich zuletzt ein historisches Barett über den Kopf. Bei Führungen durch mehrere Jahrhunderte Justizgeschichte legt der Museumsgründer großen Wert auf Anschaulichkeit. Vor über 25 Jahren hat er damit begonnen, gebräuchliche wie auch skurrile Exponate der Justizgeschichte im Obergeschoss eines Amtsgerichtes zusammenzutragen.

Heute vermittelt das Gerichtsmuseum im sauerländischen Schmallenberg-Bad Fredeburg einen spannenden Einblick in mehr als 600 Jahre Gerichtsgeschichte.

Nirgendwo sonst eine solche Themenbreite

»So etwas gibt es in dieser Themenbreite nirgendwo sonst«, ist der 71-Jährige überzeugt. Aufmhoff ist Museumsgründer, Vorsitzender des Fördervereins und der einzige Museumsführer in einer Person.

»Ich mache das, weil es mir Spaß macht«, erzählt der pensionierte Rechtspfleger, der mehr als 30 Jahre in den unteren Etagen des Amtsgerichtes gearbeitet hat. Einmal im Monat und auf Anfrage führt er durch eine mit zahlreichen Anekdoten gespickte Geschichte der Rechtssprechung.


Holztisch vor der Femelinde

Gleich zu Beginn stoßen die Besucher auf ein mittelalterliches »Femegericht«, das den Eindruck erweckt, als könnte hier tatsächlich jeden Augenblick ein Mörder, Räuber oder Brandstifter zum Tode verurteilt werden. Vor einem Lindenbaum, der »Femelinde« steht ein mit weißem Tuch bezogener Holztisch.

Auf ihm blitzt neben einem runden Getreidemaß aus Holz eine eineinhalb Meter lange Schwertklinge. »Das Maß steht für Gerechtigkeit, und mit dem Schwert konnte die Strafe gleich vollzogen werden«, klärt Aufmhoff auf. Die Geheimgerichte entstanden in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zunächst in Westfalen, bevor sie sich in ganz Deutschland ausbreiteten.


Von der Rumpelkammer zum Museum

Die Idee zu einer Ausstellung kam Aufmhoff vor mehr als 25 Jahren. In dem bislang nur als Rumpelkammer genutztem Dachgeschoss begann er Gebrauchsstücke der Justiz zusammenzutragen. Schon bald hatte sich die ungewöhnliche Sammelleidenschaft herumgesprochen.

Und so bekam Aufmhoff immer öfter Anrufe von Gerichten, in denen etwas ausgemustert werden sollte oder in dessen Kellern Überraschendes entdeckt worden war. So kamen Amtsstubenmobiliar, Schreibmaschinen, Schwurkreuze, Siegelpressen und Urkunden unter dem Dach des Gerichtsgebäudes zusammen.


Neue Stücke aus dem Urlaub

Auch aus dem Urlaub kommt der Museumsgründer oft mit einem neuen Ausstellungsstück wieder nach Hause. »Ich habe ein Faible für alte Sachen«, gesteht er. Was in zwei kleinen Räumen seinen Anfang nahm, hat sich mit den Jahren über das gesamte Obergeschoss ausgebreitet.

Dass die Rechtsprechung in früheren Zeiten wesentliche härtere Folgen als heute hatte, daran erinnern ein nachgebauter Galgen und ein Scheiterhaufen. Eine Zelle, die vom Gitter bis zu den Regalen und der Waschecke originalgetreu nachgebildet ist, soll den Alltag eines Sträflings heute anschaulich machen.


Echte Mordwerkzeuge und Drogenutensilien

In einer Asservatenkammer können die Besucher echte Mordwerkzeuge und konfiszierte Drogenutensilien bewundern. Nicht nur die scharf gezackten Wurfsterne oder das berüchtigte Butterfly-Messer zeugen von Gewaltdelikten.

Auch ein Holzscheit in der Dicke eines Oberarmes kann zu einer Waffe werden, wie die mit säuberlicher Schrift versehenen Täfelchen erläutern: »Tatwerkzeug auf Kopf des Opfers zertrümmert«.


Nicht nur etwas für Vollblutjuristen

Wer befürchtet, dass die Abteilung mit Urkunden und Protokollen nur etwas für Historiker oder Vollblutjuristen sei, der hat sich getäuscht. »Das ist eines meiner persönlichen Highlights«, schmunzelt Aufmhoff und deutet auf ein gerahmtes Schriftstück an der Wand. Es ist das schriftliche Gesuch einer Frau aus dem Maßregelvollzug, in der sie einen Richter um Erlaubnis bittet, ihren Mann töten zu dürfen.

Damit, so schreibt die psychisch kranke Straftäterin, ließen sich »erhebliche Summen eines Scheidungsverfahrens und weitere Kosten sparen«.


Skurriler Fall in der Kirche

Nicht weniger skurril der Fall eines Mannes, der im Mittelalter vor einem kirchlichen Sendgericht verhandelt wurde: Der Mann hatte vor dem Gottesdienst mehrere Maß Bier in sich hineingeschüttet, was nicht folgenlos blieb: »Der Kirchenbesucher erbricht sich im Kirchenstuhle zum Ärgernis der Umstehenden«, heißt es missbilligend in dem Protokoll, das als Abschrift in der Schau zu finden ist.

Inzwischen ist fast jeder Winkel der nach Themen sortierten Räume vollgestopft. Es gibt auch nicht mehr viel, was der Museumschef noch sucht. Vielleicht noch eine typische Gefängniskluft, die auch ein bisschen was hermacht, erzählt er.


»Zebrakleidung« hat es nur im Film gegeben...

Aber eine Sträflingskleidung mit den typischen Streifen wird es in dem Museum wohl nicht zu sehen geben. »So was hat es nämlich nie wirklich gegeben, nur in Filmen«. epd

Internet: www.gerichtsmuseum.de

Dieser Beitrag wurde am 17.8.2009 um 08.04 Uhr veröffentlicht.

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