Ausstellung auf Schienen
Bahn will für Museumswaggons abkassieren
Die Veranstalter der Wanderausstellung »Zug der Erinnerung« über das Schicksal verschleppter Kinder während der NS-Zeit haben die Deutsche Bahn AG scharf kritisiert. Die Bahn behindere durch maßlose Finanzforderungen den Verlauf der zu Bahnhöfen rollenden Ausstellung.
Nach Angaben von Vereinssprecher Hans-Rüdiger Minow will die Bahn für die Nutzung des Schienennetzes durch die Museumswaggons sowie für die Bereitstellung von Stromanschlüssen und Bahnsteigen mehr als 50.000 Euro für 6.000 Kilometer kassieren.
Trotz des großen Erfolges der Schau über die europäische Massendeportation von Kindern, zu der bisher etwa 40.000 Besucher an etwa 20 deutschen Bahnhöfen kamen, sei die Bahn AG nicht bereit, auf ihre finanziellen Forderungen zu verzichten, erläuterte Minow. Auch das Bundesverkehrsministerium habe es kategorisch abgelehnt, die Ausstellung finanziell zu unterstützen.
»Hier geht es nicht um ein reguläres gewerbliches Projekt wie einen Schrottzug, sondern um ein Projekt mit kulturellem Andenken an die Opfer der geschichtlichen Vorgänger der Deutschen Bahn«, sagte Minow dem epd. Der Verein ruft die Öffentlichkeit zu Protestschreiben an die Deutsche Bahn, an das Verkehrsministerium und an den Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages auf.
»Wir fordern freie Fahrt für die Ausstellung«, betonte der Sprecher. Auf Grund der zahlreichen Anfragen solle die Ausstellung über Ende Februar hinaus verlängert werden. Geplanter Abschluss ist der 8. Mai am Bahnhof Auschwitz zum Gedenken des Endes des Zweiten Weltkrieges. Wegen der Finanzforderungen sei eine Verlängerung aber derzeit fraglich.
Die Veranstalter lassen den »Zug der Erinnerung« seit vergangenem November auf den früheren deutschen Deportationsstrecken fahren. Der Zug transportiert eine mobile Ausstellung mit Biografien verschollener Kinder aus vielen europäischen Staaten. Nach Schätzungen seien über eine Million Kinder und Jugendliche auf dem deutschen Schienennetz in die Vernichtungslager verschleppt worden. Die Massentransporte organisierte die »Deutsche Reichsbahn«. Nur wenige Deportierte kehrten zurück.
Internet: www.zug-der-erinnerung.eu
Dieser Beitrag wurde am 9.1.2008 um 10.52 Uhr veröffentlicht.
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