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Vom Tresor ins Web

Qumran-Rollen im Internet abrufbar

<b>Mit dem Schieberegler</b> durch die Rollen surfen: Die Qumran-Schriften sind jetzt im Internet einsehbar. Foto: http://dss.collections.imj.org

Mit dem Schieberegler durch die Rollen surfen: Die Qumran-Schriften sind jetzt im Internet einsehbar. Foto: http://dss.collections.imj.org

Mehr als eine Viertel Million Menschen klickten in nur 24 Stunden die neue Webseite an: Es geht um den größten kulturellen Schatz des jüdischen Volkes.

Wohl behütet in einem Tresorraum, zu dem nur vier Menschen den Geheimcode kennen, sind die Qumran-Rollen jetzt jederzeit für jeden Interessenten überall auf der Welt einsehbar. Diese Woche stellte das Israel Museum in Jerusalem in Zusammenarbeit mit »Google« die ältesten Handschriften der Bibel ins Internet.

Adolfo D. Roitman, Kurator des »Schrein des Buches«, der die Qumran-Rollen beherbergt, spricht von einer Revolution.

»So etwas hat es noch nie gegeben«, sagt er noch immer euphorisch über die »wunderbare Verbindung« zwischen dem Museum und »Google«, die es ermöglichte einen »kulturellen Schatz der Menschheit« mit Hilfe »ultimativer Technologie« weltweit verfügbar zu machen.

Die Qumran-Rollen sind der aufsehenerregendste Handschriftenfund im 20. Jahrhundert.

1947 hatten zwei Beduinenjungen in einer Höhle unweit des Toten Meeres in Qumran einen Krug mit Schriftrollen gefunden. Bis Mitte der 50er Jahre wurden Hunderte weitere Schriftrollen und Textfragmente zu Tage befördert.

Die Rollen vom Toten Meer umfassen insgesamt 15.000 Pergament-, Leder- und Papyrusfragmente, die zu ursprünglich etwa 900 Rollen gehört haben.

Die Rollen, darunter ein Drittel Abschriften des Alten Testaments, wurden Historikern zufolge zwischen dem dritten Jahrhundert vor und dem ersten Jahrhundert nach Christus geschrieben.

Die jüdischen Schriften sind meist in Hebräisch, zum Teil aber auch in Aramäisch und Griechisch verfasst. Mit dem Christentum, betonen Forscher, haben die Qumran-Funde nichts zu tun, wohl aber mit seinen jüdischen Wurzeln.

Die meisten interessierten sich auf der Internetseite für die Jesajarolle, dem Propheten, dessen Weissagung Roitman nun bestätigt findet. »Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem«, heißt es im zweiten Kapitel des Buches Jesaja.

»Nach 2800 Jahren konnten wir die Vision Jesajas Wirklichkeit werden lassen«, sagt der stolze Kurator, wobei er einräumt, dass »die Texte in der Jesajarolle nicht immer mit der Bibel übereinstimmt«.

Die Schriften sind so gut erhalten, dass sie per Zoomklick für den Kenner der hebräischen Sprache gut lesbar sind. Für alle anderen liefert die Internetseite, wieder nur per Klick auf die Maus, eine Übersetzung ins Englische. Vorläufig sind fünf der insgesamt sieben Originalrollen einsehbar.

Das Projekt ist noch nicht beendet.

»Wir wollen die Texte in andere Sprachen übersetzen«, sagt der gebürtige Argentinier Roitman, spanisch und chinesisch schwebt ihm als erstes vor, aber auch deutsch und russisch, italienisch und koreanisch.

Rund 60 Jahre liegen die Rollen seit ihrer Entdeckung in dem dunklen Tresorraum, heute bei idealen Bedingungen mit einer Dauertemperatur von 19 Grad und einer Feuchtigkeit von 49 Prozent.

Nur Auszüge wurden im Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, bis Ende vergangenen Jahres das Projekt der Digitalisierung seinen Anfang nahm.

Erst im März kam die Verbindung zwischen dem Israel Museum und »Google« zustanden, danach ging alles recht schnell. »In Kamtschatka und in Brasilien ist dieses Stück Literatur und Kultur der Welt einsehbar«, sagt Roitman, der seit 17 Jahren im Israel Museum arbeitet.

»Unsere Webseite ist in Staaten angeklickt worden, mit denen Israel keinerlei Verbindung hat.«

Die Schriften stammen vermutlich aus der Zweiten Tempelperiode, wobei bis heute nicht klar sei, wer sie geschrieben hat. »Möglich ist, dass die Texte ursprünglich auch gar nicht Qumran stammen, sondern in Jerusalem geschrieben wurden und dann nach Qumran transportiert wurden, um sie vor den Römern zu verstecken«, sagt Hagai Dagai, Dozent für Jüdisches Denken am Sapir-College in Sderot.

»Ein zentrales Motiv der Rollen ist der Krieg zwischen den Söhnen des Lichts, damit sind vermutlich die Priester gemeint, und den Söhnen der Dunkelheit.«

In der Schriftrolle »Regeln der Gemeinde« werden Verhaltenskodexe, wie Glaubenslehren und Tischsitten behandelt. epd

Dieser Beitrag wurde am 28.9.2011 um 13.47 Uhr veröffentlicht.

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