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Loriot ist tot

»Lebenskluger Beobachter menschlicher Schwächen«

<b>»Die Ente bleibt draußen«</b>: Der unnachahmliche gezeichnete Sketch  »Herren im Bad«, hier gewürdigt auf einer Sonderbriefmarke.

»Die Ente bleibt draußen«: Der unnachahmliche gezeichnete Sketch »Herren im Bad«, hier gewürdigt auf einer Sonderbriefmarke.

Er war einer der beliebtesten Komiker Deutschlands: Vicco von Bülow alias Loriot ist tot.

Er starb Montagnacht im Alter von 87 Jahren in Ammerland am Starnberger See, wie der Diogenes Verlag am Dienstag in Zürich mitteilte. Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigten Loriot als feinsinnigen Humoristen und großen Künstler. Die Bestattung von Bülows soll im engsten Familienkreis stattfinden.

»Wir sind traurig über einen unersetzlichen Verlust«, schrieb Wulff über den Karikaturisten, Autor und Regisseur, dessen TV-Sketche legendär wurden.

Das Land habe einen seiner bedeutendsten Humoristen und einen »lebensklugen Beobachter menschlicher Schwächen« verloren. Merkel erklärte, als feinsinniger Beobachter des Alltäglichen und hintergründiger Humorist sei Loriot längst ein Klassiker: »Sein Werk wird Alt und Jung noch sehr lange zum Lachen bringen - und zu mancher Erkenntnis über das Wesen der Deutschen.«

Der Zeichner und Komiker veröffentlichte in fast 60 Jahren 114 Bücher.

1976 startete die sechsteilige Fernsehserie »Loriot« mit gespielten und gezeichneten Sketchen wie die »Herren im Bad« und die »Steinlaus«. Später war Vicco von Bülow auch mit Kinofilmen erfolgreich. Er war unter anderem Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland und wurde mit zahlreichen Film- und Fernsehpreisen ausgezeichnet.

<b>Loriot</b> alias Vicco von Bülow. Foto: UK-Archiv

Loriot alias Vicco von Bülow. Foto: UK-Archiv

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) würdigte die Verdienste von Bülows um das kulturelle Leben in Deutschland.

Er habe »als Loriot ganz wesentlich dazu beigetragen, dass die Deutschen ein gelassenes Bild ihrer Mentalität und Gewohnheiten gewinnen konnten«, sagte er. Loriot habe als Karikaturist, Autor, Fernsehstar und Filmemacher gezeigt, dass auch anspruchsvoller Humor und Witz ein großes Publikum finden könnten, erklärte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU).

Das Land habe einen seiner großen Künstler verloren.

WDR-Intendantin Monika Piel hob die »unnachahmliche Komik und Intelligenz« hervor, mit der von Bülow es verstanden habe, Menschen aller Generationen zu unterhalten und »ihnen auch manches Mal den Spiegel vorzuhalten - ohne dabei zu verletzen«.

Seine zeitlosen Sketche seien nicht nur Teil der deutschen Fernsehgeschichte: »Viele Dialoge haben längst ihren Platz in unserem Alltag gefunden.«

Der Kabarettist Dieter Hildebrandt sagte im Deutschlandradio Kultur, Loriot sei »das einzige leuchtende Beispiel für den Humor«, den die Deutschen »angeblich nicht haben«. Er habe eine »geniale Mischung zwischen Humor, der aus dem Bauch kommt und aus dem Kopf kommt«, besessen.

Das Niveau des Fernsehens habe er »allein mit seiner Person gehoben«.

Vicco von Bülow wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren. Nach dem Krieg studierte er Malerei und Grafik an der Kunstakademie in Hamburg. Er war seit 1951 mit seiner Frau Romi verheiratet und wurde Vater zweier Töchter.

Bis zuletzt lebte er in Ammerland am Starnberger See.

Als Reaktion auf den Tod des Humoristen änderten mehrere öffentlich-rechtliche und private Sender noch am Dienstag ihr Fernsehprogramm und sendeten Nachrufe wie auch bekannte Filme und Sketche Loriots. Sein zuletzt geplantes Buch »Bitte sagen Sie jetzt nichts« sollte ursprünglich im November erscheinen.

Der Diogenes Verlag zieht den Termin nun auf September vor. epd

Dieser Beitrag wurde am 24.8.2011 um 07.34 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Schallblech schrieb am 24.08.2011 08:24:

Mein Jodeldiplom hängt schief :-(

Erika Mörs schrieb am 24.08.2011 10:08:

"Ach was."

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