Die 10 Gebote in der Westfalenhalle
La Ola und ein endloser Beifallsrausch

Grandiose Kulisse mit überwältigender Klangentfaltung: 2500 Sänger auf den Tribünen hinter der Bühne, auf der das musikalische Feuerwerk um ein zentrales biblisches Thema abgebrannt wurde. Fotos: Uwe Rottkamp
Unglaubliche Emotionen, begeisternde Musik, perfekte Lichtshow, Westfalenhalle zwei Mal ausverkauft: Die Uraufführung des Pop-Oratoriums »Die 10 Gebote« endete in einem kaum zu stoppenden Beifallsrausch.
Dieter Falk war das breite Lächeln wie ins Gesicht gemeißelt, sein für den Text verantwortlicher Mitautor Michael Kunze genoss es mehr innerlich: gemeinsam mit Chor, Orchester, Band, Hauptdarstellern, Ensemble und allen anderen Mitgestaltern ließen sie die endlos scheinenden Ovationen über sich hereinbrechen. Das Pop-Oratorium »Die 10 Gebote«, von dem sich vor der Premiere kaum jemand im Publikum richtig vorstellen konnte, was sich da auf der Bühne entfalten würde, hat die Premiere glänzend bestanden.
Die zweieinhalbtausend Chormitglieder feierten im Anschluss bei der »After-Show-Party«, was das Zeug hielt, ließen ihrer Freude darüber, bei diesem beispiellosen Mega-Projekt dabei gewesen zu sein, freien Lauf.
Die »Party«, sprich die überbordende Begeisterung hatte allerdings schon vorher begonnen: Noch bevor die ersten Akkorde erklangen, hatten die Chorsänger technische Verzögerungen genutzt und La Ola-Wellen durch die Halle geschickt.

Letzte Abstimmungen: Dieter Falk (Mitte) mit Dirigent Heribert Feckler (2. v. links) und den Subdirigenten Matthias Nagel (links) und Christian Spenger, die für den punktgenauen Einsatz der zwei Chorblöcke sorgten.
»Oratorium« haben Falk und Kunze das Spektakel um Moses, die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischer Gefangenschaft und den Empfang der 10 Gebote von Gott genannt. Und in der Tat enthält es alle typischen Merkmale klassischer barocker Oratorien von Johann Sebastian Bach, Händel & Co.: Es gibt Arien, einen singenden Erzähler, Rezitative - und vor allem die großen Choräle, die das gesagte noch einmal bestätigen.
Alles verpackt in Melodien und Arrangements, die das Zeug zum Ohrwurm haben; mal rockig, mal swingig, mal als romantische Ballade - der große Johann Sebastian hat im Himmel sicher ein wenig gelächelt an diesem Wochenende...
Eindrucksvoll auch die Lichteffekte: Der Chor war mit weißen Notendeckeln und goldenen Rettungsdecken ausgestattet worden, die an bestimmten Stellen hochgehalten wurden und zusammen mit entsprechender Lichtgestaltung den goldenen Thronsaal des Pharao oder das bedrohliche Schilfmeer symbolisierten. Auch dafür gab's Szenenapplaus.

Heimlicher Star des Oratoriums: Stefan Poslovski als wunderbar dekadenter, von sich überzeugter Pharao.
Mehr als 90 Chöre zumeist aus Nordrhein-Westfalen bildeten das musikalische Rückgrat des Oratoriums. Die Chorleiter waren im Sommer von Dieter Falk instruiert und mit den Interpretationswünschen ausgerüstet worden. Bei diesem »Kick-off« hatte sie gleichzeitig den Chorpart für die inzwischen erhältliche CD eingesungen.
Danach begann die Probenphase in den Chören. Eine Woche vor der Premiere kam die Sängerschar erstmals komplett zusammen - bei der ersten Hauptprobe im Bochumer RuhrCongress-Zentrum. Schon hier wurde deutlich, dass das Projekt jedenfalls nicht an den Chorparts scheitern würde: Die Sänger waren hervoragend vorbereitet, lobte Hauptdirigend Heribert Feckler.
Die Premiere am Sonntag war bereits seit November ausverkauft.
Die Veranstalter hatten sich daraufhin entschlossen, die Generalprobe am Tag zuvor als öffentliche »Vorpremiere« anzubieten - und auch hier waren die Karten schnell vergeben: Nur wenige Plätze der 9000 Besucherplätze blieben am Ende leer.
Eine Frage blieb am Ende offen: Wie geht es nach diesem Mega-Erfolg weiter?
Wie es hieß, darf die »Creative Kirche« das Oratorium zwei Jahre lang für sich nutzen. Geplant sind etwa zehn Aufführungen in deutschen Städten, doch Details (beispielsweise zur Orchester- und Ensemblefrage) gibt es noch nicht. Ob es das Zeug und die Kraft hat, später vielleicht in kleinerem Chorrahmen in einem festen Haus oder mit einer »Tourneebühne« gespielt zu werden, muss sich zeigen.
Zweifel an der Aktualität des alttestamentlichen Bibelstoffes gibts es seit der Premiere jedenfalls nicht mehr: In der Passage um das Goldene Kalb etwa war beißende Kritik an bestimmten medialen Angeboten in unserer Gesellschaft unüberhörbar: »Wenn es den Menschen schlecht geht wie damals in der Wüste, steigt der Bedarf nach Unterhaltung«, sagte Textautor Michael Kunze im Gespräch mit UnsereKirche.
Und so werden Talent- und Containershows und andere Auswüchse der Spaßgesellschaft in der Gier nach kurzweiliger Unterhaltung zu den goldenen Kälbern unserer Zeit...
Uwe Rottkamp
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Dieser Beitrag wurde am 18.1.2010 um 10.41 Uhr veröffentlicht.
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| Pirol schrieb am 18.01.2010 17:23: Klingt ja toll. Wäre auch gern dabei gewesen. Hoffentlich wird es tatsächlich weitere Aufführungen geben. Dann schau ich mir die 10 Gebote auch noch an. Toll, dass es Leute wie Dieter Falk und Co gibt. |
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