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Medienwissenschaft

»Krieg der Journalisten gegen die politische Klasse«

Foto: www.journalistik-dortmund.de

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Der Journalist und Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister sieht in der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff einen Krieg der Journalisten gegen die politische Klasse.

Das Fernsehinterview am Mittwochabend sei dabei nicht der letzte Akt gewesen, sagt Hachmeister - auch weil ARD und ZDF es seiner Meinung nach versäumt haben, gründlich zu recherchieren. Außerdem hätten die Interviewer nicht die richtigen Fragen gestellt.

So hätte vor allem die enge Beziehung Wulffs zur »Bild«-Zeitung thematisiert werden müssen, kritisiert Hachmeister.

epd: Der Bundespräsident hat ARD und ZDF ein Interview gegeben. Muss der Fernsehzuschauer damit jetzt nicht zufrieden sein?

Lutz Hachmeister: Das Interview war mir einfach zu unpolitisch. Da war keine einzige Frage aus eigener Recherche. Und das, wo das ZDF gesagt hat, es hätte schon vor Wochen das Interview angefragt. Das zeigt auch die Recherchekultur von ARD und ZDF.

Wulff hat ja gesagt, er müsse sein Verhältnis zu den Medien neu ordnen. Und die große Frage, warum er sich auf diese Symbiose mit der »Bild« eingelassen hat, hat gefehlt. Auch die Entlassung seines Sprechers wurde nicht thematisiert. Dass man diese beiden Fragen nicht stellt, halte ich für ein großes Versäumnis.

epd: Das TV-Interview bei den großen öffentlich-rechtlichen Anstalten ließ die anderen Medien außen vor. Hat der Bundespräsident damit trotzdem das Bedürfnis der Medien und der Bevölkerung nach Aufklärung ausreichend bedient?

Hachmeister: Man muss fragen, warum sich ARD und ZDF auf diesen Rahmen eingelassen haben, ob 15 Minuten für solch ein Interview mit so vielen offenen Sachfragen nicht viel zu kurz gewesen sind. Da hätte man sagen sollen, entweder es ist mehr Zeit, oder wir machen dieses Interview nicht. Das wäre ein ehrlicher Umgang gewesen.

Aber jeder andere Journalist hätte dieses Interview natürlich auch angenommen. Ich fand es bemerkenswert, dass der Bundespräsident in das Studio gekommen ist. Früher hätte ein solches Interview im Schloss Bellevue in präsidialem Rahmen stattgefunden.

Das der Bundespräsident sich ARD und ZDF aussucht, halte ich für völlig legitim. Das Rumgejammere der privaten Sender kann ich da nicht verstehen.

epd: War das nun der von Wulff erhoffte Befreiungsschlag?

Hachmeister: Es wird da eine dritte Runde geben. Das ist definitiv ein erklärter Krieg der journalistischen Klasse gegen die politische Klasse. Und der wird ausgefochten. Das Rad wird weitergedreht. Als nächstes wird das Transkript des Anrufs bei der »Bild«-Zeitung veröffentlicht werden. Da ist noch nicht alle Munition verschossen. epd

Dieser Beitrag wurde am 5.1.2012 um 13.10 Uhr veröffentlicht.

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