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Im Tal der Handwerker

<b>Alles von Hand:</b> Auch die traditionelle Kunst des Brotbackens kann man in Hagen kennenlernen. Fotos: Julia Geisweid

Alles von Hand: Auch die traditionelle Kunst des Brotbackens kann man in Hagen kennenlernen. Fotos: Julia Geisweid

Im Freilichtmuseum Hagen werden alte Handwerkstraditionen gezeigt. Zum 50-jährigen Bestehen gibt es eine Sonderausstellung.

Annegret Hillebrand arbeitet gerne hier. Tag für Tag sitzt sie an ihrem Pult und rollt eine Zigarre nach der anderen. Seit 15 Jahren. Sie liebt es, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und ihnen ihre Arbeit zu erklären. Ihr Arbeitsplatz befindet sich in einem schmucken, zweihundert Jahre alten Fachwerkhaus im Freilichtmuseum Hagen.

Jahr für Jahr führt Hillebrand hier die Tradition der Tabakverarbeitung als „Zigarrenmacherin“ fort.

Nicht nur, wer sich für Tabakverarbeitung interessiert, kommt hier auf seine Kosten. Im Freilichtmuseum Hagen gibt für jeden etwas zu entdecken, zu lernen und zu staunen. Für Technikbegeisterte, Naturfreunde, Geschichtsinteressierte und Lokalpatrioten, vor allem aber: für die ganze Familie.

Mancher Besucher fühlt sich in seine Kindheit zurückversetzt, wenn er den alten Krämerladen oder den Friseursalon betritt.

Das Geräusch von Hammerschlägen, das Rattern von Getrieben und Maschinen hallt durch das schmale Tal, aus den Schornsteinen steigt Rauch auf.

Das ist lebendige Geschichte. Mit allen Sinnen nimmt man sie wahr. „Hier in der Gegend hat sich das Handwerk rasend schnell verändert, von den Einzelbetrieben über Manufakturen hin zur Frühindustrie“, erklärt Uta Wenning-Kuschel, Öffentlichkeitsreferentin des Museums.

„Daher kam bereits in den 1920er Jahren die Idee auf, das alte Handwerk durch eine Ausstellung zu bewahren.“

Im Mäckingerbachtal, dem einzigen damals noch unbebauten Tal in Hagen, wurde deshalb in den 1960er Jahren eine echte Besonderheit errichtet: Das nach eigenen Angaben einzige Freilichtmuseum für Handwerk und Technik in Europa.

Zu sehen ist hier ein „Gewerbetal“, wie es für das 19. Jahrhundert typisch ist.

Was den Reiz eines solchen Freilichtmuseums ausmacht? „Alles ist echt“, erklärt Wenning-Kuschel: „Die Gerüche, die Geräusche, das Erleben.“

Mitmachen wird großgeschrieben im Freilichtmuseum Hagen. Dafür gibt es nicht nur ein reichhaltiges Kursprogramm: Besucher können Hüte machen, Schmuck herstellen, mit der Sense mähen. Auch die Handwerker, die in den Werkstätten „ihre“ Arbeitstechniken vorführen und erklären, machen Geschichte lebendig.

Das kommt bei den Besuchern, die gerade an den Wochenenden zahlreich in das Museum strömen, gut an.

Vor den Augen der Besucher backen Handwerker Brot, drehen Seile, stellen Uhren her oder schmieden Nägel.
Dabei lernt man auch die harten Seiten handwerklicher Arbeit kennen.

In den Werkstätten geht es teilweise ganz schön laut und rußig zu – vor allem dort, wo es um Metallverarbeitung geht. Die bildet einen Schwerpunkt im Museum, das auch das deutsche Schmiedemuseum beherbergt.

Aber ebenso werden Blaudruckerei, Goldschmiede und das Handwerk des Obstbrennens vorgestellt, Papierverarbeitung und Buchdruck.

<b>Rastplatz</b> zwischen Fachwerkhäusern: Zeit für eine Stärkung.

Rastplatz zwischen Fachwerkhäusern: Zeit für eine Stärkung.

Besonders reizvoll ist die Natur, die die Fachwerkhäuser umgibt.

Der Wald reicht bis an die Wege heran, die Bäche fließen an Schmieden und Hammerwerken vorbei, wo ihre Wasserkraft direkt zum Einsatz kommt. „Viele der Werkstätten gäbe es nicht ohne Wasser“, erklärt Wenning-Kuschel.

Auch Menschen, die nicht mehr so beweglich sind, können gut im Museum herumkommen.

Die Wege sind asphaltiert; sonntags fährt eine Bimmelbahn, die Besucher in den oberen Bereich des Museums bringt. Familien können Bollerwagen ausleihen und ihr Picknick selbst mitbringen. Auch sonst ist für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt.

In der Brauerei gibt es Kleinigkeiten, für den etwas größeren Hunger hat das Museumsrestaurant westfälische Spezialitäten auf der Karte. Von dort aus kann man den Blick über das Tal schweifen lassen, während man Gutes aus der lokalen Küche genießt.

Eine Besonderheit dieses Jahr: Zum 50. Geburtstag des Freilichtmuseums gibt es eine Sonderausstellung mit buntem Rahmenprogramm.

Sehen kann man dort fünfzig „Schätze“, die von der Entwicklung des Museums erzählen, aber normalerweise für Besucher nicht zugänglich sind.

„Wir wollen zeigen, dass so etwas Schnödes wie ein Hammer hier den Stellenwert hat, hinter Glas ausgestellt zu werden“, erklärt Julia Setter, die an der Planung der Ausstellung mitgearbeitet hat. Das Handwerk gilt im Freilichtmuseum als Kulturgut.

Einen halben Tag verbringt man hier schnell, bei all dem, was es zu entdecken gibt.

Deshalb lohnt es sich, auch ein zweites oder drittes Mal herzukommen. Das muss nicht nur im Sommer sein: Schön ist es hier zu jeder Jahreszeit.

Julia Geisweid

Dieser Beitrag wurde am 19.7.2010 um 08.12 Uhr veröffentlicht.

Das Freilichtmuseum Hagen

Anfahrt: Mit dem Auto: Über die B 54 nach Süden, Abzweig Eilpe, auf L 528 bis Mäckingerbach. Oder über die A 45 bis zur Autobahnabfahrt Hagen-Süd; von dort aus ist das Freilichtmuseum ausgeschildert.

Mit der Bahn: Bis Hagen Hauptbahnhof. Ab dort mit der Bus-Linie 512 Richtung Selbecke bis Haltestelle „Freilichtmuseum“ oder mit dem Regionalbus 84 Richtung Kierspe/Feuerwehrgerätehaus bis Haltestelle „Freilichtmuseum“.

Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober, täglich 9 bis 17 Uhr, Häuserbesichtigung bis 17.30 Uhr, an Feiertagen bis 18 Uhr.

Führungen: Sonntags um 14 Uhr finden kostenlose Museumsführungen statt, der jeweilige Treffpunkt kann an der Kasse erfragt werden. An jedem ersten Sonntag im Monat findet stattdessen eine Kinderführung statt, zu der aber auch die Großen herzlich eingeladen sind.

Weitere Programminfos unter www.lwl-freilichtmuseum-hagen.de

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