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Anselm Grün wird 65

Ein Engel – naja, fast.

<b>Bestseller-Autor und Seelsorger:</b> Anselm Grün wird heute 65. Foto: gmh

Bestseller-Autor und Seelsorger: Anselm Grün wird heute 65. Foto: gmh

Mann, was war ich damals aufgeregt, als ich meinen ersten Termin bei Anselm Grün hatte.

So viel von ihm gelesen, so viel über ihn gehört. Bücher in Millionenauflage. Guru. Spiritueller Lehrer. Selbst Top-Manager gehen zu ihm. Nun sollte ich für einen Artikel ein Gespräch mit ihm führen.

Schon vorher hatten Kollegen gemeint: »Das kannst du vergessen. Promi. Den kriegst du nicht.« Und doch hat es geklappt. Auf meine Anfrage sagte er einfach: »Schön, das machen wir. Wann können Sie? Kommen Sie nach Münsterschwarzach.«

Anselm Grün empfing mich herzlich. Ich gebe zu: Ich war vom ersten Moment an fasziniert von ihm. Meine Aufregung war weg. Die Ruhe, die er ausstrahlt, ging gleich auf mich über.

Der Mann ist so unkompliziert, freundlich und offen.

Das Gespräch war Klasse – es ging um »Engel«. Ein bisschen kommt er mir manchmal selbst so vor. Wie ein Engel.

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Anselm Grün wird heute, 14.01.2010, 65 Jahre alt. Geboren im fränkischen Junkershausen, trat er kurz nach dem Abitur dem Benediktinerorden bei. Er studierte Theologe, Philosophie und Betriebswirtschaftslehre. Promovierte.

Heute ist er wirtschaftlicher Leiter der Abtei Münsterschwarzach und Bestsellerautor. Seine rund 200 Bücher wurden in über 30 Sprachen übersetzt und verkauften sich mehr als 15 Millionen mal. Sie erzielten gut 100 Millionen Euro Umsatz.

100 Millionen Euro. Andere würden sich eine Villa am Tegernsee gönnen. Oder an der Cotê d’Azur. Anselm Grün gönnt sich einen Cappuccino.

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Inzwischen habe ich ihn noch öfter getroffen, meist zu Interviews. Auf dem roten Sofa der Kirchenpresse auf Kirchentagen. Bei der Buchmesse. Da erzählte er einmal, dass »sein« Luxus ist, wenn er sich unterwegs einen Cappuccino gönnt. Einkommen? Mehr als 50 Euro im Monat brauche er für den persönlichen Bedarf nicht.

Und ein Chauffeur? Nein. Anselm Grün fährt zu allen Terminen selbst. Mit einem alten Golf.

Wenn möglich vermeidet er es, in Hotels zu übernachten. Lieber fährt er früh morgens los oder spät abends noch nach Hause – um möglichst wenig Gebetszeiten zu verpassen. Seine Kraftquelle ist sein Glaube, sagt er.

Das glaube ich sofort, anders kann das gar nicht sein.

<b>Gefragter Gast:</b> Anselm Grün im Gespräch mit UK-Redakteurin Karin Ilgenfritz (hier auf dem Kirchentag im Mai in Bremen 2009). Foto: gmh

Gefragter Gast: Anselm Grün im Gespräch mit UK-Redakteurin Karin Ilgenfritz (hier auf dem Kirchentag im Mai in Bremen 2009). Foto: gmh

Beeindruckend ist auch seine Geradlinigkeit. Er macht keinen Hehl daraus, dass er nicht in allen Punkten mit seiner Kirche, der katholischen, übereinstimmt. Zum Beispiel lehnt er es ab, Homosexualität als Sünde anzusehen. Vorwürfe, er sei zu liberal oder seine Bücher zu oberflächlich, hört er sich an: »Es kann ja immer mal sein, dass man sich irgendwo vertan hat.« Prüft das Gehörte und »hält es Gott hin«. Wie so vieles.


Manchmal denke ich, ich wäre gern ein bisschen so wie Anselm Grün. So in sich ruhend. So offen. So herzlich. Und im nächsten Moment weiß ich, dass das möglich ist. Dann nehme ich mir vor, wieder mehr Zeit für die Stille, für Gott zu reservieren.

Anselm Grün, der Bestseller-Autor, ja. Aber mehr noch als seine Bücher haben mich die Begegnungen mit ihm bewegt.


Herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen zum Geburtstag, lieber Anselm Grün.

Ihre

Karin Ilgenfritz

Dieser Beitrag wurde am 14.1.2010 um 12.29 Uhr veröffentlicht.

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