»Woche der Brüderlichkeit« eröffnet
Ehrung für Architekt Libeskind
Bei der zentralen Eröffnung der »Woche der Brüderlichkeit« am Sonntag in Augsburg ist der international renommierte amerikanische Architekt Daniel Libeskind mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet worden.
Die Bauwerke von Libeskind ragten mahnend in die Gegenwart hinein, sagte Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) in ihrer Laudatio. Der 1946 in Polen geborene Preisträger habe durch seine Erfahrung der Heimatlosigkeit und Wanderschaft des jüdischen Volkes einen besonders scharfen Blick »auf die entwurzelnden Wirkungen der Globalisierung«.
Die Räume des Architekten schüfen »keine trügerische Harmonie«, sondern gäben den Brüchen des Lebens eine echte Heimat.
Gerade bei seinen Plänen für das Bauwerk auf »Ground Zero« in New York habe Libeskind die Bürger in einer wohl einmaligen Weise in den Planungsprozess miteinbezogen, sagte Göring-Eckardt, die auch Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.
Zu den Hauptwerken des Architekten zählen das Jüdische Museum Berlin und das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück.
Der jüdische Präsident des Deutschen Koordinierungsrats der Christlich-Jüdischen Gesellschaften, Henry Brandt, hatte zuvor die »Woche der Brüderlichkeit« eröffnet, die in diesem Jahr unter dem Motto »Verlorene Maßstäbe« steht.
In seiner Ansprache rief der Augsburger Rabbiner dazu auf, verlorene Maßstäbe wiederzufinden und zu erhalten. »Dazu gibt es keine Alternative«, sagte Brandt. Die aktuellen Krisen in Wirtschaft und Finanzwelt seien »Symptome einer tief verwurzelten gesellschaftlichen Malaise«.
Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte in einem Grußwort, um die Maßstäbe, die in Wirklichkeit nur verschüttet und verdeckt seien, wieder sichtbar zu machen, bedürfe es einer gemeinsamen Kraftanstrengung.
Der Blick auf die Geschichte zeige, dass es oftmals die Brüche seien, die einer Gesellschaft das rechte Maß zurückgeben könnten.
Der Deutsche Koordinierungsrat der 83 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR) verleiht seit 1968 die Buber-Rosenzweig-Medaille im Gedenken an die jüdischen Philosophen Martin Buber und Franz Rosenzweig.
Seit 1952 veranstalten die christlich-jüdischen Gesellschaften in der Bundesrepublik Deutschland jedes Jahr im März die »Woche der Brüderlichkeit«, um zur Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden beizutragen. epd
Dieser Beitrag wurde am 8.3.2010 um 07.32 Uhr veröffentlicht.
| Die »Woche der Brüderlichkeit« |
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Die »Woche der Brüderlichkeit« ist eine Initiative der mittlerweile über 80 deutschen Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Die ersten Gesellschaften entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg in der amerikanischen Besatzungszone. Nach dem US-Vorbild einer institutionalisierten Zusammenarbeit von Christen und Juden sollten die örtlichen Gesellschaften als Teil des Umerziehungsprogramms zu einem christlich-jüdischen Dialog beitragen und Antisemitismus vorbeugen. An der Entstehung der ersten Gesellschaften in München, Stuttgart, Wiesbaden, Frankfurt und Berlin in den Jahren 1948 und 1949 war maßgeblich der methodistische Pfarrer Carl F. Zietlow beteiligt. Auch die jeweils im März stattfindende »Woche der Brüderlichkeit« orientiert sich an dem amerikanischen Vorbild der »Brotherhood-Week«, die seit 1934 veranstaltet wird. Die erste bundesweite »Woche der Brüderlichkeit« fand 1952 statt und wurde mit einer Rundfunkansprache vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss eröffnet. Das Jahresthema 2010 »Verlorene Maßstäbe« stellt vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Finanzkrise die Frage nach dem Verlust von Maßstäben in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Seit 1968 wird zum Auftakt der »Woche der Brüderlichkeit« die Buber-Rosenzweig-Medaille für Verdienste um den christlich-jüdischen Dialog verliehen. Die undotierte Auszeichnung erinnert an die jüdischen Philosophen und Pädagogen Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929). Zu den Preisträgern der vergangenen Jahre gehören neben anderen der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau, der Dichter Friedrich Dürrenmatt, der Dirigent Daniel Barenboim und Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne). Im vergangenen Jahr wurde der katholische Theologe Erich Zenger geehrt. Als Aufgaben der rund 80 christlich-jüdischen Gesellschaften wird in der Präambel von 1994 festgehalten, dass sie sich gegen alle Formen von Judenfeindschaft, religiösem Antijudaismus, Antisemitismus sowie Antizionismus, Rechtsextremismus, sowie Diskriminierung aus religiösen, weltanschaulichen, politischen, sozialen und ethnischen Gründen wenden. In den im Juni 2009 verabschiedeten »Zwölf Thesen von Berlin« heißt es, die jüdisch-christlichen Beziehungen stellten nicht ein zu lösendes Problem dar, sondern seien ein fortdauernder Prozess des Lernens. An Christen und christliche Gemeinden wird darin appelliert, alle Spuren der Verachtung gegenüber Juden zu beseitigen. Zugleich wird von den jüdischen Gemeinden erwartet, Spuren von Feindseligkeit und Zerrbilder gegenüber Christen zu beseitigen. |
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