Kunstaktion
Der Gummi-Luther

Auf Augenhöhe: Da wirkt Luther seltsam leblos. Ein Schicksal, das er mit den Büsten der Antike teilt. Foto: gmh
Die umstrittene Wittenberger Kunstinstallation mit 800 bunten Lutherfiguren ist eröffnet.
Die auch als »Lutherzwerge« bezeichneten hüfthohen Nachbildungen des Wittenberger Lutherdenkmals stammen vom Künstler Ottmar Hörl und sollen nach Angaben der Veranstalter auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 hinweisen. Bis kurz vor der Eröffnung hielt die Kritik an der Aktion unter dem Titel »Martin Luther – Hier stehe ich...« an.
Die Figuren zeigen den Reformator, wie ihn Johann Gottfried Schadow im Jahr 1821 als Denkmal gestaltet hat: Luther als alter Mann, seine Übersetzung des Neuen Testaments in der Hand haltend. Die Aktion geht auf eine Anregung der Geschäftsstelle »Luther 2017« der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zurück. Die sogenannten »Luther-Botschafter« sollen die Lehre des Reformators »in alle Welt tragen«.
Die Figuren gibt es in den Farben Purpurrot, Moosgrün, Kobaltblau und Schwarz. Sie sollen nun bis zum 12. September das Lutherdenkmal auf dem Wittenberger Marktplatz ersetzen, das Anfang des Jahres zur Restaurierung abmontiert wurde.
Das Projekt wird nach Angaben der EKD vom Künstler selbst finanziert. Durch den Verkauf der Figuren für 250 Euro pro Stück will er nach Abbau der Installation die Kosten wieder hereinholen.
Von einzelnen Kirchenvertretern erntete die Kunstaktion von Beginn an heftige Kritik. »Das ist theologischer und ästhetischer Schindluder«, erklärte zum Beispiel der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer in der »Leipziger Volkszeitung«. Den geplanten Verkauf der »Lutherzwerge« nannte er »einen geschmacklosen Ablasshandel« mit Plastikfiguren.
Der Beauftragte des Rates der Evangelischen Kirche für die Lutherdekade, Stephan Dorgerloh, verteidigte die Figuren. Das Kunstwerk sei Anlass, sich mit Luther zu beschäftigen, sagte er. »Mit der Installation bleibt Martin Luther auch ohne Denkmal präsent und Hörls moderne Kunst führt Luther zugleich in das 21. Jahrhundert.« Dorgerloh wendet sich dagegen, die Aktion theologisch zu überhöhen.
Auch die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, hat die Installation verteidigt. »Luther gehört in den Alltag, daran sollen und werden die Figuren erinnern«, sagte sie der »Leipziger Volkszeitung«. Sie könnten ein Stachel sein, »wenn wir die reformatorischen Ideen von vor 500 Jahren auf die Realität heute prallen lassen«.
Der Kirchenkreis Wittenberg begleitet die Kunstaktion mit dem Projekt »O-Ton Luther«. Damit werde Martin Luther täglich zu Wort kommen, heißt es. Bis zum 12. September sollen auf dem Marktplatz werktags ab 17.45 Uhr und sonntags ab 12 Uhr Texte des Reformators gelesen werden. Die Lesung dauert jeweils eine Viertelstunde.
epd
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Siehe auch Das perfekte Geschenk
Dieser Beitrag wurde am 27.8.2010 um 12.24 Uhr veröffentlicht.
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