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Anzeige: Feuerwehrmann hatte vorher gewarnt

Das katastrophale Ende einer fröhlichen Party

<b>Ort der Katastrophe</b>: Der Tunnel, in dem mindestens 19 Menschen den Tod fanden, wurde gestern von der Polizei abgesperrt. Foto: epd

Ort der Katastrophe: Der Tunnel, in dem mindestens 19 Menschen den Tod fanden, wurde gestern von der Polizei abgesperrt. Foto: epd

Die Love-Parade wird es nicht mehr geben. Damit zogen die Veranstalter am Sonntag die Konsequenz aus der in einer Katastrophe mit zahlreichen Toten und Verletzten endenden Musikparty auf einem alten Duisburger Fabrikgelände.

Ein Feuerwehrmann erstattete unterdessen Anzeige: Er hatte im Vorfeld vor genau den Gefahren gewarnt, die nun in erschreckendem Maße Realität geworden seien. Um die Angehörigen der mindestens 19 Toten und Hunderte von traumatisierten Verletzten kümmerten sich 50 Notfallseelsorger.

»Das war der bisher schlimmste Katastropheneinsatz in Nordrhein-Westfalen«, sagte Joachim Müller-Lange, Landespfarrer für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland am Sonntag dem epd.

Der Einsatz unter Leitung geht auch nach der Räumung der Unfallstelle weiter: »Wir wissen, dass nun die Einsatzkräfte der Polizei und der Rettungsdienste Unterstützung brauchen«, sagte Müller-Lange.

Am späten Samstagnachmittag war es in einem Zugangstunnel zur Rave-Party zu einer Massenpanik gekommen.

Mindestens 19 Menschen kamen ums Leben, 342 wurden verletzt.

Viele Besucher wurden nahe der Unfallstelle betreut. Die Theologen mussten sich vor allem um Augenzeugen kümmern, um Menschen, die selbst dem Unglück entkamen und andere sterben sahen.

Viele verzweifelten daran, dass sie sich vom eigenen Überlebenswillen leiten ließen, über Sterbende hinweg traten, anstatt zu helfen, berichtete Müller-Lange. In solchen Fällen sei es wichtig, die Schuld als zusätzliche Belastung anzuerkennen und nicht zu bagatellisieren.

»Wir geben den Menschen, die Gelegenheit zu schildern, was sie erlebten«, beschreibt der Theologe den Kern der Arbeit.

Die Pfarrerinnen und Pfarrer kümmerten sich auch um Menschen, die in Panik nach Freunden und Angehörigen suchten. Für die Helfer der Katastrophe werde es eine »Einsatz-Nachsorge« geben, kündigte Müller-Lange an.

»Ursprünglich waren wir mit 15 Seelsorgern vor Ort«, sagte der Landespfarrer, der eine hervorragende Einbindung der Notfallseelsorge durch die Organisatoren lobte.

Was eigentlich als »Praxistag« geplant war, sei zum Katastropheneinsatz geworden.

»Dass wir in einen Echteinsatz mussten, damit hat niemand gerechnet.« Anfangs sei die Lage chaotisch gewesen, sagte der Theologe. Nachdem das Ausmaß der Katastrophe absehbar war, seien in weiniger als einer Stunde weitere Kräfte nach Duisburg beordert werden.

Als Besonderheit der Duisburger Love-Parade schilderte Müller-Lange die Betreuung unter dem Dauerbeschuss der Techno-Musik.

»Der Partylärm schwappte bis zu unseren Einsatzstellen, begleitete alle Gespräche«, sagte der Notfallseelsorger, der auch bei der Tsumani-Katastrophe in Thailand und dem Erdbeben in Haiti im Einsatz war.

EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider äußerte sich bestürzt über das Geschehen.

»Wir sind erschüttert von der Katastrophe in Duisburg und nehmen Anteil am Schicksal derer, die ein fröhliches Fest feiern wollten und ihr Leben auf so tragische Weise verloren haben.«

Die Fürbitte der Kirche gelte den Menschen, die um die Opfer trauerten, den Verletzten und Geschockten sowie den Einsatzkräften aus Polizei und Rettungsdiensten, die unter den Eindrücken dieser Tragödie litten. »Wir vertrauen auf die biblische Zusage Gottes, dass er denen nahe sein wird, die zerbrochenen Herzens sind, und denen hilft, die ein zerschlagenes Gemüt haben«, sagte Schneider.

epd/rot

Dieser Beitrag wurde am 25.7.2010 um 12.55 Uhr veröffentlicht.

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