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30. Lemgoer Orgeltage

Alte Musik – unwiderstehlich klangvoll

<b>Marien-Kantor Volker Jänig </b>mit dem Festival-Barockorchester und Chören in St. Marien, der Singgemeinschaft und der MarienKantorei. Foto: Uwe Rottkamp

Marien-Kantor Volker Jänig mit dem Festival-Barockorchester und Chören in St. Marien, der Singgemeinschaft und der MarienKantorei. Foto: Uwe Rottkamp

Mit einem Festgottesdienst in der evangelisch-lutherischen Kirche St. Marien gingen die 30. Lemgoer Internationalen Orgeltage zuende.

Musikalisch gestalteten den gemeinsam mit der lutherischen Nachbargemeinde St. Nicolai gefeierten Gottesdienst rund 200 Sängerinnen und Sänger, die sich im Rahmen des »Kirchengesangstags« des lippischen Kirchenchorverbands Gottesdienst am Tag zuvor in Hillentrup vorbereitet hatten. Fotoalben: Abschlussgottesdienst und XXL-Raumkonzert

Zwei Wochen lang wurde in Lemgo ein Feuerwerk hochkarätiger Musikveranstaltungen geboten, die ihren Schwerpunkt in der Renaissance hatte und sich reizvoll mit Ausflügen in die Gregorianik und auch in die Moderne verzahnte.

Zum Auftakt war das Vokalensemble »amarcord« aus Leipzig zu Gast. Unter dem Titel » Durch Finsternis zum Licht« boten die einstigen Thomanechor-Mitglieder werke von Tallis, Hassler, Ockeghem, Poulenc, Orff und Bach.

Die gerade mit hohen finanziellen Aufwand renovierte und zurückgebaute historische »Schwalbennestorgel« – eine der ältesten Orgel dieses Typs überhaupt – stand im weiteren Programm im Mittelpunkt und ergänzte sich bestens mit dem »Festval Barockorchester« und den beiden Chören der Gemeinde, der MarienKantorei und der Singgemeinschaft.

Diese 30. Lemgoer Orgeltage machten erneut deutlich: Mit dem seit Jahresbeginn in Lemgo wirkenden A-Musiker und Landeskantor Volker Jänig ist der Lemgoer St. Marien-Gemeinde ein Glücksgriff gelungen, wie er sich besser nicht hätte fügen können. Die erstmals von ihm konzipierten Orgeltage tragen überdeutlich seine Handschrift.

Und die zeigt – neben all den vielen kleineren und größeren musikalischen Besonderheiten – vor allem eines: Aus der Veranstaltung der einen Kirchengemeinde ist ein Projekt geworden, das die ganze Stadt in den Blick nimmt und aus ihr heraus strahlt.

Kooperation war das Zauberwort: Mit der Integration seines Kollegen Friedemann Engelbert samt der ganzen St.Nicolai-Gemeinde sowie des Weserrenaissancemuseums im Schloss Brake hat Jänig die Internationalen Orgeltage aus ihrem elitären Umfeld mitten hinein in das lippische Musikleben geholt, ohne Abstriche am künstlerischen Niveau zu machen.

Im Gegenteil: Durch die Kooperationen wurden musikalische Topp-Events möglich wie beispielsweise die XXL-Raummusik – jenes Konzert unter anderem mit dem achtchörigen, 40-stimmigen Klangerlebnis des englischen Renaissance-Musikers Thomas Tallis.

Der Abschlussgottesdienst in der Marienkirche war da nur folgerichtig: Er war eingebettet in den „Gesangstag“ des lippischen Kirchenchorverbands, und Jänig überließ die Leitung der mehrchörigen Chor- und Bläsermusiken seinen Kollegen Burkhard Geweke, Astrid Röhrs und Arisa Ishibashi sowie Christian Kornmaul, der das Bläserprojekt „Posaunenchor auf Zeit“ für diese Abschlussmusik vorbereitet hatte.

Durch die Zentrierung auf alte Musik weit vor dem Barock war die gerade frisch renovierte historische Schwalbennestorgel nicht nur kurioses Beiwerk, sondern zentrales Instrument in einer zu ihr passenden Musikwelt.

Befürchtungen, die teils wenig bekannten Stücke aus der Renaissance und noch früher würden das Publikum eher verschrecken, bewahrheiteten sich nicht. „Die Musik ist ja nicht deshalb schlecht, nur weil sie weniger bekannt ist“ hatte Jänig im Vorfeld für das Konzept geworben.

Und damit recht behalten: Das Publikum ließ sich gerne verzaubern von der „großen Musik für große Räume“ (Jänig), die teilweise wirkte wie für St. Marien oder auch St. Nicolai komponiert.

Jänig und Engelbert, die neue Musikergeneration im lutherischen Lemgo, haben mit unwiderstehlicher Leichtigkeit alle kleineren und größeren Gräben auf unterschiedlichsten Gemeindebenen übersprungen.

Man darf gespannt sein, was künftig noch daraus erwachsen wird. Zumal die Musiker auch den anderen Gemeinden die Hand reichen. Nächstes Jahr, neues Spiel, neuer Name: Man wird sehen, wer bei der „Mixtour 2012“ dann zusätzlich dabei sein wird.

Uwe Rottkamp

Dieser Beitrag wurde am 17.10.2011 um 22.31 Uhr veröffentlicht.

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