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Strahlkraft des Gotteslobs

<b>Wer Gott lobt,</b> ist den Problemen der Welt nicht machtlos ausgeliefert, meint Präseskandidatin Annette Kurschus. Foto: Anke von Legat

Wer Gott lobt, ist den Problemen der Welt nicht machtlos ausgeliefert, meint Präseskandidatin Annette Kurschus. Foto: Anke von Legat

»Die Welt braucht uns, weil wir Gott loben.« Das meint Annette Kurschus, Superintendentin des Kirchenkreises Siegen und Kandidatin für die Nachfolge von Präses Buß.

Für sie ist das Gotteslob die »einzigartige Wurzel, aus der alles christliche Handeln seinen unerschütterlichen Antrieb empfängt«. Kurschus hielt am Montag (12.9.) in Bielefeld ihren Vorstellungsvortrag zum Thema »Gott loben, das ist unser Amt – Gotteslob und Weltverantwortung der Kirche«.

Gott zu loben sei nach biblischem Verständnis der Inbegriff des Lebens, sagte Kurschus. Erst lobende Menschen lebten wirklich, weil sie das Leben als unverdientes Geschenk begriffen. Das Lob mache widerstandsfähig gegen lebensfeindliche Mächte, gegen Resignation und verzagtes Verstummen. Es biete eine »heilsam verstörende Sicht«, die die Welt von den Christen brauche, so die 48-jährige Theologin.

Gott loben in der Gemeinschaft

Kurschus hob hervor, dass das Gotteslob von der Gemeinschaft lebe. Christinnen und Christen seien darin aufgehoben und nicht allein auf sich selbst gestellt; darum werde das Lob nicht verstummen.

Das Gotteslob zu verschweigen, hieße der Welt und ihrem Unrecht Recht geben, die Erde zu vernachlässigen und die Menschen gering zu achten, sagte die Theologin. Das Lob Gottes bedeute die Gewissheit, den Problemen des Lebens nicht machtlos ausgeliefert zu sein. Daher führt das Lob nach Ansicht Kurschus’ auch dazu, die Schöpfung zu schützen, sensibel zu sein für jede Form von sozialer Ungerechtigkeit und sich nicht abzufinden mit der »unerträglichen Spaltung der Weltbevölkerung in Arme und Reiche«.

Gotteslob strahlt in die Welt

»Eine Kirche, die das Lob Gottes stark macht, die also bei ihrem ureigenen Thema bleibt, hat eine Ausstrahlung, die in die Welt wirkt«, zeigte sich Kurschus überzeugt. Das Gotteslob der Kirche sei lebensnotwendig im wahrsten Sinne des Wortes.

Ernst und konzentriert wirkte Annette Kurschus während ihres Vortrags vor rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörern. Die Fragen aus dem Publikum beantwortete sie dann lockerer, dabei aber zielgenau – etwa die Frage, wie sie mit den Pietisten umgehe, die ihren Kirchenkreis in Siegen mitprägten.

Und die Pietisten?

Ein gutes Verhältnis habe sie zu ihnen, antwortete Kurschus. Die Betonung der Glaubensentscheidung des Einzelnen könne sie jedoch nicht nachvollziehen: »Dadurch wird doch alles, was Gott für uns Menschen getan hat, abhängig von meiner armseligen Entscheidung.« Dies spreche sie inzwischen auch deutlich aus, erklärte die Siegener Superintendentin.

Auf die Frage, wo sie als Präses ihre Schwerpunkte setzen wolle, hob Kurschus die Bedeutung der Verkündigung des Evangeliums hervor, die sie in den vielen verschiedenen Bereichen der Landeskirche fördern wolle. „Damit habe ich genug zu tun“, sagte sie abschließend.

Autorin: Anke von Legat

Dieser Beitrag wurde am 16.9.2011 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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