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Dankeschön für Dienst an Weihnachten

Präses besucht Feuerwehr und Krankenhaus

Präses Alfred Buß im Schwesternzimmer der Geriatrie im Paderborner St. Johannisstift. Fotos: EKvW

Präses Alfred Buß im Schwesternzimmer der Geriatrie im Paderborner St. Johannisstift. Fotos: EKvW

Sie arbeiten, wenn andere feiern. Sie sind da, wenn ihre Mitmenschen sie brauchen.

Schnell, zuverlässig und engagiert: die Einsatzkräfte der Paderborner Kreisleitstelle und die Mitarbeitenden des Evangelischen St. Johannisstifts. Bereits seit fünf Jahren besucht Präses Alfred Buß an Heiligabend verschiedene Berufsgruppen, die auch an den Feiertagen arbeiten müssen.

Nach Bielefeld, Minden, Dortmund und Münster führte seine Weihnachtstour den leitenden Theologen der viertgrößten evangelischen Landeskirche in diesem Jahr nach Paderborn.

Einmal ausdrücklich Dank sagen für eine gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit, die viel zu oft als ganz selbstverständlich betrachtet wird – das will Buß, wenn er an Heiligabend durch die Landeskirche zieht.

Aber auch zuhören und hinter die Kulissen blicken: „Jeder erwartet, dass im Notfall schnelle Hilfe kommt. Doch kaum einer fragt, wie’s funktioniert.“

Der Präses warnte vor einer Entsolidarisierung der Gesellschaft, in der jeder nur noch seine eigenen Interessen verfolge.

Gerade angesichts von Wirtschaftkrise, Klimawandel und steigender sozialer Kälte sei ein solidarisches Miteinander, in dem einer auf den anderen achte und füreinander da sei, unverzichtbar.

Seine Weihnachtsbotschaft: „Wir sind nicht allein. Gott kommt zu uns ins Elend (2. Mose 3,7ff.). Er erhellt unsere Dunkelheiten und begleitet uns auf unseren Wegen.“ Und mit Blick auf die Jahreslosung 2010: „Wir dürfen zuversichtlich in die Zukunft blicken, denn ‚Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!’ (Johannes 14,1).“

Über 100.000 Notrufe aus dem gesamten Kreisgebiet Paderborn und angrenzenden Kreisen gehen jährlich in der Leitstelle ein. Modernste Technik und ein engagiertes Team sind rund um die Uhr für die Menschen in der Region erreichbar.

Hier laufen die organisatorischen Fäden für Feuerwehr- und Rettungseinsätze, Krankentransporte und Flughafen-Brandschutz zusammen.

<b>Wo jeder Einsatz beginnt: </b>Präses Buß in der Leitstelle der Kreisfeuerwehrzentrale Paderborn.

Wo jeder Einsatz beginnt: Präses Buß in der Leitstelle der Kreisfeuerwehrzentrale Paderborn.

Immer gilt: „Der Bürger steht für uns an erster Stelle!“, sagt Dienststellenleiter Ulrich Hilkenbach, der an diesem Tag mit zwölf anderen Kollegen im Dienst ist. 24 Stunden lang. „Heiligabend ist auch für uns kein Tag wie jeder andere“, sagt er und nimmt den Präses mit in den gemütlichen Aufenthaltsraum.

In der Ecke steht ein großer, festlich geschmückter Tannenbaum, um den Tisch sitzt ein Teil der diensthabenden Kollegen, frühstückt und klönt. Später werden drei von ihnen das Heiligabend-Menü kochen: Filet in Kräuterrahm, Brokkoli und Blumenkohl, dazu Kartoffeln und Kroketten. Zum Nachtisch Herrencreme und Vanilleeis mit heißen Kirschen.

Ulrich Hilkenbach und Wachleiter Heinrich Stüker wissen, wie wichtig das kollegiale Miteinander, der Zusammenhalt in der Gruppe ist.

Wo im Ernstfall jeder Handgriff sitzen und sich der eine blind auf den anderen verlassen muss. Routinemäßige Arbeiten können heute schon mal warten, aber die Leitstelle ist immer mit mindestens zwei Kollegen besetzt – und kaum ertönt der Alarm, sind Rettungssanitäterin Kathrin Hoier und ihr Kollege Markus Gröbe auch schon auf dem Weg zum Rettungswagen.

Verdacht auf Schlaganfall, irgendwo in der Region, jede Minute zählt.

Unverzichtbare Notfallseelsorge Alfred Buß weiß, wie emotional belastend der Job sein kann und fragt nach der Notfallseelsorge. Will wissen, ob es unter den Kollegen bei der Feuerwehr nicht gelegentlich ein distanziertes „Was sollen wir denn bloß mit den Pfaffen?“ gebe.

Die Frage verneint Hilkenbach vehement. Die Notfallseelsorge, vor rund 15 Jahren von Pfarrerin Monika Dinger aufgebaut, sei inzwischen ein unverzichtbarer Teil der Arbeit. Sowohl für Angehörige und Augenzeugen als auch für die Einsatzkräfte.

Zwei von 20 Notfallseelsorgerinnen und -seelsorgern sind immer erreichbar.

Sie überbringen Todesnachrichten, trösten Betroffene und helfen, traumatische Ereignisse besser zu verarbeiten. Immer wieder gibt es Situationen, die auch hartgesottene Männer wie Ulrich Hilkenbach im Innersten treffen.

Bilder, die sich in die Köpfe von Feuerwehrleuten brennen, die schon vieles gesehen haben.

Weihnachten ist nie Routine. Immer wieder kommt es gerade an solchen Feiertagen auch zu Suiziden von Menschen, die die Einsamkeit nicht verkraften. Zu Zwangseinweisungen in die Psychiatrie.

Oder auch Krankenfahrten von Menschen, die das Fest im Krankenhaus verbringen müssen, weil sich zuhause niemand um sie kümmert, weil sie den Urlaubsplänen der Angehörigen in die Quere kommen. So genannte „Versorgungsfälle“.

Ein erschreckender gesellschaftlicher Trend, den später auch Jürgen Thau, der kaufmännische Direktor des Evangelischen Krankenhauses St. Johannisstift bestätigen muss. Einige Patienten haben weniger ein akutes medizinisches als vielmehr ein pflegerisches Problem.

Von den 208 Betten, die das kleinste der drei Paderborner Krankenhäuser hat, sind an diesem Tag 87 belegt. Alle Patienten, die die Feiertage über im Krankenhaus bleiben müssen, hat die Krankenhausleitung am Morgen bereits besucht.

Annegret Jäger ist stolz auf die ganz besondere, familiäre Atmosphäre des Hauses, die auch immer wieder von Patienten bescheinigt würde. Und auf die Identifizierung der Mitarbeitenden mit dem St. Johannisstift.

Viele von ihnen, so Jäger mit einem kleinen Augenzwinkern, seien schon jahrzehntelang im Dienst und würden den Ehrentitel „Stiftler“ tragen. Kurzum: Es ist das diakonische Profil, das das evangelische Krankenhaus auszeichnet und das auch Präses Alfred Buß bei seinem Rundgang und den Gesprächen mit den Mitarbeitenden spürt.

Anschließend geht es ins Schwesternzimmer der Gefäßklinik, dann noch auf die geriatrische Station.

Neben einem herzlichen Dank und guten Weihnachtswünschen bleibt auf jeder Station auch noch eine bunte Weihnachtstüte: mit Kaffee, Cappuccino und Tee, Plätzchen und Schokolade, Nüssen und Mangostreifen. Natürlich aus fairem Handel.

Quelle: EKvW

Dieser Beitrag wurde am 28.12.2009 um 11.13 Uhr veröffentlicht.

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