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Kirche wird zum Urnenfriedhof

<b>Das Kolumbarium</b> in der Grafik des Architekten. Foto: www.kolumbarium-soest.de

Das Kolumbarium in der Grafik des Architekten. Foto: www.kolumbarium-soest.de

Mit einem Gottesdienst ist am Samstag in Soest der erste Urnenfriedhof in einer evangelischen Kirche in Westfalen eröffnet worden.

Das sogenannte Kolumbarium bietet Platz für 672 Urnen in Einzel- und Doppelkammern. Die Urnenruhestätte, bestehend aus acht frei stehenden Stelen, befindet sich im hinteren Bereich der St. Paulikirche aus dem 14. Jahrhundert. Im vorderen Teil werden künftig weiter wöchentliche Gemeindegottesdienste, Taufen und Trauungen gefeiert.

Am Dienstag findet nach Angaben der Gemeinde bereits die erste Bestattung im Kolumbarium statt.

Die Idee, als »normaler Mensch« seine letzte Ruhe in einer Kirche zu finden, habe auch etwas von »Demokratisierung«, sagte der Soester Superintendent Hans König in seiner Predigt. Früher seien dort nur Mächtige und Wohlhabende beigesetzt worden, von denen manche eigens für den Zweck eine Kirche stifteten.

Der Baudirektor der westfälischen Landeskirche, Reinhard Miermeister, äußerte sich zuversichtlich, dass die Umgestaltung Maßstäbe weit über Soest hinaus setzen werde.

Durch die erweiterte Nutzung werde auch der zukünftige Bestand der St. Paulikirche gesichert.

»Ich bin überzeugt, dass das Kolumbarium ein Erfolg wird«, unterstrich Miermeister.

Der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß, hatte bereits vor der Eröffnung den Symbolcharakter des Projekts gewürdigt. Kirchen seien von Anfang an immer auch Orte der Totenruhe gewesen, hieß es in einer Erklärung.

»In Respekt vor der mittelalterlichen Architektur ist die Beisetzung von Urnen hier in würdiger Form gestaltet, während der gottesdienstliche Raum lebendig bleibt«, betonte Buß.

Die Gemeinde investierte den Angaben nach 600.000 Euro in den Umbau der Kirche. Mit den Einnahmen aus den Urnengräbern sollen die Baukosten und die Hälfte der Erhaltungskosten für die Paulikirche von 75.000 Euro jährlich finanziert werden.

Das Gotteshaus sei zuvor nur noch wenig genutzt worden.

Für die Gestaltung des Kolumbariums in der Paulikirche war den Angaben nach ein bundesweiter Wettbewerb für Architekten und Künstler ausgeschrieben worden. Durchgesetzt hat sich ein Entwurf des Soester Architekten Hannes Knickenberg.

Bundesweit gibt es weniger als zehn meist katholische Kirchen, die Urnen- oder Grabeskirchen umgewandelt worden sind, unter anderem Erfurt, Aachen, Marl und seit Februar dieses Jahres auch Mühlheim an der Ruhr.

Sie dienen allein als Bestattungs- und Gedenkraum. Weitere sind in Dortmund, Trier und Hannover geplant.

In Soest kostet eine Urnenkammer mit einem Grab gemäß Friedhofsatzung für 20 Jahre 2.700 Euro, für zwei Gräber das Doppelte. Dazu kommen Beisetzungskosten. Mit den Einnahmen wird die Hälfte der Bauerhaltungskosten für die Paulikirche von 75.000 Euro jährlich aufgefangen.

130 Anfragen gibt es für das Kolumbarium, auch überregional. »Meist sind es Menschen um 70 Jahre, die es eine wunderbare Idee finden, in einer Kirche beerdigt zu werden, in der regelmäßig Gottesdienste sind«, sagt Pfarrer Röger.

Auch spiele der Gedanke, es den Kindern mit der Grabpflege so ein einfach wie möglich zu machen, eine entscheidende Rolle.

Allgemein hätten Urnenbestattungen zugenommen, stellt Pastorenkollege Welck fest.

In Soest betrage ihr Anteil schon jetzt 30 Prozent. »In fünf Jahren erwarten wir hier ein Verhältnis von 50 zu 50.« Das entspricht dem bundesweiten Anteil an Feuerbestattungen, der nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Bestatter bei 46 Prozent liegt. epd

Internet: www.kolumbarium-soest.de

Dieser Beitrag wurde am 20.12.2009 um 14.08 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Tostefanz schrieb am 22.12.2009 20:21:

Für alle Beteiligten eine gute Sache!

denkglaub schrieb am 23.12.2009 21:49:

Und was geschieht mit den Urnen, wenn die 20 Jahre herum sind?
Das hat mir noch keiner erklären können.

Kolumbarien haben etwas reizvolles, aber die "letzte Ruhe" sind sie nicht. Eher die "vorletzte Ruhe".

denkglaub schrieb am 23.12.2009 21:57:

Ich lese gerade auf kolumbarium-soest.de:

Es gibt in dieser Kirche die "Ewige Ruhe": Ein in den Boden eingelassener Hohlraum, in den die Aschekapseln der Verstorbenen nach Ablauf der Ruhezeit gegeben werden. "Wer einmal in der St. Paulikirche beigesetzt ist, soll dauerhaft mit diesem Ort verbunden bleiben und auf ewig im Gotteshaus ruhen."

“Du bereitest vor mir einen Tisch und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.” (Psalm 23,5+6)

Das hört sich gut an.

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