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Präsesbericht

Kirche ist zuerst Gabe

<b>»Die Gesellschaft braucht</b> gemeinsame Impulse der Kirchen«: Präses Alfred Buß. Die Synodalen dankten ihm mit »standing ovations« Foto: gmh

»Die Gesellschaft braucht gemeinsame Impulse der Kirchen«: Präses Alfred Buß. Die Synodalen dankten ihm mit »standing ovations« Foto: gmh

Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen ist eine Gabe Gottes und entsteht durch das Wirken des Evangeliums. Auf dieses evangelische Kirchenverständnis wies Präses Alfred Buß in seinem letzten mündlichen Bericht vor der Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen hin.

Buß scheidet Ende Februar aus dem Amt; seine Nachfolge wird am 16. November von der Synode bestimmt.

Nicht das Petrusamt oder die Unterordnung unter den Papst seien für die Kirche grundlegend, sondern die neutestamentlichen Schriften, sagte Buß.

Eine größere Nähe zur katholischen Kirche sei wegen des unterschiedlichen Amtsverständnisses in absehbarer Zeit nicht wahrscheinlich, erklärte Buß, der Kritik übte an der katholischen Sicht, dass das evangelische Kirchen- und Amtsverständnis defizitär sei.

Der Präses betonte dennoch die Geschwisterlichkeit der verschiedenen Konfessionen.

»Selbst wenn wir unterschiedliche Akzente setzen, haben wir gemeinsam etwas zu sagen«, so Buß. Die Gesellschaft erwarte die Impulse der Kirchen, etwa ihr Eintreten für Arme, für die Menschenrechte und für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

In seiner Rede wies der Präses auch auf den Widerspruch von gelebter (sichtbarer) und bekannter (unsichtbarer) Kirche hin.

Mitten in aller Unvollkommenheit eröffne der Heilige Geist jedoch Perspektiven, sagte Buß, und verwies etwa auf die notwendigen Umstrukturierungen in Westfalen, in denen er »eine Bereicherung an Erkenntnissen, Pozentialen und Beziehungen« erlebt habe.

Zum Jahr der Taufe, zu dem im Laufe der Synodenwoche noch ein eigener Bericht vorgelegt wird, hob Buß die intensive theologische Beschäftigung mit der Taufe hervor, die durch den Jahresschwerpunkt angestoßen worden sei.

Taufe dürfe nicht nur als Feier der »Lebensgrundkraft« verstanden werden, sondern müsse auf die Lebensgemeinschaft mit Christus verweisen. »Sie ist erst dann beim Menschen angekommen, wenn sie im Getauften Glauben weckt«, so der leitende Theologe. Auch das Patenamt bedürfe einer präziseren Klärung.

Einen weiteren Abschnitt seiner Rede widmete Buß der Personalplanung für den Pfarrdienst. Er verwies auf Berechnungen, nach denen im Jahr 2030 nur noch rund 800 Pfarrerinnen und Pfarrer finanziert werden könnten.

So solle erreicht werden, dass die Aufwendungen für die Besoldung der Pfarrerinnen und Pfarrer bei unter 50 Prozent des Kirchensteueraufkommens gehalten würden.

»Das lässt Raum für andere Berufe, die in unserer Kirche notwendig sind«, erklärte der Präses.

Allerdings könne die Personalplanung in diesen Bereichen nicht zentral gesteuert werden, sondern sei Aufgabe der Kirchenkreise und Gemeinden. Zu den Aufgaben der Landeskirche gehöre dabei etwa eine Diskussion über Veränderungen im Pfarrbild und die Förderung des theologischen Nachwuchses.

Anke von Legat

Dieser Beitrag wurde am 14.11.2011 um 12.20 Uhr veröffentlicht.

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