»Gräber in der Ferne«
Zentraler Trauer-Gedenkort für Zuwanderer

Zentraler Ort des Gedenkens an Angehörige, deren Gräber unbekannt sind oder in weiter Ferne liegen: Schnell war das neue Denkmal mit Rosen und Kerzen bedeckt. Foto: Uwe Rottkamp
Die landesweit erste Trauer-Gedenkstätte für zugewanderte Menschen aus Ländern wie Russland und der Türkei ist im Lemgo eingeweiht worden.
Die nordrhein-westfälische Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) würdigte das Projekt als „Bürgerengagement mit Vorbildcharakter“ und lobte dabei besonders den interkulturellen, generationenübergreifenden Entstehungsprozess: »Ich hoffe, dass dieses Projekt in vielen Städten Nachahmer findet.«
Drei Jahre lang habe man intensiv über der Idee »Gräber in der Ferne« gerungen, sagte der Initiator und Pfarrer der evangelisch-lutherischen St.-Marien-Kirchengemeinde, Matthias Altevogt.
Mit dem Thema seien tiefe Emotionen verbunden.
Habe man zunächst nur an russlanddeutsche Zugezogene gedacht, so sei schnell klar geworden, dass es viele Menschen gibt, die keinen Ort die Trauer um Freunde und Angehörige haben – Vertriebene aus den deutschen Ostgebiete genauso wie beispielsweise türkische Mitbürger oder auch Studenten aus dem Ausland.
Der Detmolder Kirchenrat Tobias Treseler unterstrich, dass die Würde der Verstorbenen mit diesem Denkmal eine neue Achtung erfahre.
Zugleich wünschte er sich eine kritische Kultur der Erinnerung, die auch das Leid des anderen sehe und anerkenne: »Es wäre schön, wenn von der Gedenkstätte auch solche Impulse ausgingen.«
Nach der feierlichen Enthüllung nutzen zahlreiche Menschen diese erste Gelegenheit, um Kerzen und Blumen auf dem knapp ein Meter hohen Steindenkmal abzulegen.
Das von der Lemgoer Bildhauerin Carolin Engels entworfene Objekt aus vier einander gesteckten Steinplatten ist mit farblich verschiedenen Häusersymbolen versehen, die für Familie, Geborgenheit und Schutz stehen.

Erde zu Erde: Kirchenrat Tobias Treseler (rechts) und Marien-Pfarrer Matthias Altevogt geben Erde von ihren persönlichen Gedenkorten in die dafür vorgesehene Öffnung.
In den Stein gehauene Nischen bieten Platz für Kerzen und Blumen.
In einer Bodenplatte befindet sich eine Öffnung, in die Heimaterde geworfen werden kann.
Getragen wird das vor drei Jahren gestarteten Projekt von einem Kreis aus evangelischen, freikirchlichen und katholischen Gemeinden sowie Migrantenvereinen und Institutionen der Stadt. Die Kosten in Höhe von 11.500 Euro seien allein durch Spenden finanziert worden. rot
Dieser Beitrag wurde am 11.7.2011 um 09.06 Uhr veröffentlicht.
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