Lippische Synode
Strukturprozess soll Selbstständigkeit erhalten
Die Lippische Landeskirche hat die Weichen für weitere Strukturreformen gestellt, um auch in Zukunft selbstständig bleiben zu können.
Die Landessynode, die am Dienstag ihre zweitägige Beratung in Lage beendete, verabschiedete den Haushalt und beschloss weitere Einsparungen. So wird das landeskirchliche Tagungshaus in Lage-Stapelage bis zum 1. Juni 2010 aufgegeben. Die Theologische Bibliothek wird mit der Lippischen Landesbibliothek fusioniert.
Ein drohender Pfarrermangel in zwanzig Jahren soll durch Neueinstellungen in den nächsten Jahren abgewendet werden.
Um langfristig die Versorgung mit Pfarrern zu sichern, sollen pro Jahr eine Pfarrerin oder ein Pfarrer eingestellt werden. Das schlägt ein Konzept zur Personalentwicklung vor, das der Lippische Landessuperintendent Martin Dutzmann am Dienstag als Entwurf vorstellte.
»Verrückt«: Sparen und Einstellen
In 20 Jahren sei mit einem Mangel an Pfarrern zu rechnen, erklärte Dutzmann. Bis zum Jahr 2012 müssten die Pfarrstellen zunächst weiter reduziert werden, um das Sparziel zu erreichen. In zehn bis 20 Jahren würden jedoch viele Pfarrer in den Ruhestand gehen. Das soll durch Neueinstellungen aufgefangen werden.
»Es ist schon etwas verrückt - aber wir müssen beides tun: Sparen und abbauen und neu einstellen, damit wir nicht plötzlich ohne Pfarrer dastehen, wenn ein Pensionierungsschub ins Haus steht«, sagte Dutzmann. Ursache seit die Tatsache, dass in den 90-er Jahren viele Pfarrer eingestellt wurden - zu viele, wie man heute weiß.
Konzept geht jetzt in die Diskussion
Das Konzept soll zunächst in den Kirchenkreisen, den »Klassen«, diskutiert werden. Danach werde das Kirchenparlament darüber entscheiden.
Das Kirchenparlament verabschiedete am Dienstag den Haushalt für das Jahr 2010 in Höhe von 37 Millionen Euro.
Steuereinnahmen sinken um 15 Prozent
Die Wirtschafts- und Finanzkrise wirke sich auch auf die kirchlichen Einnahmen aus, erklärte der Juristische Kirchenrat Arno Schilberg. Schätzungen zufolge sinken die Kirchensteuereinnahmen innerhalb von zwei Jahren um rund 15 Prozent gegenüber 2008.
Für das Jahr 2010 erwarte Schilberg rund 28 Millionen Euro an Kirchensteuern. Im vergangenen Jahr seien es noch rund 33 Millionen Euro gewesen. Aus Rücklagen müssen für den Haushalt 2010 laut dem Juristischen Kirchenrat Arno Schilberg voraussichtlich drei Millionen Euro zugeschossen werden.
Tagungshaus Stapelage wird verkauft
Das landeskirchliche Tagungshaus Stapelage soll bis zum Sommer nächsten Jahres verkauft werden. Gründe sind wachsende Verluste durch hohe Kosten und eine geringe Auslastung. Anstehende Sanierungen würden zudem bis zu eine Million Euro kosten, hieß es.
Die Auslastung betrage dagegen im Durchschnitt lediglich 30 Prozent. Die Mitarbeiter sollen zum großen Teil von der Landeskirche übernommen werden.
Bibliothek soll fusionieren
Die Theologische Bibliothek der Landeskirche soll mit der Lippischen Landesbibliothek fusionieren. Damit entstehe ein Bibliothekszentrum, das sich aus Lippischer Landesbibliothek, der Landeskirchlichen Bibliothek und den Bibliotheken der Hochschule für Musik zusammensetze, erläuterte der Superintendent Andreas Lange.
Mit der Zusammenlegung sei die Pflege der Bestände gesichert, außerdem werde der Service durch längere Öffnungszeiten verbessert.
Soziale Gerechtigkeit anmahnen
In seinem Bericht hob Landessuperintendent Dutzmann den Auftrag der Kirche hervor, sich für eine sozial gerechte und umweltverträgliche Zukunft einzusetzen. Besonders gegen die zunehmende Armut in der Gesellschaft müsse die Kirche ihre Stimme erheben, aber auch selbst aktiv werden.
Die Kirche müsse sich zudem für Bildungsgerechtigkeit und Klimaschutz einsetzen. Das Kirchenparlament sprach sich dafür aus, in den nächsten zwei Jahren ein Klimaschutzkonzept für Landeskirche und Gemeinden zu entwickeln. Die Mittel dafür sollen überwiegend aus dem Förderprogramm der nationalen Klimaschutzinitiative kommen.
Arbeitsfelder nach Sparmöglichkeiten durchforsten
Auf der Sommersynode im Juni sollen neue Konzepte und Einsparungen für das Diakonische Werk, das Landeskirchenamt und die Öffentlichkeitsarbeit verhandelt werden.
Außerdem soll unter dem Thema »Gemeinsam Kirche sein« darüber debattiert werden, welche Arbeitsbereiche der Kirche neben der Ortsgemeinde notwendig seien, kündigte Landessuperintendent Dutzmann an. epd/rot
Dieser Beitrag wurde am 24.11.2009 um 12.24 Uhr veröffentlicht.
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