Lippische Synode
Schuld und Vergebung

Klasse Horn: Dieser Platz wird in der Lippischen Landessynode ab sofort unbesetzt bleiben. Fotos: gmh
Das dürfte die kürzeste Synodaltagung der Geschichte gewesen sein.
Nach genau einer Stunde waren am heutigen Samstagvormittag die 53 anwesenden Mitglieder der Synode der Lippischen Landeskirche ans Ende ihres zweiten Sitzungstages und damit ihrer Landessynodaltagung angelangt.
Samstagvormittag, neun Uhr. Landessynodale Bärbel Janssen eröffnet den zweiten Sitzungstag der Synode mit einer Andacht.
Sie spricht von Verletzungen, die man im Laufe seines Lebens erfährt, von Schuld, die jeder Mensch auf sich nimmt - und von der Vergebung aus dem Glauben, von der die Christinnen und Christen leben.
Da dürfte jeder im Sitzungssaal des Gemeindezentrums St. Johann in Lemgo an den gestrigen Sitzungstag denken, als die Synodalen die Auflösung der Klasse (entspricht in anderen Landeskirchen etwa einem Kirchenkreis) Horn beschlossen haben.
Zwar soll in den kommenden Jahren ohnehin über Auflösung und Zusammenlegung der sieben Klassen reformierten Bekenntnisses in der Lippischen Landeskirche verhandelt werden - lediglich die einzig lutherische Klasse bekam von den Synodalen eine Bestandsgarantie.
Dass aber die Klasse Horn nun vorgezogen aufgelöst und ihre Kirchengemeinden auf die Nachbarklassen Blomberg und Detmold verteilt werden, hat einen delikaten Hintergrund: der jahrelange Streit in der Kirchengemeinde Schlangen.
Die Auseinandersetzungen waren eskaliert, der dienstvorgesetzte Superintendent der übergeordneten Klasse Horn wurde bei den Schlichtungsbemühungen nicht mehr von allen Beteiligten anerkannt: Er war gleichzeitig auch einer der Pfarrer in der Kirchengemeinde Schlangen.
Monatelanges Ringen, Bemühungen von allen Seiten inklusive der Kirchenleitung um Landessuperintendent Martin Dutzmann erwiesen sich als fruchtlos.
So erschien den Landessynodalen jetzt die Auflösung der Klasse Horn offenbar wie das Durchschlagen eines Gordischen Knotens: Schlangen wird dem Kirchenkreis Blomberg zugeordnet, die Dienstaufsicht wird zum Teil - eine kleine Sensation in der basisdemokratisch orientierten Lippischen Landeskirche - auf den Landeskirchenrat in Detmold übertragen.
Zwist, Ringen, Streit, sogar Tränen - und trotzdem eine historisch kurze Synodaltagung?
Die Sachargumente waren alle schon am ersten Sitzungstag ausgetauscht worden, die Synodalen arbeiteten konzentriert und diszipliniert ihr Tagungsgprogramm ab. Strukturreform. Verwaltungsgesetze. Personalia. Als Horn - und damit die Kirchengemeinde Schlangen - zur Abstimmung kam, gab noch mal ein kurzes Aufbäumen, vier Synodale der Klasse Horn sträubten sich gegen die vorzeitige Auflösung. Sie hätten die Neuaufteilung lieber im Rahmen der allgemeinen Strukturreform der Lippischen Landeskirche im nächsten Jahr gehabt - die dann allerdings erst 2015 greifen würde.
Dann signalisierte die ganz überwiegende Mehrheit der Synode aber: Wir wollen den Schnitt. Jetzt.
So brauchten die Synodalen dann auch kaum mehr die Zeitreserve, die mit dem zweiten Verhandlungstag einkalkuliert worden war. Andacht, Begrüßung, Abstimmungen. Nach exakt einer Stunde konnte Präses Michael Stadermann als Tagungsleiter die Sitzung beschließen.
Die Andacht werden die Synodalen wohl mit auf den Weg nehmen.
gmh
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Dieser Beitrag wurde am 2.7.2011 um 10.55 Uhr veröffentlicht.
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