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Synode sucht nach neuen Wegen

Pfarrdienst verbraucht ein Drittel der Kirchensteuer

<b>»Die Zahl der Pfarrstellen muss weiter gesenkt werden«:</b> Landessuperintendent Martin Dutzmann. Foto: UK-Archiv/Rottkamp

»Die Zahl der Pfarrstellen muss weiter gesenkt werden«: Landessuperintendent Martin Dutzmann. Foto: UK-Archiv/Rottkamp

Die Lippische Landeskirche will dafür Sorge tragen, dass auch in Zukunft in ihr nicht nur Pfarrerinnen und Pfarrer arbeiten.

Der stetig wachsende Anteil von Gehalt und Ruhestandsbezügen für Theologinnen und Theologen am Gesamt-Kirchensteuer-aufkommen müsse begrenzt werden, sagte Landessuperintendent Martin Dutzmann am Freitag in Detmold. Dazu müssten die Anzahl der Pfarrstellen weiter gesenkt werden, und das Alter für den Eintritt in den Ruhestand müsse angehoben werden.

Außerdem müsse die Ruhestandverso-gungskasse so weit aufgefüllt werden, dass sie sich langfristig weitgehend aus Zinserträgen finanziere.

Dutzmann und weitere Mitglieder der lippischen Kirchenleitung stellten sich im Vorfeld der Landessynode den Fragen von Journalisten. Die Synode tagt vom 21. bis 22. November in Detmold.

„Kirchlicher Dienst ist nicht allein Pfarrdienst“, unterstrich Dutzmann.

Die Kirche müsse sicherstellen, dass in ihr auch weiterhin etwa Jugendarbeit, Küsterdienst, Kirchenmusik oder Sozialdienste einen Platz haben.

Gegenwärtig werden etwa 7,9 Millionen Euro pro Jahr für den Gemeindepfarrdienst aufgewendet, das sind gut 27 Prozent des für 2012 geschätzten Gesamtkirchensteueraufkommens in der Lippischen Landeskirche von 29 Millionen Euro.

Weitere 2,3 Millionen Euro gehen an den sogenannten Funktiondienst, das sind Pfarrstellen, die nicht im Gemeindebereich angesiedelt sind. Gut ein Drittel jedes Kirchensteuer-Euros wird also für den Pfarrer oder die Pfarrerin ausgegeben. Tendenz: steigend.

Dabei sind es vor allem die Versorgungsbezüge, die stark zu Buche schlagen, also die Pensionen für Ruhestandspfarrer.

„Es sind Fehler gemacht worden“, sagt Arno Schilberg, juristischer Kirchenrat und Finanzchef der Lippischen Landeskirche. „Wir hätten eher anfangen müssen, Geld für die Versorgung der Ruhestandspfarrer zurückzulegen.“

Bereits in den 80er-Jahren hätte man genauere versicherungsmathematische Überlegungen anstellen müssen.

Schilberg: „Pfarrer und ihre Frauen leben länger als der Durchschnitt der Bevölkerung.“ Sie beziehen somit auch länger Ruhestandsbezüge. „Das ist damals nicht berücksichtigt worden“, so Schillberg.

Auf der anderen Seite sinkt die Zahl der Kirchenmitglieder und damit auch das Kirchensteueraufkommen kontinuierlich.

Auch wenn die Steuereinnahmen für 2012 voraussichtlich unerwartet auf dem Niveau des Vorjahres bleiben werden (Schilberg: „Eine Folge des gegenwärtigen Konjunkturaufschwungs und der erfreulich niedrigen Arbeitslosigkeit“), müsse doch langfristig mit einem Rückgang von mindestens einem Prozent pro Jahr gerechnet werden.

Für 2030 prophezeien die Hochrechnungen Einnahmen von nur noch 20 Millionen Euro statt aktuell 29 Millionen für die Lippische Landeskirche.

Deshalb soll die Zahl der Pfarrstellen weiter reduziert werden. Statt gegenwärtig 85 Pfarrstellen (2006: 105) wolle man bis 2012 nur noch 78 vorhalten.

Ab 2013 will die Landeskirche dann aber wieder neue Pfarrerinnen und Pfarrer einstellen – weil sonst eine Überalterung drohe.

Im Pfarramt fehle die Jugend. „Die Lage ist besorgniserregend“, so Dutzmann.

Deshalb will die Landeskirche in zwei Jahren auch wieder ihre Grenzen für junge Theologinnen und Theologen aus anderen Landeskirchen öffnen.

Mit den Finanzen und dem Pfarrdienstrecht werden sich die 52 Synodalen bei ihrer Tagung vom 21. bis 22.11. in Detmold beschäftigen.

Weitere Themen sind

  • Zusammenlegungen von Klassen (Kirchenkreisen),
  • das Seelsorgegeheimnisgesetz,
  • die Überführung des Evangelischen Beratungszentrums und der Evangelischen Familienbildung vom Diakonischen Werk in die Landeskirche (Kirchenrat: Tobias Treseler: „Das Diakonische Werk zieht sich zunehmend aus der operativen Ebene zurück und will sich in Zukunft nur noch als Dachverband verstehen. Die Landeskirche möchte diese Arbeitsbereiche aber erhalten.“),
  • sowie der Bericht des Landeskirchenrats.

Die Lippische Landeskirche hat rund 181.000 Gemeindeglieder in 69 Gemeinden; davon sind 58 refomiert, zehn lutherisch und eine vereint „evangelisch“, gegliedert in sechs reformierten und einer lutherischen Klasse.

Die Landessynode ist das höchste beschlussgebende Organ der Lippischen Landeskirche. gmh

Dieser Beitrag wurde am 11.11.2011 um 14.34 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
MA schrieb am 17.11.2011 18:10:

Im Pfarramt fehlt die Jugend - wer will sich denn bei dieser Situation noch bewerben.

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