Lippische Landessynode
Pfarrberuf-Planungen sollen an Tabus rütteln
Der Lippische Landessuperintendent Martin Dutzmann hat Reformen für den Pfarrerberuf angekündigt.
Ziel müsse sein, in 20 Jahren die Versorgung mit Pfarrern sicherzustellen, sagte Dutzmann vor der Synode in Stapelage. Ein Entwurf zur Personalplanung plädiere für „maßvolle Neueinstellungen“ ab dem Jahr 2013.
Derzeit gibt es in der fünftkleinsten deutschen Landeskirche noch rund 90 Pfarrstellen, bis zum Jahr 2012 sollen sie wegen sinkender Mitgliederzahlen auf 78 reduziert werden.
Pfarrberuf-Planungen rühren auch an bisherigen Tabus
Die Planungen über die Entwicklung des Pfarrberufs rührten auch an verschiedene Tabus, sagte der Theologe. So werde erwogen, die Eignung für den Pfarrdienst nicht allein über theologische Prüfungen, sondern auch über ein gesondertes Verfahren festzustellen.
Bei Pfarrern, die trotz sinkender Mitgliederzahlen Zusatzaufträge verweigerten, solle das Dienstrecht stärker als bislang angewendet werden. Das sei für eine gerechte Verteilung der Lasten unumgänglich.
Für Schöpfungsbewahrung und Gerechtigkeit
Dutzmann hob in seinem Bericht den Auftrag der Kirche hervor, sich für eine sozial gerechte und umweltverträgliche Zukunft einzusetzen. Es dürfe nicht sein, dass Menschen zwar den ganzen Tag arbeiteten, vom Ertrag dieser Arbeit aber nicht leben könnten.
Er kritisierte, dass beispielsweise Familien oder Migranten ein überdurchschnittlich hohes Armutsrisiko hätten. „Es darf nicht sein, dass in unserer Gesellschaft Armut eine Erbkrankheit ist“, betonte Dutzmann. Die Kirche müsse sich zudem für Bildungsgerechtigkeit und Klimaschutz einsetzen.
Jahresthema 2010
Unter dem Jahresthema 2010 „…und vergib uns unsere Schuld“ soll im kommenden Jahr das Thema Schuld und Vergebung in den Mittelpunkt gestellt werden. Immer öfter sei in Politik und Gesellschaft die Tendenz zu beobachten, Unglücke allein durch die Suche nach einem Schuldigen bewältigen zu wollen.
Als Beispiel nannte Dutzmann den Suizid von Nationaltorhüter Robert Enke. „Wahrscheinlich meinen wir Menschen, Katastrophen in den Griff bekommen und Lebensrisiken ausschließen zu können, wenn wir nur Verantwortliche benennen können“, sagte Dutzmann. Christen wüssten jedoch, dass kein Leben ohne Risiko und Schuld sei.
Afghanistan: Schuld für Luftangriff-Opfer schnell dem Offizier zuegschoben
Auch in der Debatte über den deutschen Bundeswehr-Oberst, der in Afghanistan einen Luftangriff auf entführte Tanklastzüge befohlen hatte, sei die Schuld sehr schnell dem Offizier zugeschoben worden.
Damit sei jedoch davon abgelenkt worden, dass die Ziele des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan immer noch nicht präzise genug beschrieben worden seien, kritisierte Dutzmann, der im Nebenamt auch Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. epd
Dieser Beitrag wurde am 23.11.2009 um 15.05 Uhr veröffentlicht.
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