Lippische Landessynode
Kirche muss sich um Außenstehende bemühen

Kirche muss um zentrale Werte mitdiskutieren: Marek Idzdebski, Bischof der evangelisch-reformierten polnischen Kirche, vor der Synode. Foto: Uwe Rottkamp
Nach Auffassung des Theologen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thies Gundlach, muss sich die Kirche mit speziellen Angeboten mehr um Menschen außerhalb der traditionellen Gemeinde bemühen.
Gottesdienste seien wichtig, immer häufiger bleibe die Gemeinde jedoch unter sich, sagte der Oberkirchenrat vor der Synode der Lippischen Landeskirche in Stapelage. Bischöfe der evangelisch-reformierten Partnerkirchen in Polen und Ungarn sprachen sich dafür aus, dass sich Kirchen stärker aus christlich-ethischer Perspektive an aktuellen Themen der Gesellschaft beteiligen.
»Wir sind eine hochtourige Kirche geworden«
Der Theologe Gundlach warnte davor, als Kirche allein auf die Kirche vor Ort zu setzen. Dann blieben keine Ressourcen dafür, neue Wege zu beschreiten, sagte er. »Wir sind eine hochtourige Kirche geworden, die viele unterschiedliche Erwartungen zu bedienen versucht«, erklärte er.
Dennoch nehme die Zahl der Menschen zu, die sich von der Kirche abwenden. Eine Struktur mit Gemeinden vor Ort erreiche zunehmend nur noch ganz bestimmte Milieus. Ortsgemeinden sollten als Profilgemeinden stärker mit einer klaren Gesamtstrategie gestaltet werden. Nötig seien auch »situative Gemeinden« ohne dauerhafte Bindung mit Stadtkirchen, Posaunenfesten und Kulturevents.
Auch in der Fläche präsent bleiben
Der Kirchenpräsident der anhaltischen Kirchen, Joachim Liebig, betonte für den Osten Deutschlands die Notwendigkeit von Kirchen vor Ort zu sein. Viele Menschen dort hätten vergessen, dass sie Gott vergessen hätten. Deshalb bleibe es Aufgabe der Kirche, in der Fläche präsent zu bleiben.
Der Bischof der evangelisch-reformierten Kirche in Ungarn, Gustáv Bölcskei, betonte den Stellenwert von Diakonie und Mission für die Kirche. »Es muss spürbar bleiben, dass wir das Evangelium verkünden«, unterstrich der ungarische Bischof.
Der Bischof der evangelisch-reformierten polnischen Kirche, Marek Idzdebski, betonte die Erwartung der Gesellschaft an die Kirche, stärker aus ethischer Perspektive auf aktuelle Fragen der Gesellschaft zu antworten. Die Kirche müsse sich zudem dort in der Gesellschaft engagieren, wo es um zentrale Werte gehe.
Präses Buß wirbt für mehr gemeinsame Projekte
Der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß, sprach sich für mehr gemeinsame Projekte zwischen den Landeskirchen aus. Als positives Beispiel nannte Buß die künftige gemeinsame Ausbildung und Fortbildung von Theologen der westfälischen, rheinischen, lippischen sowie der evangelisch-reformierten Kirche.
Die Ausbildung zum Pfarrer werde künftig an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal konzentriert, die Fortbildung von Pfarrern im Pastoralkolleg in Schwerte, erläuterte Buß in seinem Grußwort. Der leitende Theologe der viertgrößten Landeskirche warb für ein gemeinsames Taufprojekt von westfälischer, rheinischer und lippischer Kirche.
Perspektiven für die Landeskirche
Das Kirchenparlament will bis heute nachmittag unter anderem darüber beraten, wie die fünftkleinste Landeskirche angesichts einer älter werdenden Gesellschaft und zurückgehender Einnahmen ihren Auftrag weiterhin erfüllen kann.
Das Hauptthema ist Teil des Prozesses »Perspektiven für ein Jahrzehnt entwickeln«, mit dem die 190.000 Mitglieder zählende EKD-Gliedkirche zukunftssicher gemacht werden soll. Landessuperintendent Martin Dutzmann will das Kirchenparlament am Samstag über den Stand des Strukturprozesses informieren. epd
Dieser Beitrag wurde am 20.6.2009 um 12.27 Uhr veröffentlicht.
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