Gedenkstätte für Zugezogene
»Gräber in der Ferne«

Hier soll Platz und Raum sein für das Gedenken: Pfarrer Matthias Altevogt auf dem Friedhof an der Rintelner Straße. Foto: Uwe Rottkamp
In Lemgo soll eine Gedenkstätte für Menschen eingerichtet werden, die ihre Heimat verlassen haben.
Sie kommen mitunter von weit her, haben unterschiedlichste Familiengeschichten und oft mit ihrer Heimat auch ihre Toten zurückgelassen. Zehn Prozent der Christen in Lemgo sind beispielsweise Russlanddeutsche, in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Marien sind es sogar sogar 16 Prozent. „500 Menschen – ein Viertel eines Pfarrbezirks“, weiß Marien-Pfarrer Matthias Altevogt.
Er hat bei Besuchen und Gesprächen erfahren, dass in diesen Familien oft eine Trauer ist die doch keinen Platz findet, um sich auszudrücken.
Seine Idee deshalb: in Lemgo einen Ort schaffen, an dem man trauern kann um liebe Angehörige, die weit entfernt begraben liegen oder deren Grab unbekannt ist. „Gräber in der Ferne – Russlanddeutsche für Lemgo“ hat er das Projekt überschrieben.
Jetzt nimmt es Gestalt an: Nach vielen intensiven Gesprächen mit katholischen und evangelische Kirchengemeinden, russlanddeutschen Freikirchen, Landsmannschaften und Vereinen, in denen Russlanddeutsche organisiert sind, soll die Gedenkstätte auf dem Friedhof Rintelner Straße entstehen.
Die Stadt hat dem Projekt dafür eine zentrale Stelle unweit der Kapelle zur Verfügung gestellt.
Ein Arbeitskreis bereitet das Projekt seit einem Jahr vor, seit Februar läuft ein Gestaltungs-Wettbewerb. „Nicht nur Russlanddeutsche haben Gräber in der Ferne. Deshalb verstehen wir diesen Gedenk-Ort als ein Geschenk an alle Bewohner der Stadt, die ihn zum persönlichen stillen Gedenken und Trauer nutzen möchten“, erläutert Altevogt.
Auch das Abstellen von Blumen oder Kerzen soll möglich sein, ebenso das Ausrichten öffentlicher Gedenkveranstaltungen.
Das Denkmal soll folgenden Text darstellen:
Für unsere Lieben
Umgekommen in der Fremde
Gestorben in der alten Heimat
Ihre Gräber sind fern oder unbekannt
Hier wollen wir ihrer gedenken
Fasse meine Tränen in deinen Krug.
Ohne Zweifel, du zählst sie
Ansonsten sind die Künstler in der Gestaltung der Anlage frei; lediglich die Friedhofssatzung muss beachtet werden. Die Kosten sollen 10.000 Euro nicht überschreiten. Die Einweihung des Denkmals ist für Mitte 2011 vorgesehen. rot
Dieser Beitrag wurde am 10.2.2010 um 08.24 Uhr veröffentlicht.
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