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Erstes Trau-Fest: Hochzeitsglocken für die ganze Stadt

<b>Im »Steinernen Saal« im Herzen Lemgos:</b> Pfarrer Rolf-Joachim Krohn-Grimberghe wirbt für das für Fronleichnam 2012 geplante Trau-Fest. Foto: Uwe Rottkamp

Im »Steinernen Saal« im Herzen Lemgos: Pfarrer Rolf-Joachim Krohn-Grimberghe wirbt für das für Fronleichnam 2012 geplante Trau-Fest. Foto: Uwe Rottkamp

Nach dem ersten nordrhein-westfälischen Tauffest im vergangenen Jahr soll in Lemgo 2012 mit dem ersten Trau-Fest erneut eine Premiere stattfinden.

„Wir laden alle Paare ein, sich am 7. Juni 2012 (Fronleichnam) in einem großen Fest auf dem Lemgoer Marktplatz kirchlich trauen zu lassen“, kündigte Pfarrer Rolf-Joachim Krohn-Grimberghe in Lemgo an. Die ökumenisch geplante Feier aller Lemgoer Kirchengemeinden soll auf dem traditionellen Marktplatz, dem „Steinernen Saal“, beginnen.

Die eigentlichen Trau-Zeremonien sollen in den jeweiligen Gotteshäusern stattfinden, bevor sich die Traugesellschaften anschließend wieder auf dem Marktplatz zur professionell organisierten Feier einfinden, erläuterte der Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Nicolai.

Wieder ohne die Heilig-Geist-Gemeinde?

Die eher deprimierende Nachricht vor allem für die kathlolischen Christen in Lemgo: Das erzbischöfliche Generalvikariat in Paderborn hat die katholischen Heilig-Geist-Gemeinde die Teilnahme untersagt. „Ich bedauere das sehr“, urteilte Krohn-Grimberghe mit Blick auf den kurzfristig leer gebliebenen Platz seines katholischen Amtsbruders bei der Pressekonferenz.

„Ich denke, dass viele Menschen an der Basis wenig Verständnis für solche Entscheidungen haben“, so der Nicolai-Pfarrer weiter. Vor allem deshalb, weil man im Vorfeld mit der katholischen Gemeinde die Planung abgestimmt und geprüft habe.

Als Grund sei unter anderem genannt worden, dass der katholischen Kirche wegen des anderen Trauverständnisses der evangelischen Kirche die Teilnahme unmöglich sei.

Hintergrund sei offenbar, dass die katholische Kirche die Trauung wiederverheirateter Paare nicht zulässt. Krohn-Grimberghe: „Weil die eigentliche Zeremonie ja in den jeweiligen Gemeindekirchen stattfinden soll, erscheint uns das schon etwas konstruiert.“

Einspruch über das Ökumenische Institut

Möglicherweise habe man aber auch Angst vor einem neuerliche Präzedenzfall. Beim Tauffest habe das Erzbistum die Absage damit begründet, dass der Ort der Taufen am Schloss Brake nicht „heilig“ sei.

„Andererseits wurde dann etwas später bei einem ökumenischen Tauffest in Arnsberg offenbar doch eine Lösung gefunden, die das ökumensiche Mitarbeinander ermöglichte.“ Insofern hofft der Nicolai-Pfarrer, dass der Einspruch der Heilig-Geist-Gemeinde beim erzbischöflichen Ökumenischen Institut in Paderborn doch noch zu einer Lösung führen kann.

Beginn um 14 Uhr im „Steinernen Saal“

Das Traufest soll um 14 Uhr auf dem Lemgoer Marktplatz, dem „Steinernen Saal“, mit einem gemeinsamen Gottesdienstteil beginnen. Nach etwa einer halben Stunde sollen die Traugesellschaften in die zugehörigen Kirchen gehen, wo der jeweilige Pfarrer die Trauungen vornimmt. „Damit ist der festliche Rahmen vor dem Altar gewährleistet.“

Nach etwa einer weiteren Stunde sollen sich alle Paare und Gäste wieder auf dem Marktplatz einfinden, wo ein professionelles Programm geboten wird – inklusive riesiger Hochzeitstorte, Musik, Sekt, unterhaltsamem Bühnenprogramm und Catering. „Ein Alkoholverbot wird es dabei sicher nicht geben“, schmunzelt Krohn-Grimberghe.

Für den Transport wollen die Veranstalter Kutschen und andere Hochzeitsfahrzeuge zur Verfügung stellen.

Eine besondere Kleiderordnung wird nicht vorgeschrieben sein: Ob Jeans oder „Traum in Weiß“ – alles ist möglich.

„Der Bedarf ist da“

Der Bedarf für ein solches Traufest ist nach Erkenntnissen des Nicolai-Pfarrers da: „Es gibt viele Paare, die zwar standesamtlich geheiratet, die kirchliche Trauung aber aus verschiedensten Gründen verpasst haben. Beispielsweise Studenten, die die Feier später nachholen wollten, oder auch junge Paare, denen die Feier zunächst zu teuer war.“

Hannelore Kraft soll die Trauansprache halten

Ein besonderes Bonbon soll die Trauansprache sein: Dazu wurde über die Lippische Landeskirche die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft angefragt. Krohn-Grimberghe: „Frau Kraft gilt ja als kirchennah, und in einer TV-Sendung hat sie neulich geäußert, dass im kommenden Jahr ihr vor 20 Jahren gegebenes ‚Eheversprechen‘ auslaufe und sie darüber nachdenke, dies im Rahmen einer kirchlichen Heirat zu erneuern. Da würde unser Tauffest ja prima passen…“

Um möglichst viele potenzielle Paare anzusprechen, sollen in nächster Zeit die kirchlichen Mitgliederkarteien durchforstet werden.

Was nicht ganz so einfach ist, vor allem bei zugezogenen Paaren.

Die Teilnahme soll insgesamt allerdings auf Paare beschränkt bleiben, die „einen Bezug“ zu Lemgo haben: „Einen Trau-Tourismus möchten wird in jedem Fall verhindern.“

Finanzierung durch Sponsoren und Spenden

Nach Krohn-Grimberghes Recherchen hat ein solches Traufest bisher nur im niedersächsischen Kirchenkreis Loccum stattgefunden. Zur Finanzierung des Fests mit Musik und professionellem Catering hoffe er auf Sponsoren und Spenden. rot

Dieser Beitrag wurde am 21.6.2011 um 08.33 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Schallblech schrieb am 21.06.2011 09:30:

Besser spät als nie...
Schade, daß die katholische Kirche nicht teilnimmt. Wenn Trauung nach katholischem Verständnis nicht möglich ist (Trauung ist im Gegensatz zur evangelischen Kirche katholisches Sakrament), dann könnte man sich ja wenigstens auf eine Segnung der katholischen Paare verständigen.

Daß eine Politikerin, noch dazu aus der ersten Reihe, und dann noch eine Kraftilanti, die Ansprache halten soll, gefällt mir garnicht. Das hat für mich einen Ruch von Parteienwerbung, so nach dem Motto: Sie kriegt zwar nichts auf die Reihe, kokettiert mit einer verfassungsfeindlichen, mehrheitlich atheistischen Partei herum, aber sie kann schöne Ansprachen halten....

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