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Kirchenvorstandswahlen

Die Qual mit den Kandidaten

<b>St. Nicolai Lemgo</b> war eine von nur fünf Gemeinden in Lippe, in denen gewählt wurde. Die Gemeinde hatte den Wahltag aufwändig medial vorbereitet.  Foto: Uwe Rottkamp

St. Nicolai Lemgo war eine von nur fünf Gemeinden in Lippe, in denen gewählt wurde. Die Gemeinde hatte den Wahltag aufwändig medial vorbereitet. Foto: Uwe Rottkamp

Zwischen rund 13 und 20 Prozent lang die Wahlbeteiligung bei den Kirchenvorstandswahlen in Lippe.

Allerdings gab es nur in fünf der insgesamt 68 lippischen Gemeinden überhaupt etwas zu wählen, und in einer darunter auch nur in einem Pfarrbezirk. Gewählt werden muss in einer Gemeinde nach Ablauf der vierjährigen Amtsperiode für Kirchenälteste nur, wenn es mehr Bewerber als vorhandene Plätze gibt. Ist dies nicht der Fall, gelten die gemeldeten Kandidaten automatisch als gewählt.

Von Uwe Rottkamp

In vielen Gemeinden scheut man sich, nach „überzähligen“ Bewerbern Ausschau zu halten, um diejenigen, die dann nicht gewählt werden, nicht zu enttäuschen.

Manche Pfarrer machen keinen Hehl daraus, dass ohne Wahl vieles bequemer und konfliktfreier ist. Bequemlichkeit allein kann man allerdings nicht automatisch unterstellen: Es ist zunehmend schwieriger geworden, überhaupt Menschen für das Ehrenamt des Kirchenältesten zu bewegen.

In der Regel einmal pro Monat eine mehrstündige Abendsitzung, dazu Mitarbeit in Fachausschüssen, Kirchen- und Lektorendienst – stellt allein zeitlich nicht unerhebliche Anforderungen an die Amtsinhaber.

Hinzu kommt die nicht geringe Verantwortung: für die Finanzen der Gemeinde gerade stehen, Personalpolitik, Mitarbeiterführung, die bauliche Unterhaltung von Kirchen und Gebäuden – all das sind keine trivialen Aufgaben.

Dass es trotzdem geht, zeigen die fünf Gemeinden mit Wahlen: In St. Nicolai beispielsweise standen 23 Kandidaten für 20 Plätze zur Verfügung.

Um die Wahlbeteiligung zu erhöhen, wurde ein großes Gemeindefest organisiert.

„Wir müssen einfach aufpassen, dass das presbyterial-synodale System mit seiner ‚Demokratie von unten‘, auf die wir anderen gegenüber immer so stolz sind, nicht ausgehebelt wird“, sagte Superintendent und St.Nicolai-Pfarrer Andreas Lange gegenüber UK.

Sicherlich funktioniere auch der „bequeme“ Weg ohne Wahlen oft gut. „Aber dann müssen wir das auch so sagen – sonst wird das zu einem Etikettenschwindel.“

Fürs nächste Mal wünsche er sich mehr Unterstützung durch die Landeskirche: „Viele Gemeinden hätten sich deutlich mehr Hilfe insbesondere in der Zeit erwünscht, in der Kandidaten zu finden waren“, weiß Lange aus zahlreichen Gesprächen.

Sowohl aus Kreisen der Pfarrerschaft wie auch aus etlichen Kirchenvorständen gebe es Enttäuschung über die Öffentlichkeitsarbeit der Landeskirche.

„Die eine oder Pressemitteilung oder der Entwurf eines Logos sind noch nicht das, was sich Gemeinden als unterstützende Dienstleistung der Landeskirche für die Öffentlichkeitsarbeit wünschen“, so Lange.

Da könne man nur hoffen, dass die zuständigen Stellen in Zukunft kreativer gemeindeunterstützend arbeiteten.

Dieser Beitrag wurde am 7.2.2012 um 10.42 Uhr veröffentlicht.

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