Ökumene
Zollitsch: »Wir sind keine Konkurrenten«

Geschwisterliches Miteinander: für die »einfachen« Menschen in den Gemeinden nicht nur auf dem Kirchentag längst kein Problem mehr. Foto: gmh
Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Ribert Zollitsch hat die Atmosphäre auf dem Ökumenischen Kirchentag in München als ein „sachliches und geschwisterliches Miteinander“ von Katholiken und Protestanten bezeichnet.
Wäre die Ökumene ein Hundert-Meter-Lauf, hätten wir bereits achtzig Meter zurückgelegt, sagte Zollitsch während eines Interviews auf dem Roten Sofa der Kirchenpresse. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz betonte, dass „die gemeinsame Aufgabe“ der beiden Kirchen das Entscheidende ist.
Die Ökumenische Vesper auf dem Odeonsplatz habe die Sehnsucht der Gläubigen gezeigt, einmal vereint zu sein, so Zollitsch. Allerdings solle in der ökumenischen Frage behutsam vorgegangen werden: Schlimm wäre es, wenn die Kirchen an dieser Stelle durch übereiltes Handeln Schaden nehmen würden.
Die Ungeduld der Menschen im Hinblick auf das Fortschreiten der Ökumene nehme er war: „Der Stachel der Ungeduld kann heilsam sein, wenn er uns antreibt“, sagte der Erzbischof.
An der Frage eines möglichen gemeinsamen Abendmahls konfessionsverschiedener Ehepaare bleibe er persönlich dran.
Der Papst selbst sei an einer Lösung dieser Frage stark interessiert, sagte Zollitsch auf dem Roten Sofa. „Ich hoffe, dass ich eine Lösung dieser Frage selbst noch erlebe.“
Einer möglichen Lockerung des Zölibats hingegen räumte der Erzbischof keine großen Chancen ein: „Wir sind eine Weltkirche. Die Änderung einer jahrhunderte alten Tradition wie der des Zölibats würde dauern.“
Im Hinblick auf die Ordination von Frauen in der katholischen Kirche verwies der Theologe auf die „Vielfalt im Dienst“. Am Beispiel des Seelsorgerpersonals erläuterte er, dass Frauen – und auch Männer – an anderer Stelle als im Priesteramt verantwortungsvolle Dienste leisteten: „Hier wünsche ich mir eine höhere Akzeptanz“, so Zollitsch.
Der westfälische evangelische Präses Alfred Buß sieht in Sachen Ökumene allerdings nach wie vor große Hemmnisse.
So lange die evangelische Kirche von der römisch-katholischen nicht als Kirche im eigentlichen Sinne anerkannt wird, steht der Ökumene ein gravierendes Hindernis im Weg, sagte Buß.
Es sei schwierig, sich auf Augenhöhe zu begegnen, wenn wir nur als kirchenähnliche Gemeinschaft betrachtet werden, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen.
Nach offizieller katholischer Position sind die Kirchen der Reformation keine Kirchen, sondern Gemeinschaften, denen lediglich „kirchliche Elemente“ zugebilligt werden. Dies wurde zuletzt vor zehn Jahren in der Erklärung „Dominus Iesus“ bestätigt, herausgegeben von der römisch-katholischen Glaubenskongregation.
Dennoch äußerte sich Präses Buß verhalten hoffnungsvoll: Die schwierige Debatte, in der sich die katholische Kirche derzeit befindet, könnte bewirken, „dass wir uns als Christen gemeinsam fragen, ob wir nicht eine neue Reformation brauchen.“
Beide Konfessionen hätten sich zu fragen, wie sie sich grundlegend verändern müssen, denn: „In einer Welt, die mit unseren Unterschieden nichts anfangen kann, haben wir die Botschaft von Gottes Liebe hörbar zu machen.“
Buß rief dazu auf, die evangelisch-katholische Zusammenarbeit im Alltag und in der Nachbarschaft weiter zu stärken.
So könnten zum Beispiel Kirchen und Gemeindehäuser von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt werden. UK
Dieser Beitrag wurde am 16.5.2010 um 07.08 Uhr veröffentlicht.
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