Halbzeit beim Kirchentag
Orthodoxe Vesper als Symbol der Verbundenheit
Zur Halbzeit des 2. Ökumenischen Kirchentages hat die Debatte um sexuellen Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen das Christentreffen in München geprägt.
Während einer prominent besetzten Podiumsdiskussion kam es am Freitag zu einem Zwischenfall, als ein Opfervertreter den Abbruch der Veranstaltung erzwingen wollte. Zudem waren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und zahlreiche weitere Bundespolitiker beim Kirchentag zu Gast.
Auch über Wege zu einem gemeinsamen Abendmahl von Katholiken und Protestanten wurde in München diskutiert.
Als Zeichen ökumenischer Verbundenheit feierten die Kirchentagsteilnehmer am Freitagabend eine orthodoxe Vesper, an der rund 20.000 Christen verschiedener Konfessionen teilnahmen. Nach der Tradition der sogenannten Artoklasia wurde im Anschluss an 1.000 Tischen in der Innenstadt gesegnetes Brot geteilt.
In der Podiumsdiskussion über sexuellen Missbrauch rief der Trierer Bischof Stephan Ackermann dazu auf, die Opfer nicht aus dem Blick zu verlieren.
Auch die Überarbeitung der Leitlinien der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zum Umgang mit Missbrauchsfällen solle »im Kontakt mit den Opfern« erfolgen. Ackermann ist Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz.
Bundeskanzlerin Merkel warb in ihrer Rede auf dem Kirchentag für mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft.
»Ich glaube, fast jeder spürt, die Welt ändert sich«, sagte sie vor ebenfalls mehr als 6.000 Besuchern. Auch in Deutschland dürfe man nicht länger über seine Verhältnisse leben.
Zugleich rief die protestantische Pfarrerstochter zu Optimismus auf.
Ohne Hoffnung könne man die Probleme nicht angehen, die jetzt gelöst werden müssten.
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) ermunterte Katholiken und Protestanten in einer Bibelarbeit beim Kirchentag zu anhaltenden Bemühungen in der Ökumene.
Sein Stellvertreter Wolfgang Thierse (SPD) warnte davor, sich an die Dominanz von Finanzkapital und Börse zu gewöhnen.
Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) riet den Christen, die Welt auch zu genießen.
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte dazu auf, christlichen Glauben aktiv zu leben und sich auch öffentlich einzumischen. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sagte, der christliche Glaube könne den Menschen die Kraft geben, schon im Diesseits bessere Lebensbedingungen zu schaffen.
Die Abendmahlsfrage prägte die theologischen Debatten des Kirchentages.
In der Annäherung der Konfessionen gilt das unterschiedliche Abendmahlsverständnis als großes Hindernis, Katholiken ist der Empfang von Brot und Wein in einer evangelischen Kirche nicht gestattet. epd
Dieser Beitrag wurde am 15.5.2010 um 09.04 Uhr veröffentlicht.
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