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Einsatz von Gewalt

Friedensforscher und Theologen uneins

<b>Herzliche</b> Friedensbotschaft vom Kirchentag. Foto: gmh

Herzliche Friedensbotschaft vom Kirchentag. Foto: gmh

Beim evangelischen Kirchentag in Dresden sind sich Friedensforscher und Theologen nicht darüber einig, ob Krisen wie in Libyen und Afghanistan mit oder ohne Gewalt gelöst werden sollten.

So plädierte der Norweger Friedens- und Konfliktforscher Johan Galtung am Freitag in einem Diskussionsforum dafür, dass die Nato im Konflikt um Libyen militärisch nicht eingreift. Der russisch-orthodoxe Metropolit Hilarion hielt dem entgegen, Christen könnten nicht ausschließen, Menschen genauso wie Recht und Ordnung mit Waffen zu verteidigen.

Radikaler Pazifismus sei Christen fremd, betonte Hilarion.

»Wir müssen Pazifisten sein, aber auch Realisten.« Die Welt sei vom menschlichen Bösen geprägt. »Wir müssen daran arbeiten, dass sie sich nicht in eine Hölle verwandelt.« Während Hilarion den Einsatz von Waffen zum Schutz der Aufständischen in Libyen nicht ausschließt, setzt Galtung genauso wie der Bremer Friedensforscher Dieter Senghaas auf Dialog und Verständigung.

»Libyen gehört den Libyern«, betonte Galtung, dem 1987 für seine Arbeit auf dem Gebiet der Friedensforschung der Alternative Nobelpreis verliehen wurde.

Senghaas ergänzte, zum gegenwärtigen Zeitpunkt solle die Nato die Flugzeuge abziehen und nicht weiter intervenieren. Beim notwendigen Dialog der Konfliktparteien könne das Ausland »vielleicht mit 100 Moderatoren helfen«. Senghaas räumte allerdings ein, ob das funktioniere, »ist völlig offen«.

Nach Auffassung des anglikanischen Theologen Nicholas Sagovsky (London) müssen Waffen eingesetzt werden, wenn es keine andere Möglichkeit gebe, den Frieden zu schützen.

Doch Gewalt müsse »so minimal angewandt werden wie irgend möglich«.

Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, sah es ähnlich.

Frieden sei auf Recht angewiesen und das Recht wiederum sei darauf angewiesen, dass es durchgesetzt werde: »Dann kann es möglich sein, dass Gewalt angewendet werden muss.« Das sei aber eigentlich keine militärische, sondern eine polizeiliche Aufgabe.

Brahms widersprach Hilarion und sagte, das Christentum kenne sehr wohl radikal-pazifistische Strömungen wie etwa die Mennoniten.

Für ihn seien sie »der Stachel im Fleisch meiner eigenen Friedensethik«. epd

»Mehr Fantasie für Frieden in Afghanistan«

Dieser Beitrag wurde am 4.6.2011 um 11.19 Uhr veröffentlicht.

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