Kirchentags-Bilanz
»Dresden hat den Kirchentag verzaubert«

Der Kirchentag ist im Osten angekommen: Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt. Foto: Harald Mallas
Die Forderung nach mehr Bürgerbeteiligung ist für die Präsidentin des evangelischen Kirchentags, Katrin Göring-Eckardt, das wichtigste politische Signal des an diesem Sonntag zu Ende gehenden Protestantentreffens in Dresden.
Die »Wutbürger« hätten ausgedient, es seien »Mutbürger«, die eine Beteiligung an politischen Entscheidungen einforderten, sagte Göring-Eckardt in einem epd-Gespräch: »Die Bürger und Bürgerinnen wollen beteiligt werden.«
Es gehe um Mitsprache, nicht darum, am Wahltag sein Kreuz zu machen: »Diese Botschaft des Dresdner Kirchentags passt gut in die Zeit.«
Als eines der zentralen Themen des Kirchentags nannte die Grünen-Politikerin, die auch Vizepräsidentin des Bundestags ist, die Friedensdebatte und die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) habe nachvollziehbar gemacht, »wie seine Entscheidungen verlaufen - und wie es zusammengeht, dass ein Christ Verteidigungsminister wird«, sagte Göring-Eckardt.
Der Kirchentag sei immer eine Chance, Politiker und Prominente von ihrer nachdenklichen Seite kennenzulernen.
Nachdem bei einem Anschlag am Donnerstag in der Nähe des nordafghanischen Kundus ein weiterer deutscher Soldat getötet worden war, hatten die Auftritte von de Maizière, der dem Kirchentagspräsidium angehört, große Aufmerksamkeit gefunden.
Göring-Eckardt würdigte den respektvollen Umgang miteinander.
Das Schwarz-Weiß-Denken sei sowohl in der Politik wie auch in der Kirche nicht mehr so ausgeprägt. Das unterscheide den 33. Evangelischen Kirchentag von den politisierten westdeutschen Protestantentreffen in den 80er Jahren.
Weitere Themen seien der Ausstieg aus der Atomkraft und der Umstieg auf erneuerbare Energie sowie Umweltprobleme insgesamt gewesen.
»Die Themen sind nicht allein grüne Themen, sondern Themen, die die Leute bewegen«, sagte Göring-Eckardt.
Insgesamt sei der Kirchentag mit 118.000 Dauerteilnehmern und seinen mehr als 2.000 Veranstaltungen im Osten Deutschlands angekommen. Die Dresdner hätten nicht nur gestaunt, sondern sich mit hinein nehmen lassen und dies in einer Region, in der nur 25 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Kirche angehören.
Es habe »eine gegenseitige Liebeserklärung gegeben«, bilanzierte Göring-Eckardt: »Dresden hat den Kirchentag verzaubert, der Kirchentag hat aber auch Dresden verzaubert.« epd
Dieser Beitrag wurde am 5.6.2011 um 08.43 Uhr veröffentlicht.
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