Dresden erwartet 110.000 Dauerbesucher
Christentreffen in barocker Kulisse
300.000 Menschen werden für den Abend des 1. Juni in Dresden erwartet.
»Das ist der absolute Hammer für die Stadt«, blickt Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) auf den »Abend der Begegnung« voraus, der den 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag eröffnet. »Wir sind nervös und aufgeregt.« Die Stadt wolle zeigen, was in den vergangenen 20 Jahren erreicht wurde.
Mehr als 110.000 Dauerteilnehmer des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentages werden sich bis zum 5. Juni zwischen Alt- und Neustadt, Messegelände und Landtag, Frauenkirche und Altmarkt, Hauptbahnhof und Hygiene-Museum bewegen. Den Autoverkehr bringt das Christentreffen weitgehend zum Erliegen.
Die Organisatoren empfehlen dringend zu laufen oder zu radeln. Für Besucher stehen knapp 3.000 Fahrräder zur kostenlosen Ausleihe bereit.
Dresden mit seinen rund 500.000 Einwohnern ist erstmals Gastgeber eines gesamtdeutschen Kirchentages.
Landesbischof Jochen Bohl wies immer wieder auf die große Herausforderung hin, der sich die knapp 800 sächsischen Kirchengemeinden zu stellen haben in einer Region, wo nur etwa 25 Prozent überhaupt einer Kirche angehören.
Zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens zählen derzeit knapp 774.000 Mitglieder. Wenige Tage vor Beginn des Kirchentages ist Bohl erleichtert: »Es läuft alles besser, als ich mir erhofft hatte.«
Auch Kirchentagspfarrer Joachim Lenz lobt das Engagement der Menschen vor Ort.
»Wir sind freundlich aufgenommen worden. Die Landeskirche zieht komplett mit«, sagt er.
Skeptiker hatten befürchtet, dass den Christen nach dem evangelischen Kirchentag in Bremen (2009) und dem ökumenischen Treffen in München (2010) die Luft ausgeht. Doch Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt war sich sicher: »Dresden lockt.«
Inzwischen bestätigen das die weit über 110.000 angemeldeten Dauerteilnehmer.
Und auch die Sachsen haben nicht enttäuscht: Rund 12.000 Betten stellten sie in ihren Wohnungen für die Gäste bereit - und damit mehr private Unterkünfte als bei Kirchentagen zuvor.
Doch der Kirchentag 2011 unter dem Motto »... da wird auch dein Herz sein« fand nicht nur Zustimmung.
Kritik wurde vor allem an der Finanzierung aus öffentlichen Kassen laut. 5,5 Millionen Euro fließen vom Freistaat, zwei Millionen Euro von der Stadt und 400.000 Euro vom Bund. Die sächsische Landeskirche stellt eine Million Euro bereit.
Bohl weist die Kritik entschieden zurück.
»Ich bin mir sicher, dass das Minderheitsmeinungen sind, sowohl was die Politik betrifft als auch die Bevölkerung«, sagt der Bischof. Bei den parlamentarischen Beratungen zur Beteiligung des Freistaats und der Landeshauptstadt habe es große Einmütigkeit gegeben.
In ganz Europa gibt es Bohl zufolge keine vergleichbare Veranstaltung, bei der mit so viel Ernsthaftigkeit und Genauigkeit über aktuelle Fragen diskutiert werde.
Ungeachtet der Popularität des Treffens wollen sich Atheisten zeitgleich zum Kirchentag zu einer Alternativ-Veranstaltung zusammenfinden.
Unter dem abgewandelten Kirchentagsmotto »... da wird auch dein Hirn sein« laden sie zu mehreren Veranstaltungen in die »Religionsfreie Zone« ins Szeneviertel Neustadt ein.
Auf der anderen Elbseite bietet Dresden mit seinen Kunstschätzen und Baudenkmälern eine für das Protestanten-Treffen ungewohnte Kulisse.
Anders als in sonst bevorzugten riesigen Messehallen werden die Besucher an insgesamt mehr als 120 Veranstaltungsorte entlang der Elbe geführt. Und bei einer Bibelarbeit im Residenz-Schloss, einem Feierabendmahl im barocken Zwinger oder einem Morgengebet auf der Kuppel der Frauenkirche dürfte auch ein Abstecher in die Kunstgeschichte drin sein.
Die kulturbegeisterte Stadt begrüßt ihre Gäste bereits mit einer musikalischen Besonderheit.
Komponist Sven Helbig schuf für den Eröffnungsabend ein 15-minütiges Chorwerk. Zu Beginn sollen alle Besucher des »Abends der Begegnung« den gleichen Ton (a) summen. Er habe sich von der Silhouette der Altstadt inspirieren lassen, sagt Helbig, und sein Werk »in die Aura der Stadt integriert«.
Dazu wird es ein Lichtermeer aus rund 150.000 Kerzen an und in der Elbe geben. epd
Dieser Beitrag wurde am 31.5.2011 um 08.43 Uhr veröffentlicht.
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