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Bunter Abschied unter Schirmen

100.000 trotzen beim Schlussgottesdienst Kälte und Regen

<b>Das war's</b>: Der zweite Ökumenische Kirchentag in München ist Geschichte. Ob er einen Aufbruch eingeleitet hat, bleibt abzuwarten. Foto: gmh

Das war's: Der zweite Ökumenische Kirchentag in München ist Geschichte. Ob er einen Aufbruch eingeleitet hat, bleibt abzuwarten. Foto: gmh

Etwas Gutes hatte das schlechte Wetter dann doch.

»Es ist ein sehr schönes Bild, wenn man hier von der Bühne aus auf all die bunten Regenschirme blickt«, sagte der Moderator beim Abschlussgottesdienst des 2. Ökumenischen Kirchentages auf der Münchner Theresienwiese. Und: »Es sind so viele Schirme, die reichen für alle - wir müssen nur näher zusammenrücken!«

Trotz sieben Grad Kälte, Nieselregen und Wind sind am Sonntagvormittag 100.000 Menschen gekommen, um das fünftägige Christentreffen mit dem ökumenischen Gottesdienst abzuschließen.

»Wir wollen uns schließlich gemeinsam verabschieden, das gehört doch dazu«, sagen Lisa und Maria, zwei Schülerinnen aus Krefeld. Wie viele andere haben sie und ihre Freunde ihre großen Reiserucksäcke zu einem Haufen zusammengestellt und stehen nun im Kreis drum herum.

Sogar einige der Kirchentagspapphocker sind zu sehen, andere Menschen sitzen auf Campingstühlen.

An vielen Stellen haben sich auf dem Platz trotz Kiesaufschüttungen große Pfützen gebildet.

Die Leute wippen und hüpfen in ihren bunten Regenjacken auf der Stelle, manche wegen der Musik, die meisten aber wohl eher wegen der Kälte. »Sehr lebendig« finden Carla und Dorothee aus Leverkusen den Gottesdienst. »Er ist nicht so ermüdend, wie wir das auf anderen Kirchentagen erlebt haben«, erzählen die beiden evangelischen Frauen.

Auf der Bühne trägt die evangelische Gebärdenkantorei Bayern eine »Gebärdenpoesie« vor.

Danach spielen wieder die Alphornbläser. »Fürchterlich« finden Fabian und Martin die Musik, »nur das Lied von Bach war noch ganz nett«.

Die beiden evangelischen Studenten sind eher enttäuscht vom Abschlussgottesdienst. »Der Versuch, den Gottesdienst zeitgemäß zu gestalten, geht daneben«, findet Fabian. Damit spreche man höchstens einen kleinen Kreis von Leuten an.

»Mich erinnert das so an die 80er, mit Friedensbewegung und Fahnen schwenken und so«, sagt der Münchner Student.

Eher durchwachsen ist die Stimmung auch bei Bruno und Waltraud, einem katholischen Ehepaar aus der Nähe von Ulm. »Ich habe schon spannendere Gottesdienste erlebt«, gesteht Bruno. Die vielen Lieder seien schön, aber die Gemeinde werde zu wenig eingebunden.

In den vier Predigtimpulsen habe ihr das »Spritzige« gefehlt, sagte Waltraud.

Doch die Statements der Kirchentagspräsidenten zum Abschluss hätten ihnen richtig gut gefallen.

Ein »großes ökumenisches Ereignis« sei der Kirchentag gewesen, betonte der katholische Präsident Alois Glück. »Die Ökumene lebt und sie ist wetterfest«, sagte er und erntete Applaus.

Auch seine Worte zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche wurden beklatscht: Glück äußerte die Hoffnung, dass »uns diese Krise zu einer neuen, einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Laien, Priestern und Bischöfen führt«.

Gemeinsam mit dem evangelischen Kirchentagspräsidenten Eckhard Nagel forderte er die Besucher zu einem »neuen Aufbruch« auf.

Zum Abschluss luden Katrin Göring-Eckardt zum Evangelischen Kirchentag 2011 nach Dresden und Glück zum Katholikentag 2012 nach Mannheim ein.

»Ich finde es gut, dass Frau Göring-Eckardt explizit alle zum evangelischen Kirchentag eingeladen hat«, sagt Susanne aus Aachen. Als evangelische Christin werde sie bald einen Katholiken heiraten »und das ist wirklich immer noch ein Problem«.

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Kirchentags-Fotoalbum


epd

Dieser Beitrag wurde am 16.5.2010 um 17.11 Uhr veröffentlicht.

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