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Kirchentag: Rotes Sofa

1000 Leute. Eine Frau

<b>Auch wenn du noch so sehr</b> auf die Nase fällst - die Hoffnung hilft dir wieder auf: Margot Käßmann auf dem Roten Sofa beim Kirchentag. Foto: gmh

Auch wenn du noch so sehr auf die Nase fällst - die Hoffnung hilft dir wieder auf: Margot Käßmann auf dem Roten Sofa beim Kirchentag. Foto: gmh

Sie ist nervös. Zieht die Schultern hoch. Die Lippen bilden einen schmalen Strich, die Kiefernmuskeln zeichnen sich unter der Haut ab. So angespannt hat Margot Käßmann selbst damals nicht gewirkt, im Oktober, kurz vor ihrer Wahl zur EKD-Ratsvorsitzenden.

Das ist sieben Monate her und gefühlte 100 Jahre. Auf die Wahl folgten: Jubel über die erste Frau an der Spitze der EKD. Vier Monate Wirbel, jede Menge frischer Wind. Und eine bittere Enttäuschung: Käßmann trat von allen kirchlichen Ämtern zurück, nachdem sie von der Polizei bei einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss gestoppt worden war.

Das war Ende Februar. Jetzt ist Mitte Mai und Käßmann zurück.

Mit umjubelten Auftritten auf dem Ökumenischen Kirchentag in München. Ihr neues Buch stellt die frühere hannoverscher Landesbischöfin und promovierte Theologin vor, hält eine Bibelarbeit. Und sie geht den Weg zur Kirchenpresse: Talk auf dem »Roten Sofa«. Redakteure der Kirchenzeitungen in Deutschland stellen Frage. Promis müssen antworten.

Margot Käßmann ist nicht allein gekommen. Mit ihr ist Nikolaus Schneider da, der leitende Theologe (»Präses«) der Evangelischen Kirche im Rheinland und Käßmanns Nachfolger im Amt des EKD-Ratsvorsitzes. Diese Kombination hatte im Vorfeld für Irritationen gesorgt. Traut sich Käßmann nicht allein? Will Schneider, der trotz aller Bemühungen im direkten Vergleich zu Käßmann stets etwas blaß wirkt, etwas von der zu erwartenden Aufmerksamkeit für sich abzwacken?

<b>Talk auf dem Roten Sofa </b> (v.l.:) Wolfgang Riewe, Nikolaus Schneider, Margot Käßmann, Markus Nolte.

Talk auf dem Roten Sofa (v.l.:) Wolfgang Riewe, Nikolaus Schneider, Margot Käßmann, Markus Nolte.

Was auch immer der Grund gewesen sein mag: Der Auftritt gelingt. Nach den ersten Fragen von UK-Chefredakteur Wolfgang Riewe legt Käßmann allmählich ihre Anspannung ab. Zwischendurch erinnert ihr Lächeln, diese Mischung aus Mutter Beimer und Deutschlands Next Top-Model, fast schon an vergangene Tage. Sicher, als der zweite Interviewer auf der Bühne, Markus Nolte von der katholischen Zeitung »Kirche und Leben« in Münster, nach ein paar Minuten Nikolaus Schneider geschickt ins Spiel bringt, hat sie etwas Pause. Und da ist er dann wieder - dieser traurige Schimmer in Käßmanns Augen, der dort vorher nie zu sehen war. Aber sie reißt sich zusammen. Lächelt den Menschen zurück, die sie anstrahlen, Käßmann begeistert feiern. Die Atmosphäre hellt sich auf.

<b>Wir sind voll auf deiner Seite</b>: Zuschauer(innen) sind begeistert von Margot Käßmann.

Wir sind voll auf deiner Seite: Zuschauer(innen) sind begeistert von Margot Käßmann.

Großen Anteil daran haben die Zuschauer. Gut 1000 dürften es sein, die dort vor der Bühne stehen. Unter Regenschirmen, Hüten, Pelerinen trotzen sie dem kühlen Nieselregen. Begeistert klatschen sie, als Käßmann dann doch noch auf ihren Rücktritt zu sprechen kommt - etwas zerknirscht und nur ansatzweise. Aber immerhin. Gern, sagt sie, hätte sie ihre Arbeit als Bischöfin und Ratsvorsitzende weitergeführt. Eine Frau an der Spitze der Kirche - das sei Ausdruck eine Wandels. Und den hätte sie gern weiter begleitet.

Käßmann und Schneider, Riewe und Nolte: Sie sprechen über Ökumene (Käßmann: »Ich möchte das gemeinsame Abendmahl noch erleben!«), Veränderung in der Gesellschaft und in der Kirche. Über Politik. Was den Zuschauern und Zuhörern am Ende dann aber im Ohr hängenbleiben wird, ist Käßmanns Schlusssatz: Hoffnung, so sagt sie, sei die Grundmelodie des Lebens. Das sei für sie wichtig im Blick auf die Ökumene (»Aus dieser Haltung heraus kann man sich engagieren«). Aber auch als grundsätzliches, allumfassendes Lebensmotto: Wer hofft, hat die Kraft, immer wieder aufzustehen. Auch wenn man noch so sehr auf die Nase gefallen sei.


Weitere Berichte vom Kirchentag in München
Kirchentags-Fotoalbum


gmh

Dieser Beitrag wurde am 13.5.2010 um 20.47 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
gumma schrieb am 13.05.2010 23:44:

Frau Käßmann und das rote Sofa im Fernsehen:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/haupt navigation/sendung-verpasst/#/beitrag/vi deo/1043438/ZDF-heute-journal-vom-13-Mai -2010, ab Minute 7.03!

gumma schrieb am 14.05.2010 09:18:

Achtung: Der Link, den ich oben gepostet habe, funktioniert nur, wenn man die Leerzeichen zwischen "Haupt navigation und "vi deo" entfernt!

Irgendwie zerstört das Programm hier automatisch Links, die man in Kommentare setzen will. Warum eigentlich?

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