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Homosexualität: Drei Entscheidungen

Württembergische Pfarrhäuser bleiben grundsätzlich zu

<b>Gleichgeschlechtliche Paare</b> dürfen in Württemberg nicht im Pfarrhaus leben, in Kurhessen-Waldeck können sie sich jetzt segnen lassen. Foto: Govicinity

Gleichgeschlechtliche Paare dürfen in Württemberg nicht im Pfarrhaus leben, in Kurhessen-Waldeck können sie sich jetzt segnen lassen. Foto: Govicinity

In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg werden auch in Zukunft homosexuelle Pfarrer grundsätzlich nicht mit ihrem Partner im Pfarrhaus leben dürfen.

Alle vier Gesprächskreise in der Landessynode kündigten am Mittwoch in Stuttgart an, diesen Grundsatz nicht anzutasten und lediglich in Einzelfällen schwulen oder lesbischen Paaren das Leben im Pfarrhaus zu eröffnen. Hintergrund der Diskussion ist die geplante Einführung eines bundesweiten Pfarrdienstrechts der Evangelischen Kirche in Deutschland, das gleichgeschlechtliche Paare im Pfarrhaus zulässt.

Am kritischsten zur gegenwärtigen Regelung äußerte sich der theologisch liberale Gesprächskreis »Offene Kirche«.

Dessen Synodale Jutta Henrich sprach sich für die kirchliche Segnung homosexueller Paare und die grundsätzliche Öffnung des Pfarrhauses für diese Personengruppe aus.

»Schweren Herzens« sei man aber bereit, im Interesse der betroffenen Pfarrer an der bisherigen Einzelfallregelung festzuhalten, sofern sie rechtssicher als Gesetz oder Verordnung festgeschrieben werde.

Steffen Kern vom theologisch konservativen Gesprächskreis »Lebendige Gemeinde« wies darauf hin, dass die Bibel Homosexualität durchgängig negativ bewerte.

Homosexuelle Paare im Pfarrhaus könnten keine kirchlich legitimierte Praxis sein. Kern warb dafür, dass die Kirche auch seelsorgerliche Initiativen für Menschen unterstützt, die ihre homosexuelle Prägung nicht ausleben wollten.

So solle die württembergische Organisation »Wüstenstrom« in das Diakonische Werk aufgenommen werden.

»Wüstenstrom« wird in der Kirche kontrovers beurteilt, weil die Initiative auch Menschen begleitet, die sich eine Änderung ihrer Homosexualität wünschen.

Dekan Winfried Dalferth von der als gemäßigt geltenden Gruppierung »Evangelium und Kirche« sagte: »Es geht, wenn es in der Gemeinde geht.« Man stehe voll und ganz hinter dem Leitbild Familie im Pfarrhaus, das werde auch auf Dauer so bleiben.

Deshalb könne nur wie bisher im Einzelfall ausgelotet werden, welcher Handlungsspielraum für homophil veranlagte Mitarbeiter bestehe.

Markus Munzinger von der sich als Reformbewegung verstehenden »Kirche für morgen« sprach sich ebenfalls für die Einzelfallregelung aus. Diese sei »kein theologischer, sondern ein politischer Kompromiss«.

Da gelebte Homosexualität von Christen unterschiedlich beurteilt werde, setze man sich für eine Regelung ein, die bei möglichst vielen Menschen in der Kirche Akzeptanz finde.

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Segnung für gleichgeschlechtliche Paare in Kurhessen-Waldeck möglich

In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck können sich gleichgeschlechtliche Paare im Gottesdienst künftig segnen lassen. Mit großer Mehrheit stimmte die Synode der rund eine Million Christen zählenden Landeskirche am Mittwoch für diese Neuordnung.

Eine solche Praxis ist damit in zehn der 22 Mitgliedskirchen der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) möglich.

Bischof Martin Hein erinnerte an die lange Schuldgeschichte der evangelischen Kirche gegenüber homosexuell lebenden Menschen. Das Thema begleite die kurhessische Kirche nun schon seit fast 20 Jahren.

Die 95 Synodalen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck folgten in Hofgeismar bei fünf Gegenstimmen und neun Enthaltungen einer Vorlage des Rates der Landeskirche.

Bislang war die Segnung nur im Rahmen der Seelsorge möglich.

Voraussetzung einer Segnung im Gottesdienst ist neben der eingetragenen Lebenspartnerschaft, dass mindestens einer der Partner evangelisch ist, heißt es in dem Beschluss. Pfarrer dürfen zu einer solchen Handlung nicht gezwungen werden.

Grundsätzlich betonen die evangelischen Kirchen, dass es zwar mehr Rechte für gleichgeschlechtliche Paare geben müsse, diese aber nicht mit der Ehe identisch sein dürften.

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Diakonie will Diskriminierung von Homosexuellen nicht dulden

Die evangelische Diakonie will sich verstärkt gegen eine Diskriminierung von Homosexuellen in ihren Einrichtungen einsetzen.

Diakoniepräsident Johannes Stockmeier teilte der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen mit, dass der Verband entsprechende Verstöße auch mit einem Verbandsausschluss ahnden könne.

Der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, begrüßte am Mittwoch in Berlin die Bemühungen des Wohlfahrtsverbandes, »gegen Homosexuellenfeindlichkeit und fragwürdige Angebote einer kleinen Zahl ihrer Mitgliedsorganisationen« vorzugehen.

Therapien, die eine angebliche Heilung von Homosexualität versprächen, dürften unter dem Dach der Kirche keinen Platz finden, sagte Beck.

Deshalb sei es notwendig zu prüfen, ob die evangelischen Organisationen »Offensive Junger Christen« und das »Weiße Kreuz« den Nicht-Diskriminierungsvorschriften der Diakonie genügten.

Dabei geht es allerdings nicht nur darum, die laut Beck »diskriminierende Grundhaltung der Organisationen« anzuprangern.

Die Diakonie solle sich auch fragen, wie sie die fachliche Überprüfung der eigenen seelsorgerischen Fachverbände verbessern kann.

Nach Becks Ansicht sind die von der »Offensive Junger Christen« und dem »Weißen Kreuz« propagierten Therapien höchst gefährlich.

Schwere Depressionen, zentrale Selbstwertprobleme bis hin zum Suizid seien häufig die Folge.

Beck: »Seelsorge sieht anders aus. Die Diakonie darf derartige Praktiken unter ihrem Dach nicht dulden.«
epd

Dieser Beitrag wurde am 24.11.2011 um 12.53 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
denkglaub schrieb am 24.11.2011 16:55:

Maximal sieben Bibelstellen gibt es, die "bibeltreue" Menschen gegen die Homosexualität anführen können, und davon sind mindestens zwei, bei denen es eigentlich um Vergewaltigung geht.

Mindestens 1000 Bibelstellen gibt es, in denen von Gottes
Liebe die Rede ist und davon, dass auch die Menschen in Treue Liebe praktizieren und liebende Menschen unterstützen sollen.

Wer ist nun "bibeltreu"?

Jene, die homosexuelle lieben Menschen die Partnerschaft verbieten und zu einem heimlichen Leben in Untreue zwingen?

Oder jene, die ihnen im Namen Jesu Christi beistehen und dafür eintreten, wofür Jesus auch schon gestanden hat: Bedingungslos für die Liebe.

Pirol schrieb am 25.11.2011 09:27:

Hat Jesus denn an die partnerschaftliche/geschlechtliche Liebe gedacht, wenn er davon sprach, dass wir einander bedingungslos lieben sollen?

Schallblech schrieb am 25.11.2011 09:50:

Ich vermute, denkglaub meint etwas anderes mit "bedingungslose Liebe", nämlich, daß wir einander annehmen sollen, egal ob einer ins "Raster" paßt oder nicht.

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